Wege aus der Innenstadt-Misere

Strukturwandel und zu hohe Mieten in Syke: Umfassender Prüfauftrag ans Rathaus

Leer stehendes Gebäude in Syke mit einzigem Fußgänger davor.
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Einer der neuesten Leerstände in der Innenstadt: Die Bäckerei Weymann ist an die Ecke Hauptstraße/Mühlendamm umgezogen. Für den alten Standort gibt es momentan noch keinen neuen Nutzer.

Die Syker Stadtverwaltung prüft, ob Fördergelder für Existenzgründer, Coworking-Spaces (mehrere kleine Firmen teilen sich ein Ladenlokal) und „Creative-Labs“ beantragt werden können: So empfahl es einstimmig der Wirtschafts- und Finanzausschuss. Die Entscheidung trifft am 4. März der Rat.

Syke – Die Verwaltung dokumentiert die leer stehenden Geschäftsräume in der Syker Innenstadt. Bürgermeisterin und Wirtschaftsförderer führen Gespräche mit den Eigentümern, um Zwischennutzungen zu ermöglichen und bezahlbare Arbeits- und Produktionsräume für Unternehmen und Freiberufler zu ermöglichen.

Der Anstoß dazu ging Ende vorigen Jahres von der FWG aus (wir berichteten). Deren ursprünglichen Antrag hatte die Stadtverwaltung jetzt noch ergänzt. Auf einer Präsidiumssitzung des Niedersächsischen Städtetags sei Mitte Februar das Thema Belebung der Innenstädte intensiv besprochen worden. Die einhellige Auffassung sei dabei gewesen: Der aktuelle Corona-Lockdown verstärke Entwicklungen, die ohnehin schon im Gange seien, deutlich. Etwa die Digitalisierung im Einzelhandel: weniger Ladenverkauf, mehr Onlinehandel. In der Folge stünden die gewachsenen Innenstädte vor einem grundlegenden strukturellen Wandel. Die Veränderungen seien sehr schnell, umfassend und unübersichtlich. Und der Markt werde die damit verbundenen Probleme nicht lösen können. Das könnten nur die Kommunen.

Die große Frage dabei ist, wie lange die Hauptstraße noch eine Einkaufsstraße bleibt. „Wir sollten uns nicht zu sehr daran klammern“, meinte Jochen Harries (FWG). Für Wilken Hartje (CDU) sind Innenstädte ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. „Früher war die Hauptstraße eine Handwerkerstraße. Ab den 70er-Jahren wurde sie dann zur Einkaufsstraße.“ Das ist sie für ihn heute bestenfalls nur noch zum Teil. „Und es ist fraglich, ob sie das je wieder wird.“

Das Problem sei doppelt hausgemacht, meinte Karsten Bödeker (SPD). Zum einen entscheide jeder selbst, wo er einkauft. Zum anderen gebe das Baurecht ja genügend andere Nutzungsmöglichkeiten in der Innenstadt her.

Solche Schilder hängen nicht selten Monate oder gar Jahre.

„Das veränderte Konsumverhalten können wir nicht wieder zurückdrehen“, entgegnete Heinz-Jürgen Michel (Grüne). Das Problem gebe es woanders auch. Auch in Barrien oder Heiligenfelde gebe es Leerstände, vielleicht sogar mehr als in der Innenstadt. „Und was soll in der Innenstadt denn sonst gebaut werden als Wohnungen, wenn wir nicht noch mehr Leerstände haben wollen?“ Ob man das Problem mit Coworking-Spaces lösen könne, bleibe fraglich. „Aber das ist ja ein Teil des Prüfauftrags.“

Für Ralf Eggers (CDU) sind zu hohe Mieten die Hauptursache des Problems. In dem Zusammenhang wollte er wissen: Wäre es erlaubt, Fördergelder dafür auszugeben, um einem Vermieter die Differenz zu bezahlen zwischen dem, was er an Miete verlangt und dem, was ein Mieter zu zahlen in der Lage ist? „Grundsätzlich ja“, antwortete Erster Stadtrat und Wirtschaftsförderer Thomas Kuchem. Aber: „Wenn wir sagen, wir springen da mit Fördermitteln ein, hätten die Vermieter ja keinen Grund, sich zu bewegen.“

Bürgermeisterin Suse Laue hakte ein: „Das ist es ja gerade! Dass die Vermieter ihre Läden lieber leerstehen lassen als die Miete zu senken oder sie zeitlich begrenzt zu vermieten.“ Die Stadtverwaltung vertritt die Ansicht: Fördergelder als Subventionen für Mieten dürften höchstens als Anschubfinanzierung bei einer Unternehmensgründung und auch nur für einen sehr kurzen Zeitraum in Frage kommen. „Überhöhte Mieten aus Steuergeldern zu finanzieren, geht überhaupt nicht“, so die Bürgermeisterin.

Das sehe übrigens auch die Werbegemeinschaft so, ergänzte Florian Kastner in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Werbegemeinschaft.

Wilken Hartje zeigte sich am Ende hoffnungsfroh: „Allein die öffentliche Diskussion darüber bringt den einen oder anderen Vermieter ja vielleicht in Zugzwang.“

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