Syker Bürgerin des Jahres 2021

Ingeborg Petersilge: „Man braucht doch niemanden zu hassen!“

Ingeborg Petersilge, Syker Bürgerin des Jahres 2021.
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„Menschen sind wichtig“: Ingeborg Petersilge hat am Freitag den Titel „Syker Bürgerin des Jahres 2021“ verliehen bekommen.

Die 92-jährige Ingeborg Petersilge ist die Syker Bürgerin des Jahres 2021. In einer kleinen Feierstunde im Café Alte Posthalterei wurde die engagierte Seniorin für ihr großes Engagement für andere Menschen ausgezeichnet.

Syke – Da saß sie am Ehrentisch im Café Alte Posthalterei, umgeben von Bürgermeisterinnen, und lächelte ihr kleines verschmitztes Lächeln. „Ich hab"s erst nicht geglaubt“, wird sie später bei ihrer bezaubernden kurzen Dankesrede sagen. Aber es stimmt. Die 92-jährige Sykerin trägt den Titel „Bürgerin des Jahres 2021“.

Für gewöhnlich, so betonte Bürgermeisterin Suse Laue in ihrer Begrüßung, erfolge die Ernennung immer im Rahmen des Neujahrsempfangs. Café statt Ratssaal: Dass es diesmal eine Nummer kleiner ablief, war natürlich den Corona-Beschränkungen geschuldet.

Und doch passten die Dimensionen: eine kleine, feine Feier für eine „außergewöhnliche, liebevolle Persönlichkeit“. So bezeichnete Laudatorin Gabriele Beständig, eine der beiden ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen, die Hauptperson dieses Freitagnachmittags – und verriet, dass Petersilge „schon lange preisverdächtig“ gewesen sei.

Beständig skizzierte die wichtigsten Stationen im Leben von Petersilge: geboren 1928 in Berlin, 1942 nach Süddeutschland evakuiert. 1944 erlebt sie den Luftangriff auf Heilbronn – „das Ende der Kindheit“. Ausbildung zur Schulhelferin und Lehrerin, später zur Kindergärtnerin und Sozialarbeiterin.

Lange war Mannheim ihr Lebensmittelpunkt. Reihenhaus, Mann und drei Kinder. Erst als sich die Petersilges auf die Suche nach einer Bleibe fürs Alter machten, kam Syke ins Spiel. 1998 wollten sie im betreuten Wohnen unterkommen – das war in Syke möglich. Und die Stadt gewann – auch wenn das damals noch niemand wusste – eine besondere Person als Neubürgerin.

Im Jahr 2010 starb Ehemann Gustav. Petersilge fand eine neue Bestimmung im sozialen Engagement. „Sie zeigte ein großes Herz für die Menschen in ihrer Umgebung“, sagte Gabriele Beständig. Sie war aktiv als Lese-Omi in der Stadtbibliothek, engagierte sich ab 2015 in der Hilfsinitiative für Flüchtlinge, lehrte Deutsch und war Stammgast im Begegnungscafé.

Alles bis zum 22. April 2020. An diesem Tag brannte es im Seniorenwohnparks Curata, sie verlor ihre Bleibe. „Und nach dem Brand kamen die Diebe“, so Beständig. Eine große Belastung, auch für Petersilge. Doch selbst in dieser Phase war sie mit positivem Denken, aufmunternden Worten und Hilfsbereitschaft für ihre Mitmenschen da. Gabriele Beständig schloss mit den Worten „Ach, gäb"s doch nur ein paar mehr von deiner Sorte!“.

Die Geehrte selbst rang in ihrer Danksagung mehrfach mit der Fassung. Sie sei dankbar für die Ehre, betonte die 92-Jährige, auch wenn es 15 bis 20 Andere gebe, die mit ihr gemeinsam aktiv gewesen seien. „Für die gebe ich ein Stückchen dieser Ehre ab.“

Sie hoffe, dass bald wieder ein normales Leben möglich sei, betonte Petersilge. Und dass andere Menschen zu der Erkenntnis kämen, die auch sie gewonnen habe: „Dass man vieles überhaupt nicht braucht, von dem man dachte, man müsste es unbedingt haben.“

Und noch eine Botschaft war der Bürgerin des Jahres wichtig: „Man braucht doch niemanden zu hassen!“ Es sei ja nicht gleich nötig, jeden zu umarmen und abzuknutschen. „Ein gutes Leben“ sei, was sie jedem wünsche.

„Für die Ansprache hätten Sie noch mal Bürgerin des Jahres werden sollen“, verkündete Suse Laue lachend, ehe sie der Hauptperson des Tages einen prall gefüllten Bücherkorb überreichte. Und dann war Zeit für ganz viele Gratulationen, Blumengeschenke – und für ein paar Tränen.

Von Frank Jaursch

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