Rekordwerte für den Landkreis Diepholz

Industriebetrieben fehlt Personal für dritte Schicht

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Rekordwerte – so charakterisiert der IHK-Wirtschaftsausschuss die aktuelle Lage im Landkreis Diepholz.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. „Rekordwerte, wie wir sie seit Jahren nicht mehr gehabt haben“ – so lautet die Bilanz im Wirtschaftsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK), dessen Mitglieder gestern im Syker Kreishaus tagten. Die Industriebetriebe hätten volle Auftragsbücher, so berichten IHK-Geschäftsführer Constantin von Kuczkowski und Wirtschaftsausschuss-Vorsitzender Ludolf Roshop.

„Die Betriebe wollen investieren, aber sie finden keine Mitarbeiter“, beschreiben sie die enorme Herausforderung der Wirtschaft. Schon jetzt fehle Betrieben das Personal für die dritte Schicht. „Sie versuchen, eine digitale Lösung zu finden.“

Will heißen: Der Fachkräftemangel im Landkreis Diepholz verstärkt den digitalen Wandel unter dem Stichwort „Industrie 4.0“. Nachwuchs ausbilden und halten – diese Strategie hätten sich zahlreiche Betriebsinhaber gesetzt. „Aber da kommen sie an Grenzen“, so von Kuczkowski und Roshop. Denn zum einen nehme die Zahl der Bewerber allein aus demografischen Gründen ab – und zum anderen müssten immer mehr Auszubildende zusätzlich unterstützt und qualifiziert werden. 

Constantin von Kuczkowski und Ludolf Roshop im Wirtschaftsausschuss der IHK im Syker Kreishaus.

Allein im Bereich der IHK Hannover würden 40 Prozent der Auszubildenden schon heute solche betriebliche Zusatzmaßnahmen durchlaufen: „Die Qualität der Bewerber ist weiterhin ein Thema.“ Insbesondere die Gastronomie und Hotellerie versuche, junge Flüchtlinge mit einzubeziehen: „Die Branche lebt von der Internationalität“, so Ludolf Roshop, Chef des Barnstorfer Hotels Roshop, „da passt das ganz gut“.

Zurück zu den Industriebetrieben im Landkreis, die ihre Produkte in europäische Länder, aber auch nach China, Indien und in die USA exportieren: Lokomotiven gehören genauso dazu wie Stall-Ausrüstungen oder Lackier-Spritzpistolen für die Autobranche. „Wenn es der Industrie gut geht, dann geht es auch dem Transportgewerbe gut“, blickt Constantin von Kuczkowski auf einen ebenso wichtigen Wirtschaftsbereich im Landkreis Diepholz.

Neuer Ausbildungsberuf: Kaufmann im E-Commerce

Dazu gehört auch der Handel, den die digitale Konkurrenz – das Online-Geschäft – zurzeit vor enorme Herausforderungen stellt. „Da muss sich der Handel drauf einstellen, sich Nischen suchen oder selbst Online-Kanäle nutzen“, so von Kuczkowski. Er berichtet außerdem von einem neuen Ausbildungsberuf, der zum 1. August auch im Landkreis Diepholz starten soll: Kaufmann im E-Commerce. 14 Auszubildende müssen sich dafür entscheiden, damit am Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup in Diepholz eine Berufsschulklasse eingerichtet werden kann.

Tragende Säule der Wirtschaft im Landkreis sind zudem die Banken. Gleichwohl Niedrigzinsphase und Regulatorik lange Schatten werfen: „Die Banken sind zuversichtlich, weil sie ein sehr gutes Kreditgeschäft machen“, so von Kuczkowski. Das liege vor allem in den zahlreichen privaten und geschäftlichen Bauprojekten begründet, fügt Ludolf Roshop hinzu.

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