Berufstätige leiden im Landkreis Diepholz überdurchschnittlich darunter

Immer wieder Sorge um den Rücken

Präsentieren den Gesundheitsreport: (v.l.) Michael Erdmann (Sprecher der Barmer Landesvertretung Niedersachsen) und Regionalleiter Jonas Kück.
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Präsentieren den Gesundheitsreport: (v.l.) Michael Erdmann (Sprecher der Barmer Landesvertretung Niedersachsen) und Regionalleiter Jonas Kück.

Landkreis  Diepholz. Wenn Berufstätige im Landkreis Diepholz ihrer Arbeit nicht nachgehen können, dann ist viel zu oft der Rücken Schuld. Zu diesem Schluss kommt die Barmer in ihrem Gesundheitsreport für das Corona-Jahr 2020. „Bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems lag Diepholz weit über dem Bundesdurchschnitt“, erläutern Regionalleiter Jonas Kück und Michael Erdmann, Pressesprecher der Barmer Landesvertretung Niedersachsen.

4,2 Krankheitstage verursachten die Rückenleiden der Statistik zufolge 2020 im Landkreis Diepholz – was einer Steigerung von 0,6 entspricht: 3,6 Fehltage waren es noch 2019 gewesen. Die Gründe für das Plus sind unklar. Denkbar, dass Berufstätige im Homeoffice nur einen Küchenstuhl statt eines passgenauen Schreibtischstuhls zur Verfügung hatten. „Oder sie haben sich weniger bewegt“, gibt Michael Erdmann zu bedenken. „Ganz sicher spielen auch die Berufsbilder eine Rolle“, betont Jonas Kück. Will heißen: Der Grad der körperlichen Anforderungen im Berufsalltag.

Weniger Fehlzeiten als im Landesschnitt

Rund 8 000 Versicherte hat die Barmer im Landkreis Diepholz in ihren Reihen. Grundsätzlich waren sie weniger oft krank geschrieben als andere in Niedersachsen: „Die Berufstätigen bei uns hatten wieder weniger Fehlzeiten als im Landesdurchschnitt“, erläutert Jonas Kück. Für den Landkreis Diepholz weist der Gesundheitsreport 17,3 Fehltage aus – genauso viele wie ein Jahr zuvor. Im Landesschnitt waren es 18. Wobei die Spannbreite in Niedersachsen von 14,9 in Osnabrück bis zu 22,9 Arbeitsunfähigkeitstagen in Wilhelmshaven reicht.

„Vor allem psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Probleme sorgten bei den berufstätigen Menschen für längere Abwesenheiten vom Arbeitsplatz“, nennen Michael Erdmann und Jens Kück die Hauptdiagnosen. Im Landkreis Diepholz allerdings lagen psychische Probleme und Verhaltensstörungen mit 3,1 Arbeitsunfähigkeitstagen unter dem Bundesdurchschnitt, geht aus der Statistik hervor. Im Vorjahresvergleich war der Wert sogar noch gesunken, denn 2019 fehlten Barmer-Versicherte im Landkreis Diepholz 3,6 Tage wegen psychischer Probleme.

Diese Entwicklung gibt Jonas Kück und Michael Erdmann zu denken: „Wir fragen uns: Ist das wirklich so?“ Möglicherweise hätten Menschen an der Schwelle zur Depression keinen Therapeuten gefunden. Die Wartezeiten sind in der Regel lang. Andererseits können die Barmer-Vertreter nicht ausschließen, dass Menschen in Corona-Zeiten nicht zum Arzt gegangen sind – aus Angst vor Ansteckung. Deshalb erwarten Jonas Kück und Michael Erdmann im nächsten Gesundheitsreport verlässliche Zahlen: „Wir denken, dass wir 2021 die Rechnung bekommen.“

Weniger Sport wegen Corona

Das gilt ebenso für den Bereich der Verletzungen (zu dieser statistischen Kategorie gehören auch Vergiftungen und Folgen äußerer Umstände wie zum Beispiel Unfälle). Sie lösten 2,1 Arbeitsunfähigkeitstage aus – und damit etwas weniger Fehlzeiten als im Jahr zuvor (2,4 Tage). Auch diese Dynamik könnte eine Folge der Pandemie sein. Denn sportliche Möglichkeiten waren über einen langen Zeitraum stark eingeschränkt. Andererseits liege der Landkreis Diepholz mit seinem aktuellen Wert etwas über dem Bundesdurchschnitt, geben die Barmer-Vertreter zu bedenken – was im hohen Stellenwert des Sports im Flächenlandkreis Diepholz begründet liegen könnte.

„Krankheiten des Atmungssystems wurden im Landkreis Diepholz seltener als im Bund diagnostiziert“, heißt es im Gesundheitsreport. In diesem Bereich stiegen die Fehltage allerdings leicht an – von 1,8 auf 2,0. Für ganz Niedersachsen ermittelte die Barmer einen Rückgang bei Krankheiten des Atmungssystems sowie infektiöser Krankheiten um rund zwölf Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr seien die Fallzahlen bei Verletzungsdiagnosen sowie bei Krankheiten des Verdauungssystems leicht gesunken: „Hierzu könnte beigetragen haben, dass sich viele Arbeitnehmer im Homeoffice oder in Kurzarbeit befanden und in entsprechenden Situationen gerade leichtere Erkrankungen seltener zu einer ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit als bei einer sonst üblichen Arbeitstätigkeit geführt haben dürften“, vermutet Jonas Kück. Arbeitsunfähigkeiten, die unter Angabe einer Covid-19- Erkrankung gemeldet worden waren, hätten insbesondere im Hinblick auf die Fehlzeiten anteilig nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Vorsorge: Noch Luft nach oben

Besorgt nehmen der Regionalleiter und der Pressesprecher allerdings die aktuellen Werte vor Vorsorgeuntersuchungen zur Kenntnis. Demnach nutzen nur zwölf Prozent der Männer diese Möglichkeit, bei den Frauen sind es immerhin 34 Prozent. Michael Erdmann: „Da ist noch Luft nach oben.“

Landesweit sei der Krankenstand leicht gesunken, konkret von 5,1 auf 4,9 Prozent. „Bundesweit fiel die Zahl der Fehltage von durchschnittlich 1 823 Tagen je 100 Erwerbspersonen im Jahr 2019 auf 1  796 Fehltage i m vergangenen Jahr“, berichten die Barmer-Vertreter. Der Krankenstand sank demnach bundesweit von 5,0 auf 4,9 Prozent.

Vorbeugung kann helfen, Krankheiten zu vermeiden. Deshalb ist Jonas Kück und Michael Erdmann das Thema Prävention so wichtig. Sie verweisen auf Gesundheitskurse zu den Themen Stressbewältigung, Entspannung, Bewegung, Ernährung oder Suchtmittelkonsum. „Volkshochschulen, Bildungsstätten oder Vereine bieten vielfach Gesundheitskurse an“, fügen sie hinzu. Wichtig sei zum Beispiel, Bewegung fest in den Alltag zu integrieren. „Warum nicht mal zu Fuß zum Bäcker oder zum Supermarkt gehen?“, schlägt Michael Erdmann vor

Die bundesweite Suche nach Gesundheitskursen ist im Internet möglich.

Von Anke Seidel

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