Wer keine Angst hat, sich zum Horst zu machen, kann bei den Mitsingkonzerten von Hauke Kranz wundervolle Momente erleben

„Immer wieder erstaunlich, was da entsteht“

„Problemkerze“ in der Mitte und Lockerungsübungen im Kreis – nicht immer geht es bei den Mitsingkonzerten von Hauke Kranz (vorne links) so spirituell zu, wie am letzten Freitag. - Foto: Husmann

Syke - Von Michael Walter. „Wichtig beim Singen ist, dass man sich traut“, sagt der Volksmund. Was er nicht sagt: Auch zum Warmmachen davor muss man sich erstmal trauen. Jedenfalls dürfte es Freitag Abend beim Mitsingkonzert im Kreismsueum den einen oder anderen durchaus etwas Überwindung gekostet haben.

Das Bild: Gut ein Dutzend einander großteils unbekannter Erwachsener steht im Halbkreis um Gastgeberin Hauke Kranz und reckt die Arme empor. Auf Kommando gehen die Arme runter bis in Bodennähe. Dabei wird nicht ausgeatmet, sondern ausgeseufzt und ausgestöhnt. Stimmlich mal abwärts und mal aufwärts – was sich wie ein extrem dämliches „Hääh?“ anhört. Wichtig ist, dass man sich traut.

Ein paar Atemübungen später setzt sich Hauke Kranz ans Klavier und stimmt das erste Lied an: „Einfach gehen“ von Amei Helm. Den Text hat sie vorher auf Zetteln verteilt. „Ihr müsst nicht denken, dass ihr das jetzt sofort perfekt singen sollt“, erklärt Kranz. „Hört ein paarmal zu und steigt dann einfach mit ein.“

Nach fünf, sechs Durchgängen hört sich das schon ganz gut an. Dann kommt die Steigerung: Zettel weg, Kreis bilden, Hand geben. Und dann wird das Lied im Kreistanz gesungen. „Ein Lied mit so einem Titel schreit geradezu danach“, sagt Kranz. Und außerdem: „Der Text prägt sich auch viel besser ein, wenn man Bewegungen dazu macht.“

Das ist beim zweiten Lied nicht das Problem – der Text besteht nur aus einer einzigen Zeile: „Ich lasse los und bin ganz bei mir zuhaus.“ Hauke Kranz singt vor. „Wem das zu hoch oder zu tief ist“, sagt sie, „für den hab ich hier noch 'ne zweite Stimme.“ Es dauert exakt eine Minute, bis auch die sitzt. Und dann alles zusammen. Acht Takte, die man gebetsmühlenartig bis ins Unendliche wiederholen kann. Und sehr Moll. Das geht direkt an die Seele.

Die Wirkung haut selbst die Profi-Musikerin ein bisschen von den Socken. „Wow!“, sagt sie. „Hättet ihr das gedacht? Mit ungeübten Sängern?“

Es geht noch besser: „So hoch in den Himmel“ singen die Teilnehmer wieder als Kreistanz mit ausladenden Bewegungen, aber im zweistimmigen Kanon. Drei Durchgänge braucht es, dann werden die Stimmen kräftiger, sicherer. Und nach nur ein paar Minuten hört sich das richtig, richtig gut an. So gut, dass die Mitsänger sich am Ende selbst applaudieren.

„Es ist immer wieder erstaunlich, was da entsteht“, sagt Hauke Kranz. Die Syker Pianistin und Klavierlehrerin bietet seit August letzten Jahres regelmäßig diese Mitsingkonzerte im Museum unter dem Titel „Herzenslieder“ an. Jedesmal kommen zwischen 15 und 20 Mitsänger. „Heute waren es mehr neue“, sagt Kranz. „Wir haben aber einen kleinen Pool von Stammgästen, der normalerweise so etwa die Hälfte der Teilnehmer ausmacht.“

Zwei Dinge will Hauke Kranz bewirken: „Lieder, die mich bewegen, mit den Leuten teilen“, erklärt sie. „Und ein ganz niederschwelliges Angebot schaffen. Für Leute, die gern singen, aber nicht gleich in einen Chor wollen.“

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