Schwierig: Nachwuchs finden und binden

Betriebe im Landkreis Diepholz suchen händeringend Azubis

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Beleuchten den aktuellen Ausbildungsmarkt: (v.l.) Constantin von Kuczowski, Christoph Tietje und Jens Leßmann.

Syke  - Von Anke Seidel. „Unverändert gut“ ist die Wirtschaftslage im Landkreis Diepholz aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Kreishandwerkerschaft. „Aber die Hälfte unserer Betriebe hat das Risiko des Fachkräftemangels“, so Constantin von Kuczkowski als Geschäftsstellen-Leiter der IHK in Syke. Trotzdem: Nachwuchs binden und Nachwuchs finden – das gelingt immer mehr Betrieben immer weniger.

Händeringend suchen Handwerker nach Lehrlingen, stellte Jens Leßmann als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der IHK klar. Der Beweis: Ende September waren im Landkreis Diepholz insgesamt 84 Ausbildungsstellen unbesetzt, berichtete Christoph Tietje, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden.

Tietje sprach von einer „stabilen Situation am Ausbildungsmarkt im Landkreis Diepholz“, die geprägt sei von steigenden Bewerberzahlen bei gleichzeitiger Abnahme des Angebots an Ausbildungsstellen. Die Fakten: 1.436 Ausbildungsplätze waren der Agentur für Arbeit in einem Jahr (1. Oktober 2016 bis 30. September 2017) gemeldet worden – 142 weniger als noch im Vorjahr.

Nachwuchs ist tragende Säule

Die IHK registrierte in diesem Zeitraum 743 neue Ausbildungsverträge im Landkreis – exakt 23 (3,1 Prozent) weniger als noch im Vorjahr. Bei der Kreishandwerkerschaft war der Trend umgekehrt: Mit 467 neue Ausbildungsverträgen waren es 18 mehr als noch im Vorjahr.

Der Nachwuchs – die selbst ausgebildete Fachkraft – ist eine tragende Säule des Firmen-Erfolgs, belegt eine IHK-Umfrage. Wie Constantin von Kuczkowsi berichtete, suchen 64 Prozent der Betriebe nach Fachkräften, um das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern aufzufangen. Gelingt ihnen das nicht, wäre nach Ansicht von 76 Prozent der Befragten die Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft die Folge. 55 Prozent gaben an, ihr Wachstumspotenzial bei fehlenden Fachkräften nicht ausschöpfen zu können.

Deshalb wünschen sich 62 Prozent der Befragten die Stärkung der beruflichen Bildung. Grund: Rund 38 Prozent der Betriebe hatten nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können.

Jens Leßmann zur Situation in der Kreishandwerkerschaft: „Mehr als die Hälfte aller Betriebe konnten nicht alle Plätze besetzen, vor allem im Bau- und Ausbauhandwerk.“ Bei Bäckern und Fleischern sei das schon seit Jahren so: „Es ist ungeheuer schwer, Menschen dafür zu gewinnen!“ Deshalb, so berichtete Leßmann, seien die Ausbildungsvergütungen „überdurchschnittlich angehoben worden“.

„Es gibt nicht immer den Traumberuf im Angebot“

Die Kreishandwerkerschaft werde nicht müde zu betonen: „Der Gesellenbrief ist der Anfang einer Handwerker-Karriere.“ Wer seinen Meisterbrief in der Tasche habe, könne ein Studium beginnen. Aber auch ohne Universitätsabschluss haben Meister glänzende Chancen: Im Bäcker- und Fleischerhandwerk sei es oft schwierig, „Betriebsnachfolgen qualifiziert zu besetzen“.

Vor allem für eine Ausbildung im gewerblich-technischen Bereich warben Leßmann und von Kuczkowski als Basis für ein erfolgreiches Berufsleben. Grundsätzlich stellte Christoph Tietje zur Ausbildungssituation fest: „Es gibt nicht immer den Traumberuf im Angebot.“ Aber die Auswahl sei bei mehr als 300 anerkannten Ausbildungsberufen groß.

Unstrittig war zwischen Agentur für Arbeit, IHK und Kreishandwerkerschaft, dass Bewerber nicht immer den Anforderungen der Betriebe genügen: Fehlende soziale Kompetenz, schlechte Schulnoten und auffällig viele Fehltage nannten Betriebe in der Umfrage – aber auch weiße Flecken im Öffentlichen Personennahverkehr, auf den Berufsanfänger ohne Führerschein angewiesen sind.

Um die Qualifikation der jungen Menschen zu verbessern, bieten sowohl IHK als auch Kreishandwerkerschaft und Agentur für Arbeit spezielle Programme und Projekte. „Wir investieren da viel Geld“, so Tietje, „manche Azubi-Bewerber begleiten wir mit Vermittlern und Beratern zu den Betrieben.“

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