Nachverfolgung langsam am Limit

Im Krisenmodus

Mit Abstand: Ulrike Tammen und Cord Bockhop.
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Mit Abstand: Ulrike Tammen und Cord Bockhop.

Landkreis Diepholz – „Wir sind so langsam am Limit“, sagt Landrat Cord Bockhop. Angesichts der aktuellen Corona-Infektionszahlen stecken die Kontaktverfolger des Landkreises – also diejenigen, die herausfinden sollen, wer wen angesteckt haben könnte – bis zum Hals in Arbeit. Damit sich die Situation nicht noch weiter zuspitzt, ruft Bockhop dazu auf, Kontakte drastisch zu reduzieren. „Halloween fällt aus“, so der Landrat am Donnerstag bei einem Pressegespräch.

„Wir werden in Zusammenarbeit mit der Polizei nicht nur Beruhigungspillen verteilen. Wir werden kontrollieren“, sagt er über die bevorstehende Zeit. Trotz allem wirkt der Landrat ruhig. „Ruhe erleichtert die Arbeit, vor allem, wenn man viel Arbeit hat“, meint er.

Bald schon sollen sich fast 100 Personen um die Nachverfolgung von Infektionsketten im Landkreis kümmern. Aktuell arbeiten daran 40 Mitarbeiter des Gesundheitsamts. Hinzu kommen mehr als 25 Verwaltungsmitarbeiter aus anderen Fachbereichen und zehn Personen aus den Reihen der Bundeswehr. Dennoch: Laut Kreisrätin Ulrike Tammen wird das wohl nicht reichen. Der Landkreis plane, 20 weitere Vollzeit-Stellen zu schaffen. Studenten könnten diese besetzen. Durch die zusätzlichen Kräfte, Schichtbetrieb von 7 bis 20 Uhr und Samstagsarbeit versucht der Kreis, Herr der Lage zu bleiben.

Tammen sagt, dass die Nachverfolgung „teilweise echte Sisyphusarbeit“ sei. Erschwerend komme hinzu, dass nicht jeder Infizierte seine Kontakte vollständig angebe und nicht jeder Restaurantbesucher die Adressliste wahrheitsgemäß ausfülle. „Wir haben durchaus Situationen, wo wir die Nachverfolgung nicht mehr hinkriegen“, schildert Bockhop die Folgen.

Auch beim Bürgertelefon des Landkreises laufen die Leitungen heiß. Als es im März eingeführt wurde, gab es laut Tammen keine 100 Anrufe pro Woche. „Mittlerweile haben wir mehr als 200 pro Tag“, berichtet sie. „Das läuft im Krisenmodus.“ Die Mitarbeiter würden mitunter auch sehr unfreundliche Anrufe erhalten.

Zu den neuen Corona-Regeln sagt Bockhop, dass er bundesweit einheitliche Berufsstandards gut findet. Manches, zum Beispiel ob Schulen geschlossen werden, würde er aber lieber auf Kreisebene entscheiden. Er malt folgendes Szenario: Wenn es in einer Gemeinde seit zwei Wochen keine neuen Fälle mehr geben sollte, könne es nicht sein, dass dort Schulen geschlossen werden, nur weil es am anderen Kreisende einen Ausbruch in einem Seniorenheim gebe und dadurch die Infektionszahlen für den Kreis in die Höhe schießen.

Zurück zu Halloween: Bockhop schlägt stattdessen vor, im Familienkreis mit der Laterne zu gehen.  ks

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