Anwohner sauer: Lübecker Straße als Zufahrt zum Baugebiet? / Stadt: Nur als Plan B

Im 40-Tonner durch die Wohnstraße

Das Baugebiet Westlich der Kieler Straße soll von der Sudweyher Straße aus erschlossen werden. Plan B der Stadt sieht dafür die Lübecker Straße vor.
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Margarete und Reinhard Dunker zeigen es: Die Lübecker Straße ist so schmal, dass an manchen Stellen keine zwei Autos aneinander vorbei können. Für sie und ihre Nachbarn ist es unvorstellbar, dort 40-Tonner-Schwertransporte zum Baugebiet Westlich der Kieler Straße durchzuschleusen. Genau das könnte aber passieren, wenn es für sie richtig dumm kommt.

Barrien – Ein von der Stadt gefällter Baum an der Straßeneinmündung, Mitarbeiter vom Bauamt, die kurz vor dem Wochenende nochmal schnell die Breite der Straße messen. Ein paar möglicherweise flapsige Antworten auf Fragen aus der Nachbarschaft, die die Anwohner als herablassend empfinden: Mehr hat es nicht gebraucht, um an der Lübecker Straße die Emotionen hochkochen zu lassen.

„Unser Eindruck ist: Hier will die Stadt mal so eben schnell eine andere Zuwegung zum Baugebiet Westlich der Kieler Straße durchschieben“, sagt Nachbarschafts-Sprecher Reinhard Dunker. Das Gebiet liegt nur einen Steinwurf weiter nördlich und die Planungen dafür stehen kurz vor dem Abschluss. Insgesamt zwölf Ein- und Mehrfamilienhäuser sollen dort entstehen.

Ursprünglich hätte die Erschließung über die Kieler Straße und den Husumer Weg erfolgen sollen. Da der Husumer Weg aber viel zu eng ist, hatte die Stadtverwaltung davon wieder Abstand genommen (wir berichteten). Stattdessen sollte das Gebiet von Norden her erschlossen werden: über einen Stichweg von der Sudweyher Straße.

Das Baugebiet Westlich der Kieler Straße soll von der Sudweyher Straße aus erschlossen werden. Da das eine Landesstraße ist, braucht die Stadt dafür eine Sondergenehmigung von der Landes-Straßenbaubehörde in Nienburg. Die will sie auch erteilen. Allerdings zunächst nur für ein halbes Jahr. Für die Zeit danach braucht die Stadt einen Plan B. Der sieht vor, den Baustellenverkehr über die Lübecker Straße zu führen. Und das bringt die Anwohner auf die Palme.

„Das hat uns die Verwaltung auch immer wieder so bestätigt“, sagt Reinhard Dunker. „Und jetzt sagen uns die Mitarbeiter von der Stadt, die Erschließung soll über unsere Straße führen.“ Was die Anlieger besonders ärgert: „Wir haben das nur erfahren, weil wir die Leute hier zufällig gesehen hatten und sie gefragt haben, was sie da machen.“ Für Dunker und seine Nachbarn ist das „Informationspolitik auf Nachfrage“. Der Eindruck der Anwohnerschaft: „Vielleicht will da jemand verhindern, dass wir rechtzeitig Einwände äußern?“

Die Lübecker Straße ist verkehrsberuhigt und entsprechend eng. Für Dunker und seine Nachbarn ist es unvorstellbar, dass dort Schwerlaster zur Baustelle fahren. „Sogar die Müllabfuhr hat hier ja manchmal schon Probleme.“ Hinzu kommt die Angst vor Schäden. Weniger an der Straße selbst – die müsste der Verursacher bezahlen – als vielmehr an den Gebäuden. „Wenn mir zwei Meter von der Grundstücksgrenze entfernt der Kanal bricht, sagt doch jeder: ,Ist ja dein Grundstück‘“, sagt einer von Dunkers Nachbarn.

Auf Nachfrage der Kreiszeitung bestätigt Bürgermeisterin Suse Laue: Die Stadt plant tatsächlich eine Zuwegung zum Baugebiet durch die Lübecker Straße. Allerdings nur als Plan B. Plan A bleibt die Erschließung über die Sudweyher Straße. Der Haken an der Sache ist: Die Sudweyher Straße ist eine Landesstraße und damit liegt sie in der Verantwortung der Landesstraßenbaubehörde in Nienburg. Und die erlaubt normalerweise keine Baustellenzufahrten auf Bundes- oder Landesstraßen.

Suse Laue: „Wir haben die Zusage einer sogenannten Sondernutzung für die Dauer der Erschließung des Baugebiets. Die gilt aber zeitlich befristet auf eine Saison, also ungefähr ein halbes Jahr. Wir müssen aber natürlich Möglichkeiten schaffen für die Zeit danach. Wenn das Gebiet erschlossen ist, und dann da jemand bauen will, muss der ja sein Grundstück erreichen können.“ Deswegen soll die Zuwegung über die Lübecker Straße im Plan festgehalten werden.

„Wir sind in Gesprächen mit der Behörde in Nienburg und mit dem Landkreis, dass die Sondernutzung noch länger läuft“, sagt Laue. „So lange bis die überwiegende Zahl der Lkw-Verkehre abgewickelt ist.“ Über die Lübecker Straße werde dann nur noch ein geringer Teil des Schwerlastverkehrs laufen – wenn überhaupt. Die Stadt verhandele außerdem noch mit dem Investor des Baugebiets über eine Bestandsaufnahme der Lübecker Straße, die auch den baulichen Zustand der Häuser dort umfasst. Damit hätten die Anwohner ein Mittel, im Fall der Fälle Schadenersatz geltend zu machen.

Von Michael Walter

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