Seit 33 Jahren Vorsitzender bei Haus & Grund Syke

Heinz-Jürgen Häßner: „Ich krieg immer den Schrott auf den Tisch“

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Heinz-Jürgen Häßner ist seit 33 Jahren Vorsitzender des Vereins Haus & Grund Syke und Umgebung.

Syke - Der Vermieter ist der natürliche Feind des Mieters: Dieses Klischee ist Heinz-Jürgen Häßner viel zu billig. Er muss es wissen. Denn er ist seit 33 Jahren Vorsitzender des örtlichen Vereins der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer. Oder kurz: Haus & Grund Syke und Umgebung.

„Ich krieg natürlich immer nur den Schrott auf den Tisch“, lacht der 74-jährige Jurist mit eigener Rechtsanwaltskanzlei. „Aber ich behaupte mal: 80 bis 90 Prozent aller Mietverhältnisse laufen völlig problemlos.“ Und bei dem Schrott sind laut Häßner die Vermieter oftmals selber Schuld. Den meisten Ärger gibt es bei den Nebenkostenabrechnungen. „Da werden dann Beträge aufgeschrieben, ohne dass erklärt wird, wie sie zustande kommen.“

Häßner erbt Vorsitz von Haus & Grund vom Vater

Den Vorsitz hat Häßner quasi geerbt: Bis er ihn 1986 übernahm, hatte sein Vater diesen Posten. Ähnlich lange übrigens. „Seit 1952 oder 53“ überlegt Häßner laut. Was macht für ihn den Reiz daran aus? „Ich bin Jurist und habe mit juristischen Themen zu tun. Mit Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern, mit Nachbarschaftsproblemen. Was jetzt neu hinzukommt, sind Probleme bei Eigentümergemeinschaften.“ 

Häßner gibt ein Beispiel: „Wenn es nicht ausdrücklich anders geregelt ist, geht es bei Abstimmungen nicht nach Wohnungen, sondern nach Köpfen. Jemand hat ein Haus mit zwölf Wohnungen und verkauft eine. Dann hat der mit den elf Wohnungen eine Stimme und der mit der einen Wohnung ebenfalls.“ Ein konkreter Fall übrigens. Häßner konnte eine Lösung finden. Der Eigentümer mit den elf Wohnungen hat ein paar davon auf Familienangehörige übertragen. Die hatten dann ebenfalls Stimmrecht, und das Patt war aufgehoben.

750 Mitglieder bei Haus & Grund organisiert

Mit zwölf Wohnungen gehört man bei Haus & Grund Syke schon zu den größeren Tieren. „Wir haben etwa 750 Mitglieder“, zählt Häßner auf. „Davon haben fünf Prozent lediglich ein selbstgenutztes Einfamilienhaus. Etwa 60 Prozent besitzen eine bis fünf vermietete Wohnungen. Die restlichen 35 Prozent haben zwischen sechs und zehn Wohnungen, und es gibt einige wenige finanzkräftige Mitglieder, die mehr als zehn haben. Aber das sind alles Privatleute und keine Unternehmen.“

Was alle eint, ist der Beratungsbedarf. Die regelmäßigen Sprechtage werden zwar sehr ungleichmäßig besucht, übers Jahr ergeben sich daraus aber 500 bis 600 Einzelberatungen für Häßner.

Verhältnis Mieter-Vermieter nicht groß verändert

Blickt er auf seine 33 Jahre Vorstandsarbeit zurück, stellt er fest: „Das Verhältnis zwischen Mietern und Vermietern hat sich gar nicht groß geändert. In der Regel ist es unproblematisch, und gibt es Knatsch; sind teilweise die Vermieter selbst schuld. Es gibt aber auch Mieter, die es vielleicht übertreiben und ihren Vermieter zwickeln ohne Ende. Wenn der den Mieter dann loswerden will, greift der Mieter natürlich zu allen denkbaren Tricks. Dann kann so eine Auseinandersetzung schon mal ohne Weiteres drei Jahre dauern.“ Aber das, betont Häßner, sei selten. „Und höher als bis vors Landgericht musste ich in Mietsachen bisher noch nicht gehen.“

Was sich hingegen drastisch geändert hat, ist das gesamte Preisgefüge im Wohnsektor. „Früher war es doch so: Ich kaufe mir ‘ne Eigentumswohnung. Wenn ich die abbezahlt habe, kaufe ich mir ein Reihenhaus. Und wenn ich das abbezahlt habe, baue ich mir ein Einfamilienhaus. Heute müsste man dafür mindestens 60 Jahre arbeiten, bis man das abbezahlt hätte.“ 

Mietpreis-Entwicklung: Deutlicher Anstieg

Diese Kostenentwicklung wirkt sich auch auf die Mietpreise aus. In Syke liegen die laut Häßner derzeit zwischen 5,50 und 7,50 Euro pro Quadratmeter. „In Stuhr und Weyhe sind sie schon deutlich drüber. Ich höre selbst von Vermietern inzwischen: Wer soll das denn noch bezahlen?“ Denen bleibe aber gar nichts anderes übrig, als die hohen Preise auf die Mieten umzulegen. Und das tun sie meist nicht gerne.

„Wir sind schon daran interessiert, zufriedene Mieter zu haben“, betont Häßner. „Ich erlebe das oft in den Beratungen. Es geht den Vermietern nicht darum, auch noch den letzten Euro aus den Mietern herauszupressen. Es geht ihnen darum, langfristige Mieter zu haben.“

Häßner will weitermachen

Stichwort langfristig: Wie lange will Häßner eigentlich noch weitermachen? Er holt einmal tief Luft, als hätte er noch nie darüber nachgedacht. Ruhestand ist ein Wort, das ihm nicht gut über die Lippen kommt. 

„Das Notariat habe ich altersbedingt ja schon vor einiger Zeit abgeben müssen. Aber als Anwalt kann ich so lange arbeiten, wie ich will. Ich bin ja auch seit 32 Jahren Mitglied im Vorstand der Rechtsanwaltskammer und gerade bis 2023 wiedergewählt worden. Bis dann möchte ich auf alle Fälle weitermachen. Auch mit Haus &  Grund in Syke.“

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