Ein Abschied als Anfang

Hunde-Drama mit Happy End

+
Max Günter mit seinen drei Schützlingen (v.l.) Tiffy, Baxter und Tinkerbell. Von acht weiteren Tieren musste sich der 92-Jährige trennen.Wohin sechs von ihnen vermittelt worden sind, weiß er nicht.

Syke - Von Anke Seidel. Elf Hunde auf einen Streich: Diese Mannschaft auf vier Pfoten landete Ende Januar im Tierheim Lindern bei Sulingen, weil der 92-jährige Besitzer plötzlich ins Krankenhaus musste. Aber diese Geschichte hat ein Happy-End, weil aus einem tierischen Abschied eine neue Freundschaft entstanden ist. Die Brücke hat einer der elf Hunde geschlagen: Finchen.

Das Tier lebt jetzt bei zwei Sykerinnen, die den ehemaligen elffachen Hundebesitzer Max Günter immer mal wieder zum Kaffeetrinken einladen. Die Frauen hätten in dieser Zeitung von dem Schicksal seiner Hunde erfahren, berichtet der 92-Jährige. Finchens neue Besitzerinnen seien „zwei sehr nette Damen“, freut sich Max Günter. Der Hund habe bei ihnen „den Himmel auf Erden“.

Ein zweites Tier aus der Hunde-Mannschaft, Murphy, lebt beim Sohn einer Krankenschwester – der Fachkraft, die den 92-Jährigen in der Klinik betreute. Ihr hatte der Senior die traurige Geschichte seiner Vierbeiner erzählt: „Ich habe ihr Murphy sehr ans Herz gelegt“, schmunzelt Max Günter.

Zu den elf Hunden kam er wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde: Aus familiären Gründen musste er sich plötzlich um die Rasselbande kümmern – quirlige Vierbeiner der Rassen Malteser, Chihuaha, Shih Tzu, Bichon Frisé und Mischlinge daraus.

Drei von ihnen hat Max Günter nach seinem Klinikaufenthalt wieder nach Hause geholt: Die elf Jahre alte, herzkranke Chihuaha-Hündin Tinkerbell, den neunjährigen Bichon Frisé/Chihuaha-Mischling Baxter und die zehnjährige Shih-Tzu-Hündin Tiffy. Die drei toben fröhlich durch den idyllischen, eingezäunten Garten des Grundstücks in Gödestorf.

Elf auf einen Streich: Die tierische Rasselbande im Tierheim Lindern bei Sulingen.

Wohin die anderen sechs Hunde vermittelt worden sind, weiß Max Günter nicht. Er will es auch gar nicht wissen: „Ich habe lange gebraucht, um das seelisch zu verarbeiten“, sagt der 92-Jährige über den Abschied, „und ich hoffe inständig, dass alle so ein gutes Zuhause und so eine liebevolle Betreuung gefunden haben, wie sie es von mir gewohnt waren“. Seine Tochter und die Mitarbeiter seines Pflegedienstes hatten Max Günter bei der Versorgung seiner Tiere geholfen – und tun es jetzt noch.

„Ich denke immer noch an sie“, sagt der 92-Jährige über seine sechs verlorenen Schützlinge. „Und ich denke auch immer noch an Cinderella“, blickt er auf einen Engelsstein in seinem Garten. Dort liegt seine Yorkshire-Hündin begraben, die er einst von Bekannten in Not übernommen hatte.

Hunde – das sind für den 92-Jährigen Schutzbefohlene und Mitgeschöpfe, denen er vieles erlaubt: „Sie dürfen sogar bei mir im Bett schlafen“, schmunzelt der Senior, der auf ein bewegtes Leben zurückblickt und sich von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lässt.

Der gebürtige Bremer kam als Jugendlicher zur Marine-Jugend (MHJ) und war im Zweiten Weltkrieg Spezialist für Funkmesstechnik bei der Marine. In zwei Büchern hat er seine Erinnerungen verarbeitet: „Der Weg zum Ziel“ und „Winkspruch an die Vergangenheit“ lauten ihre Titel.

„Wenn man einen Krieg mitgemacht hat, dann weiß man, was für ein Wahnsinn das ist!“, sagt Max Günter – und fügt hinzu: „Ich bin Pazifist!“ Er schaue bei Menschen weder auf Religion noch auf Herkunft: „Es kommt allein auf den Charakter an!“

Die Völkerverständigung liegt ihm am Herzen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet seiner Meinung nach der Nijmegenmarsch in den Niederlanden: eine viertägige, internationale Marschveranstaltung mit bis zu 50 000 Bürgern und Militärangehörigen, die traditionell am dritten Dienstag im Juli beginnt. Wer vier Tagesetappen in einer Länge von 30, 40 oder 50 Kilometern (je nach Alter) bewältigt, erhält eine Auszeichnung. Max Günter hat 18 Jahre lang teilgenommen und dafür die höchste Auszeichnung, das farbige Viertagekreuz, erhalten. Im Gedanken wird er am 19. Juli wieder dabei sein – und hätte das Geschehen gern am Fernseher verfolgt. „Aber darüber berichtet ja niemand!“ 30 Jahre lang hat er übrigens an den Vier-Abend-Märschen in Zeven teilgenommen.

Mehr zum Thema:

BVB besiegt Titelfluch - DFB-Pokaltriumph im vierten Anlauf

BVB besiegt Titelfluch - DFB-Pokaltriumph im vierten Anlauf

Dortmund holt den Pott! Bilder vom Sieg gegen Frankfurt

Dortmund holt den Pott! Bilder vom Sieg gegen Frankfurt

„Auba-cooler Elfer!“ Die Pressestimmen zum BVB-Sieg

„Auba-cooler Elfer!“ Die Pressestimmen zum BVB-Sieg

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

G7-Gipfel: Scheitern in letzter Minute verhindert

Meistgelesene Artikel

Freistatt feiert Jahresfest – und 150 Jahre Bethel

Freistatt feiert Jahresfest – und 150 Jahre Bethel

Abitur in Leeste: „Eine gute Vorbereitung auf die Welt“

Abitur in Leeste: „Eine gute Vorbereitung auf die Welt“

Sportpark-Feuer: Jugendstrafen mit Bewährung 

Sportpark-Feuer: Jugendstrafen mit Bewährung 

Ganz sachte „angebuckt“: Hopmanns sind seit 60 Jahren verheiratet

Ganz sachte „angebuckt“: Hopmanns sind seit 60 Jahren verheiratet

Kommentare