Holzernte in der Westermark: Spezialisten heben Stämme über junge Bäume hinweg

Dem Nachwuchs eine Chance

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Teamwork bei der Holzernte: Sägeführer Rudolf Niehaus arbeitet mit der Motorsäge am Baum, während Kranführer Daniel Rippe den Stamm fixiert.

Syke - Von Frank Jaursch. Was Daniel Rippe mit seiner schweren Maschine macht, erinnert ein wenig an spektakuläre Wetten, wie es sie bei „Wetten, dass..?“ gab: Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit, geradezu behutsam lässt der Kranführer den Holzstamm vor sich auf den Boden gleiten. Das Besondere: Der Stamm der Fichte in den Krallen seines Greifarms ist gut und gerne 30 Meter lang.

Rippe und sein Sägeführer Rudolf Niehaus vom Cloppenburger Unternehmen Ostendorf haben vor einigen Tagen mit der Holzernte in der Westermark begonnen. Und zwar auf eine besondere Art: Statt – wie bei einer normalen Vollerntemaschine üblich – die Kiefern und Fichten einfach zu fällen, hält der Greifer des 20-Tonnen-Baggers den Stamm der großen Bäume in der Senkrechten, bis Niehaus sein Werk in Bodennähe beendet hat.

Anschließend wird der mehrere Tonnen schwere Baum über die kleineren Bäume hinweg gehoben und in der Fahrgasse abgelegt.

Wofür dieser Aufwand? Rainer Städing, Pressesprecher bei den Niedersächsischen Landesforsten, klärt auf. „Wenn wir oben durchforsten, schmeißen wir uns mit den großen Bäumen die kleinen kaputt.“ Denn unten wachsen seit 20 Jahren Laubbäume: Die in den 1990er-Jahren gesetzten Buchen fristen buchstäblich ein Schattendasein in der Westermark.

Dabei sind die Buchen mehr als willkommen: Sie sind, so erklärt Städing, eine heimische Art, ökologisch stabiler – und verbessern zudem den Humushaushalt des Waldstücks. Doch sie haben es nicht ganz leicht: Die sperrigen Kronen der Fichten nehmen dem Nachwuchs viel Licht, behindern so den Wuchs.

Der winterliche Holzeinschlag verbessert für sie die Lichtverhältnisse. In der Vergangenheit habe man aber zunächst die Kollateralschäden „nicht so beachtet“, räumt Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier ein. „Wir dachten: Das wächst sich noch zurecht.“

Seit etwa zehn Jahren schwört man auch in Syke auf die filigranere Arbeit. Bis zu zehn Tonnen schwer sind die Stämme, mit denen der Greifer umgehen kann. Zehn bis 20 Bäume pro Stunde schafft das eingespielte Duo – je nach Größe und Umgebung der Bäume.

Mit Handzeichen verständigen sich Niehaus und Rippe. Konzentration ist ein Muss: „Ohne Konzentration kannst du keine fünf Minuten arbeiten“, erklärt Niehaus. Jeder Baum sei anders, eine falsche Aktion kann fatale Folgen haben.

Etwa zwei Wochen ist das Duo in der Westermark in Aktion. Zurück bleiben fein säuberlich in der Rückegasse aufgestapelte Stämme. Und jede Menge Arbeit für den Harvester, die Holzernte-Maschine. „Der pflügt hier richtig durch“, sagt Tegtmeier – und freut sich doppelt: Über mehr Holz für die Wirtschaft und mehr Licht für den „Nachwuchs“.

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