Ehepaar spendet für „Sternenfahrten“

Hochzeitsgeschenke erfüllen Sterbenden letzte Wünsche

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Ein Glas voller Geld: Frank Wenzlow (l.) ist Initiator der „Sternenfahrten“ – und beeindruckt von der Spende des Ehepaars Renate Bleßmann und Friedrich Bode aus Syke-Gessel.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Im eigenen Glück andere in ihrem Unglück nicht vergessen – für Renate Bleßmann und Friedrich Bode aus Syke-Gessel ist das selbstverständlich. Bei ihrer Hochzeit haben sie bewusst auf Geschenke verzichtet und dafür um Spenden gebeten – auch für die „Sternenfahrten“ des Ambulance Service Nord, der Sterbenden einen letzten Wunsch erfüllt.

Sie sind nicht die einzigen, die das einmalige Projekt in den Landkreisen Diepholz, Verden und Nienburg mit Spenden unterstützen. Rund 20.000 Euro haben Menschen in nur knapp acht Monaten dafür gespendet, berichtet Initiator und Organisator Frank Wenzlow.

„Wir haben ja schon alles“

Sichtlich beeindruckt nimmt er das mit Geld gefüllte Glas entgegen, das ihm Renate Bleßmann und Friedrich Bode überreichen. Darin sind exakt 1388 Euro enthalten – Spenden, die das Paar beim Polterabend und bei der familiären Hochzeitsfeier gesammelt hat. Außerdem gehen weitere 1100 Euro an die Bremer Organisation „Ketaakiti“, die bedürftigen Kindern in Nepal eine Schulausbildung ermöglicht.

Glücklich schaut sich das Paar an. „Das liegt uns sehr am Herzen“, sagt Renate Bleßmann zu der Entscheidung, bewusst auf Hochzeitsgeschenke zu verzichten. Friedrich Bode nickt: „Wir haben ja schon alles.“ Für beide ist es ein Geschenk zu wissen, dass ein Mensch vor seinem Tod noch einmal einen Herzenwunsch erleben kann. „Heiligabend habe ich ihr den Heiratsantrag gemacht“, blickt Friedrich Bode lächelnd auf seine Frau.

Letzter Wunsch sollte nicht zu lange hinausgezögert werden

Heiligabend – da kämpfte eine andere Frau mit ihrem Tod, berichtet Frank Wenzlow. Für sie organisierte er kurzfristig die Realisierung ihres letzten Wunsches. „Am ersten Weihnachtstag sollte es losgehen“, berichtet der Organisator. „Es war alles klar, aber sie ist wenige Stunden vor der Fahrt gestorben.“

Kein Einzelfall, sagt Wenzlow: „75 Prozent aller ,Sternenfahrten’ können nicht stattfinden, weil die Menschen vorher sterben.“ Es scheint so, als verwandelt sich allein die Gewissheit, dass der letzte Wunsch wirklich wahr wird, in einen tiefen Frieden. Dann schließt sich der Lebenskreis.

Wunsch von Wenzlow ist es, dass Palliativ-Pflegekräfte, Pflegedienste und Familienangehörige den „letzten Wunsch“ nicht allzu wörtlich nehmen: „Sie sollten sich rechtzeitig bei uns melden.“

Wenzlow besonders berührt von zwei Euro Einzelspende

Glücklich sind die ehrenamtlichen „Sternenfahrten“-Helfer immer dann, wenn dieser Wunsch tatsächlich erlebt werden kann. Wie im Falle des Mannes, der noch an der Hochzeit seiner Tochter teilnehmen wollte. Seine Familie revanchierte sich – und bat bei seiner Beerdigung um Spenden für die „Sternenfahrten“.

Nach bisher drei Trauerfällen und zwei Hochzeiten gingen beim Ambulance Service Nord Spenden für die „Sternenfahrten“ ein – außerdem Geld aus Firmen-Kaffeekassen oder von Unternehmen, die auf Weihnachtsgeschenke verzichtet hatten, sowie von Privatpersonen. Eine Spende hat Frank Wenzlow besonders berührt: „Eine Einzelspende von zwei Euro.“ Denn sie kam von einem Mann, für den dieser Betrag ein Vielfaches des üblichen Werts bedeutet.

Eigenes Fahrzeug für besseren Transport benötigt

„Wir waren auch an der Spendengala des NDR beteiligt“, berichtet Wenzlow. In Kürze werde eine Kommission entscheiden, welche Organisation wie viel Geld bekomme. Wunsch des Ambulance Service Nord ist es, ein eigenes Fahrzeug für die „Sternenfahrten“ kaufen zu können. Bisher nutzen die Helfer einen umgerüsteten Krankentransportwagen.

„Wir brauchen außerdem Untergestelle für Trage und Tragestuhl“, sagt der Organisator. Denn nur so können die Helfer mit ihren „Fahrgästen“, wie sie die Patienten respektvoll nennen, direkt an den Saum der See gelangen. Viele ihrer „Fahrgäste“ wollen das Meer noch einmal sehen. Die Fahrten haben die Helfer auf ihrer Internet-Seite dokumentiert.

„Außerdem suchen wir dringend helfende Hände“, sagt Wenzlow. Wer sich ehrenamtlich engagieren will, erhält eine Schulung im Umgang mit den „Fahrgästen“. Weitere Auskünfte gibt Wenzlow unter Telefon 04255/982728.

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