Historische Pionierarbeit

Syker veröffentlicht Buch über Machtergreifung und Gleichschaltung

+
Jens Jacobsen-Bremer ist Historiker aus Leidenschaft. Soeben hat er den zweiten Band der Reihe Syker Zeitfenster veröffentlicht. Er behandelt die Ereignisse der Jahre 1933 und 1934 nach der Machtergreifung der NSDAP aus lokaler Sicht.

Syke - Von Michael Walter. 87 Jahre – so alt muss Jens Jacobsen-Bremer mindestens werden, um seine Arbeit abzuschließen: die Syker Lokalgeschichte vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der Bundesrepublik 1949 aufzuarbeiten.

Sechs Buchbände im Abstand von jeweils zwei Jahren hat sich der 79-Jährige dafür vorgenommen. Der zweite ist soeben erschienen. Jens Jacobsen-Bremer ist Historiker aus Leidenschaft. Studiert hat er Geschichte auf Lehramt, unterrichtet an der KGS Leeste. Vorher war er Schulleiter in Lübeck und hat da schon einem Historikerclub angehört. Seit 2000 lebt er in Sörhausen, wo seine Frau Brigitte eine Praxis für Psychotherapie betreibt.

Den ersten Band des Syker Zeitfensters hat Jacobsen-Bremer 2015 veröffentlicht. „Etliche Artikel dafür waren bereits zehn Jahre zuvor im Rahmen einer Geschichtswerkstatt entstanden“, sagt er. Thema: Syke in der Zeit der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1933. Praktisch nahtlos nach dem Erscheinen machte er sich an Band 2.

Lokaler Fokus auf Syke

Pionierarbeit hat er dabei geleistet. Zwar könnten die Veröffentlichungen zum Thema Machtergreifung und Gleichschaltung der Gesellschaft ganze Hallen füllen. Mit einem lokalgeschichtlichen Fokus auf Syke gab es aber bisher praktisch nichts. Stadtarchivar Hermann Greve half Jacobsen-Bremer dabei, Quellen zu erschließen, Material zu sichten und ihm Zugang zu privaten Archiven und Sammlungen zu verschaffen. Herausgekommen ist eine Dokumentation eines gesellschaftlichen und politischen Mikrokosmos.

„Das, was in Syke passiert ist, ist in tausend anderen Städten genauso passiert“, sagt Jacobsen-Bremer. „Hier auf dem Land ging es vielleicht ein bisschen schneller als in den großen Städten.“ Die Bevölkerung in Syke sei dem NS-Populismus unheimlich schnell verfallen. Besonders in Heiligenfelde. „Dort hatte die NSDAP schon zu Weimarer Zeiten Wahlergebnisse um die 90 Prozent“, sagt Jacobsen-Bremer. „Die Kirche war sofort auf Seiten der Nazis. Der Pastor hat Hitler auf eine Stufe mit Martin Luther gestellt.“

Verhalten der Syker Vereine erforscht

Anderes Beispiel: „Die Syker Vereine haben den sogenannten Arier-Paragrafen erschreckend schnell umgesetzt.“ Der besagte: nur wer „deutschen Blutes“ war, durfte Mitglied sein. „Das Gesetz trat am 1. April 1933 in Kraft. Mitte des Monats hatten TuS und Gesangverein es schon umgesetzt und alle Juden rausgeschmissen.“

Die Syker Zeitung hatte sich sogar schon im Jahr vor Hitlers Machtergreifung praktisch selber gleichgeschaltet. Jacobsen-Bremer: „Die hatte 1932 mit Franz Gramß einen neuen Chefredakteur eingestellt. Ein Stahlhelmer und glühender Hitler-Anhänger. Nach dem Krieg ist er übrigens bei der Zeitung geblieben. Da hat er dann für die Demokratie geschrieben, als hätte er nie etwas anderes getan. Das war ein Wendehals.“

Zwei Artikel von Holger Weidemann über die Aushebelung der Kommunalverfassung und von Christa Meyer über die Gleichschaltung des Schulunterrichts runden den Inhalt ab.

Der Band ist in einer Erstauflage von 500 Exemplaren erschienen und kostet 15 Euro im Buchhandel. Herausgeber ist die Stadt Syke.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Stimmungsvolle Weihnachtsgala in der Grundschule Hoya

Stimmungsvolle Weihnachtsgala in der Grundschule Hoya

Alles über die Computermaus

Alles über die Computermaus

Nur für Erwachsene: Urlaub ohne Kinder ist kein Tabu mehr

Nur für Erwachsene: Urlaub ohne Kinder ist kein Tabu mehr

Skifahren in Neuengland: Kleine Berge, große Vielfalt

Skifahren in Neuengland: Kleine Berge, große Vielfalt

Meistgelesene Artikel

Raucher löst Feuerwehr-Einsatz in Bassum aus

Raucher löst Feuerwehr-Einsatz in Bassum aus

Rat Wagenfeld verabschiedet den Haushalt 2018

Rat Wagenfeld verabschiedet den Haushalt 2018

Begegnung statt „Brexit“

Begegnung statt „Brexit“

Eröffnungsfeier in der neuen Dekra-Station an der Dieselstraße

Eröffnungsfeier in der neuen Dekra-Station an der Dieselstraße

Kommentare