Hexerei und Naturgesetze

Syker Geophysiker Lars Zühlsdorff veröffentlicht „magisches“ Kinderbuch

Klettern im „Red Center“ in Australiens.
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Im „Red Center“ im Herzen Australiens, geht Autor Lars Zühlsdorff seiner eigentlichen Arbeit als promovierter Geologe nach.

Syke – Was macht man, wenn man selber und die ganze Familie gerne zusammen liest, sich die ausgewählten Bücher aber zwischen „richtig gut“ und „Schrott“ bewegen? Die pragmatische Lösung wäre, bei der Buchauswahl einfach genauer hinzuschauen. Lars Zühlsdorff aus Syke hingegen wählte den etwas aufwendigeren Weg: Er schrieb kurzerhand selber ein Buch.

Ein Kinderbuch – mit paradoxem Hintergrund.

„Von der Gasse der Strohdächer und wie sie verschwand“, heißt das jüngst erschienene Werk des Syker Autors. Es geht um die kleine Emily, die ihre Ferien im fiktiven Schwarzwald-Dorf Heuberg verbringt. Dort findet sie heraus, dass sie eigentlich eine Hexe ist, lernt, wie sie ihre Kräfte einsetzt, und kommt so manchem Geheimnis auf die Schliche.

Was zunächst nach einem Abklatsch von Harry Potter oder Bibi Blocksberg klingt, entpuppt sich jedoch als Kinderbuch mit anderem Ansatz. Und an dieser Stelle treffen wir auf den paradoxen Hintergrund. Denn der Autor Lars Zühlsdorff ist beruflich eigentlich so weit weg von Hexerei, wie er nur sein kann; Lars Zühlsdorf ist promovierter Geophysiker.

„Ich bin Naturwissenschaftler“, sagt er. „Eigentlich ist Zauberei nicht zu erklären.“ Doch in seinem Buch lässt er sie zu, unterwirft sie allerdings bestimmten Regeln – den Regeln der Physik. „Was mich an Geschichten wie Harry Potter gestört hat, sind zwei Dinge: Erstens, dass man da durch Hexerei Probleme lösen kann. Und zweitens, dass der Spannungsaufbau über böse Charaktere funktioniert.“ Beides sei in seinem Buch anders. Probleme lösen sich nicht etwa durch Hexerei, sondern ganz irdisch, beispielsweise durch Empathie. Auch erlernt die kleine Hexe in ihrer Ausbildung nicht nur Fähigkeiten, sondern vor allem auch, welche Auswirkungen Magie haben und dass sie mitunter auch gefährlich sein kann. „Ich habe versucht, Probleme des richtigen Lebens abzubilden und sie ohne Magie aufzulösen, etwa indem man Kompromisse eingeht oder tolerant ist“, erklärt der Autor.

Töchter fällen Qualitätsurteil

Auf die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben, sei Lars Zühlsdorff gekommen, als er nach einem schlechten Buch, das er und seine Familie gemeinsam gelesen haben, großspurig verkündete: „Das kann ich besser!“ Lachend sagt er: „Dann musste ich liefern.“ Also schrieb er die ersten drei Kapitel seiner Geschichte, die sich erst nach und nach in seinem Kopf genau verbildlichte. Er stellte sie seinen beiden Töchtern, elf und 14 Jahre alt, vor. Ihr Urteil sollte die Entscheidung fällen, ob er weiterschreiben soll. „Klar!“, lautete die Antwort der beiden.

Auch die Schüler der Freien Aktiven Schule Syke, denen er das Buch unter anderem widmete, hoben den Daumen. Etwas skeptischer zeigten sich anschließend allerdings Agenten und Verlage: „Sie haben nicht gesagt, es sei schlecht. Aber es passte wohl nicht ins Programm“, erklärt Lars Zühlsdorff. Gerne hätte er sein Buch über einen Verlag auflegen und so einer breiteren Masse zugänglich machen lassen. Doch dieser Schritt sei schwer: „Nur 0,5 Prozent aller Veröffentlichungen sind von neuen Autoren. Es ist unheimlich schwierig, in die Verlage hineinzukommen.“

Bereits die zweite Veröffentlichung

So landete er schließlich bei „Books on Demand“. Das Konzept hinter dem Verlag ist simpel: Ein Buch wird erst gedruckt, wenn es bestellt wird. Das minimiert zwar das finanzielle Risiko für alle Beteiligten, sorgt allerdings auch dafür, dass das Buch schwerer wahrgenommen wird, da es in Auslagen von Buchhandlungen kaum zu finden ist. Zudem wirkt sich der Druck-Prozess auch auf die Lieferzeit aus.

Es ist zudem nicht das erste Buch, dass Lars Zühlsdorff über Books on Demand veröffentlicht hat. Bereits 2003 schrieb der umtriebige Geophysiker Erlebnisse seiner Dienstreisen auf und veröffentlichte sie als Geschichtensammlung „Notizen eines Reisenden“. Eine überarbeitete Version davon erschien im letzten Jahr. Der 54-Jährige betont: „Es ist kein Reiseführer. Es sind interessante Geschichten – und kurz genug, um sie auf dem Klo zu lesen.“

Die Zeit zum Schreiben beider Bücher nahm er sich während seiner Dienstreisen, etwa beim Warten auf den nächsten Zug, im Flieger oder wenn die Sprachbarrieren das Fernsehprogramm auf dem Hotelzimmer unschaubar werden ließen. Etwa ein Jahr habe das Schreiben des mehr als 300 Seiten starken Kinderbuchs gedauert, „und gerade der Zeitraum zwischen ,fast fertig‘ und ,fertig‘ kann sich ziehen“, betont Lars Zühlsdorff.

Und es ist gut möglich, dass die Leser irgendwann noch mehr von Emily lesen können. Die Geschichte für das nächste Buch sei bereits im Kopf des Wissenschaftlers konzipiert – „Aber dann ist Schluss mit Emily“, sagt Lars Zühlsdorff, der sich für die Figur dann einen Abschluss wünscht. Zudem habe er noch weitere Geschichten im Hinterkopf, etwa um einen Detektiven namens Phileas Pubcrawler. Die müsse er nur noch in Buchform aufbereiten, so der 54-Jährige.

Eine Frage stellt sich bei dem Aufwand, den der Syker sich gemacht hat, letztlich dann doch: Wozu das Ganze? „Die Erwartung zu haben, dass es groß verkauft wird“, weiß Lars Zühlsdorff, „wäre naiv. Mir macht es einfach Spaß zu schreiben. Ich denke, ,Passion‘ ist das richtige Wort dafür. Letztlich hat es sich aber eh schon gelohnt, da meine Kinder es lieben.“

Kaufen

Das Buch gibt es in Buchhandlungen auf Bestellung sowie im Online-Handel. Die Taschenbuch-Ausgabe kostet 9,99 Euro, das E-Book 3,99 Euro.

Das neue Kinderbuch Autor Lars Zühlsdorff: Von der Gasse der Strohdächer und wie sie verschwanden.

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