Katastrophenschutz:

Heulen genügt nicht

Auf den Katastropheneinsatz vorbereitet: Die Kreisfeuerwehr verfügt über ein großes Fahrzeugspektrum, zu dem auch zwei multifunktionale Spezialanhänger gehören, die Kreisbrandmeister Michael Wessels (links) den Mitgliedern des Feuerschutzausschusses vorstellte. Jede FTZ verfügt über einen solchen Anhänger.
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Auf den Katastropheneinsatz vorbereitet: Die Kreisfeuerwehr verfügt über ein großes Fahrzeugspektrum, zu dem auch zwei multifunktionale Spezialanhänger gehören, die Kreisbrandmeister Michael Wessels (links) den Mitgliedern des Feuerschutzausschusses vorstellte. Jede FTZ verfügt über einen solchen Anhänger.

Landkreis Diepholz. Nach einem Großbrand ziehen dichte Wolken über die Wohngebiete, Menschen sollen Türen und Fenster unbedingt geschlossen halten. Aber wie können sie in einem solchen Fall, wie er immer wieder zum Alltag der Feuerwehr gehört, ohne Zeitverlust informiert werden? Sirenen sind alles andere als eine passgenaue Lösung – das war die Botschaft von Michael Wessels in seiner neuen Funktion als Teamleiter Katastrophenschutz im Landkreis-Fachdienst Bevölkerungsschutz.

Warum mobile Warnsysteme effektiver sind, erläuterte er im Fachausschuss für Feuerschutz und Sicherheit. Unter Leitung von Ingrid Söfty (CDU) tagte das Gremium am Donnerstag in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) Barrien – zum letzten Mal in dieser Wahlperiode und mit dem Wunsch nach der besten Lösung. Heiner Lampe (CDU): „Wir sollten ein einheitliches System für den ganzen Landkreis finden.“ Eindringlich appellierte er an die Kreisverwaltung, gemeinsam mit den Städten, Gemeinden und Samtgemeinden an einem Strang zu ziehen. Das läuft bereits, wie Kreisrat Jens Hermann Kleine versicherte: „Das Thema ist bei den Bürgermeistern und beim Landkreis platziert.“

Vor manchem gibt es keine Warnung

Mit plastischen Beispielen hatte Michael Wessels zuvor erläutert, warum es vor manchen Katastrophen des Lebens keine Warnung gibt. Ein unvorhersehbarer Tornado kann in Sekunden alles zerstören: „Ihr Haus ist kaputt. Das sehen Sie, wenn Sie von der Stube in den Himmel blicken“, formulierte Wessels es bewusst drastisch. „Wovor wollen Sie da noch warnen?“Ähnlich sei es bei plötzlich auftretendem Starkregen und bei Orkanen.

In anderen Fällen – wie besagten Großbränden – sei eines von elementarer Wichtigkeit: Handlungsanweisungen für die Bürger. Aber die könnten per Sirene nicht vermittelt werden. Deshalb kam der Teamleiter Katastrophenschutz zu dem Schluss: „Eine Sirene anzustellen und Krach zu machen, nutzt gar nichts.“

Ganz zu schweigen davon, dass es sich bei den meisten im Landkreis um Dachsirenen aus den 1930er Jahren handele. Motoren treiben die Scheibe an, die den typischen Heulton erzeugt – je nach Signal in unterschiedlich langen Intervallen. Doch viele Bürger, vor allem unter 30 Jahren, würden deren Bedeutung gar nicht mehr kennen. Unabhängig davon verbrauchen die Motoren so viel Strom, dass solche Sirenen nicht mit Notstrompuffern ausgestattet werden können – im schlimmsten Fall also gar nicht einsatzfähig wären.

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein“

Zwar gibt es technische Möglichkeiten, um Sirenen zu ertüchtigen – sprich sie zu modernisieren. Doch das ist kompliziert, erfuhren die Mitglieder des Fachausschusses. Und es ist teuer. Das Förderprogramm des Bundes decke nur einen Bruchteil der Kosten, hieß es – was der Landtagsabgeordnete Dr. Marco Genthe (FDP) nur bestätigen konnte: „Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Außerdem müsse man sich fragen, ob Sirenen im Flächenlandkreis Diepholz überhaupt sinnvoll sind.

Vier mobile Warnsysteme kommen

„Ich könnte mir nur einen Fall vorstellen“, so Michael Wessels, „einen kerntechnischen Unfall“. Alle anderen seien erfahrungsgemäß regional begrenzt. Bürgern mehr als bisher über neue mobile Warnsysteme Handlungsanweisungen geben zu können, sei eine „wirklich tolle Angelegenheit“. Das war Konsens im Fachausschuss. Dem Kreisausschuss war das mobile System bereits vorgestellt worden (wir berichteten). Vier, zwei für jede FTZ, erscheinen den Fachleuten zunächst ausreichend. Kreisrat Jens Hermann Kleine erläuterte, wie die Kosten von insgesamt rund 25 000 Euro finanziert werden.

Von Anke Seidel

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