Seltene Taubenrasse „Bremer Tümmler“

Ein Herz für die gefährdeten Flugkünstler

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Hans-Hermann Müller mit einem Bremer Tümmler.

Wachendorf - Von Heiner Büntemeyer. Überall wird Geld gesammelt, um vom Aussterben bedrohte Tierarten zu retten. Noch besser ist das, was Hans-Hermann Müller aus Wachendorf und seine Zuchtfreunde machen: Sie züchten eine vom Aussterben bedrohte Taubenrasse, die dazu noch einen lokalen Bezug und historische Bedeutung hat.

Es handelt sich um „Bremer Tümmler“, eine Taubenrasse, die vermutlich aus Indien stammt und von Seefahrern über Holland nach Bremen gelangte. Besonders interessant ist daran, dass es in Bremen Zigarrenmacher waren, die die besonderen Fähigkeiten dieser Flugkünstler erkannten und sie weiter züchteten.

„So war gegen Ende des 19.  Jahrhunderts die ,Zigarrenmacher-Taube’ geboren, im Zentrum der Zigarrenmacher-Zunft am Buntentorsteinweg war damals kein Haus ohne Taubenschlag“, berichtet Hans-Hermann Müller. Die Handwerker konnten während ihrer Arbeit dem Taubenflug zusehen, und es entwickelten sich nachbarschaftliche Hochflug- und Jagdsport-Wettbewerbe.

Allerdings ging durch die Verbreitung des Brieftaubensports und des Ausstellungswesens der Hochflugsport zurück. Bremer Tümmler sind keine Streckenflieger und daher für den Reisetaubensport ungeeignet. Im Ausstellungswesen hat diese Taube einen sehr schweren Stand, weil sie ihrem Aussehen nach zu einfach und zu normal ist. „Welche züchterischen Probleme bei der Zucht von Bremer Tümmlern jedoch zu lösen sind, erfahren die Züchter erst, wenn sie mit der Zucht beginnen“, erklärt Müller.

Aus Überzeugung gezüchtet

Jedenfalls hielten einige Züchter aus Überzeugung an der Rasse fest. Sie gründeten bereits 1897 den Verein „Freunde Bremer Tümmler“ und bemühten sich um den Erhalt dieses alten Kulturgutes. Sie ließen ihre Tauben ohne Leistungsgedanken fliegen. Im Jahr 1966 wurde der Verein vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) als Sonderverein anerkannt.

Hans-Hermann Müller wurde 1984 Vorsitzender dieses Sondervereins, den er bis 2007 führte und dessen Ehrenvorsitzender er seitdem ist. Er ist Mitglied des Geflügelzuchtvereins Ritterhude und im Rassetaubenclub Bremen. Dass er jetzt in Wachendorf wohnt, hängt auch damit zusammen, dass er seine Bremer Tümmler fliegen lassen möchte, denn das Fliegen muss ihnen antrainiert werden.

Zum 50-jährigen Bestehen erhielt der Sonderverein 2016 in Anerkennung seiner Bemühungen um die Bremer Tümmler den „Goldenen Siegerring“ des BDRG, die höchste Auszeichnung. Leider musste die Nationale Bundessiegerschau, auf der dieser Siegerring ausgespielt werden sollte, wegen der grassierenden Vogelgrippe jedoch ausfallen.

Höchste Auszeichnung vom Züchterverband

Sie wurde im Dezember 2017 bei der Bundesschau in Leipzig nachgeholt, wo unter den rund 38 000 Tauben auch von elf Züchtern 116 Bremer Tümmler ausgestellt wurden. „Klein, aber fein“: So beschrieb Hans-Hermann Müller den Ausstellungsstand. Die Fachpresse bestätigte diesen Eindruck: „Grandioser Auftritt“ war der Bericht überschrieben.

Den Goldenen Siegerring gewann Gerd Kuhlemann aus Stemwede. Den Silbernen Ring erhielt der jetzige Vorsitzende des Sondervereins, Andreas Kirchhoff aus Diepenau. Hans-Hermann Müller, der zur Zeit zwölf Zuchtpaare für die neue Saison hält und 60 Ringe für die nächste Generation bestellt hat, gewann den Bronzenen Siegerring, der jetzt einen Ehrenplatz neben zwei Siegerbändern des BDRV und unzähligen Bändern, Urkunden und Pokalen bekommen hat. „Für mich im reiferen Alter haben die errungenen Preise keinen besonderen Stellenwert mehr. Mir geht es in erster Linie um die Taubenrasse und den Sonderverein“, erklärt Hans-Hermann Müller lächelnd.

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