Ersetzt wird er von einem dreiköpfigen Team

Kreismuseum-Werkstattleiter Hermann Winkler geht in den Ruhestand

Nach 31 Jahren am Kreismuseum geht Hermann Winkler in den Ruhestand. Bis Ende März arbeitet er noch seine Nachfolgerin Annika Weise ein. Auch danach bleibt er dem Museum erhalten: „In abgespeckter Form über den Förderverein.“
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Nach 31 Jahren am Kreismuseum geht Hermann Winkler in den Ruhestand. Bis Ende März arbeitet er noch seine Nachfolgerin Annika Weise ein. Auch danach bleibt er dem Museum erhalten: „In abgespeckter Form über den Förderverein.“

Wenn Hermann Winkler anfängt, zu erzählen, hört er so schnell nicht wieder auf. „Nur ein kurzes Beispiel:...“ Und dann folgt Stoff für einen abendfüllenden Spielfilm. 31 Jahre lang hat er die Entwicklung des Kreismuseums mitgeprägt und -gestaltet. Er war quasi das ausführende Organ von Museumsleiter Ralf Vogeding. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Syke – Streng genommen ist er da seit Anfang Januar sogar schon. Aber bis Ende März arbeitet Hermann Winkler noch seine Nachfolgerin ein. Wobei die eigentlich – noch mal streng genommen – nur eine von dreien ist. Was letztlich wieder nur beweist, was sie am Museum eh alle wussten: Dass Hermann Winkler immer schon für drei gearbeitet hat. Als Tischler und Restaurator, als Werkstattleiter und zuletzt als eine Art Technischer Direktor.

Winkler arbeitet zunächst bei einer Werft im Yachtbau

In Vegesack ist er aufgewachsen. „Ich wollte immer was mit Holz machen“, erzählt er. Zimmermann wollte er lernen. Aber die Berufsberatung beim Arbeitsamt hatte ihm davon abgeraten. „Zu der Zeit waren gerade Flachdächer modern. Zimmermann ist ein aussterbender Beruf, hatten die mir gesagt. Das war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich beim Arbeitsamt gewesen bin.“ Wenn’s Zimmermann nicht sein soll, dann eben Tischler, sagte sich der junge Hermann Winkler, machte die Ausbildung und arbeitete dann auf einer Werft im Yachtbau. Mit einem Freund zusammen erwarb er bald danach einen alten Bauernhof im Teufelsmoor und restaurierte ihn. „Nach zwei Jahren hab ich den wieder verkauft. Dann hab ich in ganz Niedersachsen gesucht und bei Rehden einen Hof aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Zehn Jahre hab ich den restauriert. Ich hatte gerade die letzten Fenster eingebaut, da ist er mir abgebrannt.“

Ein halbes Jahr vorher hatte Hermann Winkler aber eine Stellenanzeige in der Zeitung gesehen: Der Landkreis Diepholz hatte kurz zuvor einen neuen Leiter für sein Museum in Syke eingestellt, und der brauchte jetzt einen Handwerker für das Haus. Winkler bewarb sich und bekam die Stelle. „Dass ich schon so lange selber alte Gebäude restauriert hatte, gab damals den Ausschlag.“

Ohne Winkler würde das Museumsensemble ganz anders aussehen

Mit einer Halbtagsstelle als Museumstischler fing Winkler im Kreismuseum an. Schnell wurde eine Vollzeitstelle daraus, und bald übernahm er noch weitere Aufgaben. „Ralf und ich haben uns einfach gut ergänzt“, sagt Winkler über den Museumsleiter. „Er hatte den Gedanken, ich hab ihn umgesetzt.“

Hermann Winkler ist ein Vegesacker Jung’ und hat 1990 als Museumstischler im Kreismuseum angefangen. Dann war er Werkstattleiter und zuletzt so etwas wie ein Technischer Direktor.

Gemeinsam haben sie historische Gebäude im Landkreis besichtigt und überlegt, ob die das Kreismuseum sinnvoll ergänzen könnten. Winkler hat sie dann abgebaut, dafür gesorgt, dass sie nach Syke kamen, und dort wieder aufgebaut. „Die Stellmacherei aus Apelstedt“, zählt er auf. „Das Backhaus aus Mellinghausen. Der Schafstall,...“ Heute gehören sie untrennbar zum Museumsensemble. „Das war nicht immer einfach“, sagt Winkler. „Wir waren damals ja noch kein Eigenbetrieb und mussten immer sehen, wie wir mit dem Geld zurechtkamen. Es gab Jahre, da konnten wir uns nicht mal neue Kugelschreiber kaufen.“

25 Jahre Arbeit mit Jugendlichen, die Sozialstunden leisten müssen

Zu Winklers täglichen Aufgaben gehörten die Magazinverwaltung, das Sichten von möglichen neuen Objekten, gelegentliches Restaurieren, vor allem aber der Auf- und Abbau der wechselnden Ausstellungen. „So um die 400 hab ich insgesamt gebaut“, hat er mal überschlagen. „Nicht nur im Landkreis, auch für außerhalb. Nur ein kurzes Beispiel:...“ Und dann erzählt er von einem Schülerprojekt, das es als Ausstellungsobjekt von Syke bis in die NS-Gedenkstätte im tschechischen Theresienstadt geschafft hat.

Ganz nebenbei hat er auch noch 25 Jahre am Museum mit Jugendlichen gearbeitet, die vom Gericht Sozialstunden auferlegt bekommen haben. „So ungefähr 100 dürften’s gewesen sein.“

Und jetzt ist er in Rente. Aber immer noch am Museum. „Ich arbeite für drei Monate mit halber Stundenzahl meine Nachfolgerin ein“, erzählt Winkler. Die heißt Annika Weise, kommt aus Neuenkirchen und ist gelernte Möbeltischlerin. Und für Hermann Winkler eine alte Bekannte. „1999 hat sie mal ein Jahr bei mir ein Praktikum als Restauratorin gemacht“, erzählt er lachend.

Nachfolgerin Annika Weise ist gelernte Möbeltischlerin

Annika Weise leitet seit dem 1. Januar die Bereiche Restauration, Magazinverwaltung und Ausstellungsbau. Sie ist Baujahr 1978 und kommt aus Neuenkirchen bei Sulingen.

Ursprünglich hatte Annika Weise Restauratorin studieren wollen. „Aber ich hatte im Praktikum festgestellt: Mir fehlen ganz viele praktische Kenntnisse. Deshalb habe ich zuerst eine Ausbildung zur Möbeltischlerin gemacht“, erzählt sie. Es kam dann etwas anders. Nach der Ausbildung begann sie ein anderes Studium, brach das ab, als nach dem Vordiplom die Kinder kamen, „und nach der Elternzeit hab ich dann nur noch als Restauratorin gearbeitet. Ohne Studium.“

Auch sie kam über eine Stellenanzeige ans Museum. „Das kannte ich, die Kinder sind inzwischen 14 und 17, also konnte ich wieder in Vollzeit arbeiten. Da hab ich nicht lange überlegen müssen.“ Und seit dem 1. Januar gehört Annika Weise jetzt zum Team.

Frank Kramer, Kosherbay Nurpessow und Annika Weise ersetzen Winkler als Team

Team ist dabei für sie das entscheidende Wort. „Hermanns Stelle kann man nicht 1:1 neu besetzen“, sagt sie. „Hermann war ja mehr als Restaurator. Er hatte den Überblick über alle Bauten, die in 30 Jahren dazugekommen sind. Heute ist das so viel, dass einer allein das gar nicht überblicken kann.“

Deshalb hat das Werkstatt-Team den Arbeitsbereich auch geteilt: Den gesamten haustechnischen Bereich übernimmt Frank Kramer, der seit anderthalb Jahren am Museum ist. Den Außenbereich leitet Kosherbay Nurpessow, der schon länger zum Team gehört. „Ohne ihn läuft nichts“, sagt Annika Weise. Und sie selbst ist für die Bereiche Restauration, Magazinverwaltung und Ausstellungsbau verantwortlich. Also für genau das, wofür Hermann Winkler vor 31 Jahren ursprünglich mal eingestellt worden war.

Von Michael Walter

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