Starkes Musikkabarett mit Matthias Reuter

Herdentrieb am Müllabfuhr-Tag

Ein Tastenkönner mit Wortwitz und einem scharfen Blick auf die Absurditäten des Alltags: Matthias Reuter. - Foto: Ehlers

Syke - Von Dagmar Voss. Mitreißend und herrlich komisch mit authentischem leichten Ruhrpott-Slang begeisterte Matthias Reuter am Freitagabend seine Zuhörer im Gleis 1. Fürs Publikum gab es endlich mal wieder musikalisches Kabarett, bei dem der Protagonist sich selbst, das Leben – nicht nur in seiner Heimat Oberhausen – und die vielen Facetten von Krisen und Schwarmintelligenz auf die humorvoll-musikalische und dabei ureigene Schippe nehmen konnte, ohne zu böse zu werden.

Das war originelles Lachmuskeltraining vom Besten und allerfeinste Klavier-Comedy mit scharfem Blick aufs Alltägliche. „Von Teheran bis Eckernförde: die Menschen sind ne Krisenherde…“ stellte Reuter fest und intonierte dazu seine Überlegungen.

Wie die, dass eine solche Herde ja mit Familie anfängt. Reuters Beobachtungen einer Kleinfamilie, einer Mutter mit zwei Kindern, unterwegs im Bus, führten schnell zu lebhaftem Kopfkino, bei dem sicherlich jeder Anwesende seine eigenen bunten Bilder hatte.

Auf dem Weg zum Feiern des Muttertags sind die drei, der kleine Norman brüllt, alle Anwesenden sind genervt und freuen sich über die stilleren Momente. Amüsant, wie schließlich ein dunkelhäutiger Mann für den Schreihals den „schwarzen Mann“ gibt: „Bei uns werden solche Kinder in die Lasagne eingebacken und gegessen.“ Fortan war Ruhe im Bus, allgemeines Aufatmen.

Zum Schieflachen seine allzu treffenden Beobachtungen in Sachen Schwarmintelligenz, wenn es um Abfallbeseitigung geht – alle stellen den Müll raus, wenn schon mal ein Sack oder eine Tonne da stehen. Oder in seinem NRW-Blues, bei dem er besingt, wie traurig es doch ist, dass die Westfalen in Sachen Naturwissenschaften noch schlechter abschneiden als die Bremer. Treffend schräg-skurril sein Blick auf die Verhaltensweisen in der Kita, wenn die Kids EU spielen: mit einem Riesenhaufen Regeln, auf die man dann pfeift und bei der dann schließlich „die schönste Prügelei im Gange ist“.

Zum Brüllen komisch seine mit eigenen Kompositionen unterlegten Zitate aus der Website „gute-Frage.de“. Da will pferdeschnuller wissen, wie das Lied „da da dadada“ heißt, die Antworten sind schier unsäglich – und die Lachtränen flossen massenhaft.

Hupen fürs Glücksgefühl

Zum Aggressionsabbau und besonderen Glücksgefühl seiner Mitmenschen trage er gern bei, erklärte Reuter, daher bleibe er manchmal drei Grünphasen lang an einer Ampel stehen. Dann könnten alle mal so richtig viel hupen. Denn der Mensch mache sich gern bemerkbar, und da sei Hupen eine prima Lösung und eine Art der Kommunikation, mit der er noch klarkomme.

Für den allerbesten Familienzusammenhalt wird nach Reuters Prognose die Fußball-WM 2022 in Katar sorgen. „Bestimmt spielt Deutschland gegen Holland an Heiligabend“, prognostizierte er, und schon gab’s „Stille Nacht, das Leder kracht voll ins Tor“ und andere Weihnachtslieder passend zum Fußball spaßig umgetextet.

Zum Mitsingen dann seine allerletzte Zugabe nach zweieinhalb Stunden mit einem Blues-Boogie über die Revolution in der Pflege-WG. „Davon gern mehr, am liebsten bald wieder, bei soviel Humor und Niveau“, lautete der lachende Kommentar der Weyher Besucher Rolf und Hiltrud.

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