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Heller als die Sterne: Lichtverschmutzung stört nicht nur beim Blick in die Nacht

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Von: Fabian Pieper

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Nicht überall im Landkreis Diepholz lassen sich so viele Sterne sehen. Schuld daran ist die vom Menschen erzeugte Lichtverschmutzung.
Nicht überall im Landkreis Diepholz lassen sich so viele Sterne sehen. Schuld daran ist die vom Menschen erzeugte Lichtverschmutzung. © Marcus Führer/dpa

Immer häufiger trübt Lichtverschmutzung den Blick auf die Sterne. Vor allem die Industrie und die Werbebranche sorgen für zu viel Helligkeit in der Nacht. Das schadet der Tierwelt und kann auch Menschen krank machen.

Landkreis Diepholz – Der Blick in den Nachthimmel kann spektakulär sein: Mit dem bloßen Auge lassen sich unzählige Sterne, Sternschnuppen, die Milchstraße und sogar die Planeten erblicken. Doch selbst in klaren Nächten ist oftmals nicht viel davon zu sehen: Zu hell strahlt das künstliche Licht in menschlichen Ballungsgebieten und überstrahlt den Nachthimmel.

Und Lichtverschmutzung birgt noch weitere Unannehmlichkeiten – auch im Landkreis Diepholz.

Was genau Lichtverschmutzung ist und wie sie entsteht, wissen im Landkreis wohl nur wenige so gut wie Oliver Christen. Er ist Inhaber von OC Lichtplanung in Diepholz und seit 25 Jahren als Lichtdesigner tätig. „Lichtverschmutzung ist all das Licht, das nicht in unseren Nutzungs- und Sehbereich fällt“, erklärt er, „also alles, was an unnötigem Licht produziert wird.“ Der Experte spricht hierbei von „Licht im oberen Halbraum“.

Als Beispiel nennt er klassische Kugel- und Pilzlampen: 70 Prozent von deren Licht seien Verschmutzung, da sie nicht nur auf den Boden, sondern in nahezu alle Richtungen abstrahlen. „Bei modernen Lampen“, sagt er, „gehen null Prozent in den oberen Halbraum.“ Und das bedeutet: „Es lässt sich extrem viel vermeiden.“

Viele Kommunen haben das Problem bereits erkannt

Kommunen hätten das Problem bereits erkannt. Seit etwa 2010 seien sie dabei, beispielsweise Straßenbeleuchtung auf die weniger Energie verbrauchende und damit günstigere Variante umzurüsten. Im selben Zuge sei auch die Lichtverschmutzung durch besser ausgerichtetes Licht reduziert worden.

Als Beispiel nennt er Fassadenbeleuchtungen. So würden bei alten Kirchturmleuchten nur etwa 20 Prozent des Lichts auch wirklich auf den Kirchturm fallen, „der Rest fällt auf den Mond“, sagt Oliver Christen.

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Doch auf Fassadenbeleuchtungen müsse man dennoch nicht verzichten. Denn die Gleichung „Mehr Licht ist gleich mehr Lichtverschmutzung“ lässt Christen nicht gelten: „Es kommt darauf an, dass das Licht an den richtigen Stellen ist.“ So könnten moderne Beleuchtungssysteme gezielt nur die Fassaden treffen, dabei sogar bestimmte Bereiche durch unterschiedliche Leuchtstärke hervorheben und sogar Fenster gänzlich aussparen. Auch moderne Steuerungselemente und Sensorik, die erkennen würden, wann Licht gebraucht wird, helfen, den Energieverbrauch und Lichtverschmutzung zu reduzieren, so Christen.

Moderne Steuerungssysteme helfen, Lichtverschmutzung zu reduzieren

Nein, die Kommunen sind für den Lichtdesigner nicht die Sünder. Die sieht er vor allem in der Industrie und der Werbebranche. Gerade über Letztere schüttelt er den Kopf: „Viel zu bunt, schrill, grell!“ Bereits kleine Infotafeln könnten ganze Straßenzüge erhellen. Er fragt: „Muss man die Tankstelle schon aus fünf Kilometer Entfernung sehen? In der Werbebranche gilt: Wer am lautesten brüllt, wird gehört!“

Oliver Christen, Lichtplaner
Oliver Christen ist Lichtplaner. © -Pieper

Doch eines stellt Oliver Christen klar: „Lichtverschmutzung lässt sich nicht komplett verhindern.“ Schuld daran sei vor allem das Licht, das von angestrahlten Oberflächen reflektiert wird. Er appelliert daher, dass jeder darüber nachdenken sollte, ob die Lampen und Strahlen wirklich nur das eigene Grundstück beleuchten oder auch darüber hinaus ihre Helligkeit verteilen.

Probleme für die Tierwelt, unter anderem für Fledermäuse

Denn Lichtverschmutzung hat nicht nur Auswirkungen auf den Blick in den Nachthimmel. Thomas Brugger ist Nabu-Kreisvorsitzender. Er hebt die Probleme auf die Tierwelt hervor und nennt als Beispiel Fledermäuse: „Kirchendächer und Kirchtürme sind gerne angenommene Winter- und Aufzuchtquartiere. Durch die von unten angestrahlten Türme werden die Ein- und Ausflugöffnungen ausgeleuchtet, sodass Fledermäuse von Fressfeinden leichter erkannt werden oder Fledermäuse diese Lichtquellen meiden.“ Er plädiert daher für eine geringere Beleuchtung bis hin zur nächtlichen Abschaltung.

Das hätte auch positive Auswirkungen für die Gesundheit des Menschen, denn sowohl Brugger als auch Christen weisen darauf hin, dass ständige Helligkeit den Schlafrhythmus beeinträchtigen und deshalb zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen könne. „Menschen und Tiere brauchen Dunkelzeiten“, sagt Christen.

Negative Folgen für die Gesundheit

Das gilt auch für Roland Szlagowski. Er ist Hobby-Astronom aus Bremen und Leiter der „Astrogruppe Hoher Berg Syke“, die sich regelmäßig am Hohen Berg in Syke trifft und von dort den Nachthimmel beobachtet. Für sein Hobby, das Fotografieren der Gestirne, benötigt er einen dunklen Himmel: „Ansonsten wird der Himmelshintergrund zur Lichtquelle und das Objekt verschwindet dahinter.“ Deshalb ziehe es ihn aus der Großstadt und in den Landkreis Diepholz, wo sich die Lichtverschmutzung noch in Grenzen halte, vor allem, je weiter südlich man sich befinde.

Oliver Christen bestätigt das; die besten Chancen auf wenig störendes Licht sieht er im südlichen Landkreis, „zum Beispiel am Dümmer oder im Ochsenmoor“. Zudem glaubt er, dass sich durch das steigende Bewusstsein das Problem der Lichtverschmutzung in Zukunft reduzieren wird: „Die Lösungsansätze sind da, man muss sie nur greifen!“ Dann bricht er noch eine Lanze für seine Leidenschaft, das Licht: „Licht kann ganz toll sein!“

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