Helden in Gummistiefeln

Wilfried Lienhop blickt auf 60 Jahre in der Feuerwehr zurück

Stolz präsentiert Wilfried Lienhop seine Urkunde für 60  Jahre bei der Feuerwehr. Foto: Horst Meyer
+
Stolz präsentiert Wilfried Lienhop seine Urkunde für 60  Jahre bei der Feuerwehr.

Syke - Von Horst Meyer. 1960 ging als „Afrikanisches Jahr“ in die Geschichtsbücher ein. 18 afrikanische Kolonien erlangten in diesem Jahr ihre Unabhängigkeit von den vorherigen Kolonialmächten. Im gleichen Jahr gaben Wilfried Lienhop, Erich Büntemeyer und Willi Logemann einen Teil ihrer Unabhängigkeit freiwillig auf: Sie wurden Mitglied der Freiwilligen Feuerwehren in Henstedt und Jardinghausen.

Willi Logemann blieb der Feuerwehr in Jardinghausen treu. Er nahm im Januar in der Mitgliederversammlung seiner Ortsfeuerwehr die Ehrung für 60 Jahre Mitgliedschaft entgegen. Erich Büntemeyer verschlug es bereits 1968 nach Wachendorf, wo er heute noch den Übungsplatz der Feuerwehr pflegt. Auch er erhielt im Januar eine Ehrenurkunde mit entsprechender Anstecknadel. Wilfried Lienhop zog 1967 nach Heiligenfelde. Im Gespräch mit dieser Zeitung blickte er jetzt auf sechs Jahrzehnte in der Feuerwehr zurück.

„Der Henstedter Gruppenführer Heinrich Dannemann kam damals zu uns nach Hause und forderte mich auf mitzukommen. Ehe ich mich versah, nahm ich an einem Übungsdienst der Feuerwehr teil. Zusammen mit Erich Büntemeyer ging’s dann im Juni 1961 zur Grundausbildung in die Feuerwehrschule Loy. Für uns wurde damals eine Ausnahme gemacht. Obwohl man dort eigentlich erst mit 18 Jahren teilnehmen konnten, durften wir mit unseren 17 Jahren auch schon mitmachen. Grund war der damalige Nachwuchsmangel in Henstedt“, berichtet er.

Stolz präsentiert er seine Lehrgangsbescheinigung, die er, wie viele andere Zeugnisse seines Feuerwehrlebens, in mehreren Ordnern archiviert hat. Damals hatte die Feuerwehr in Heiligenfelde nur das alte Gerätehaus gegenüber der heutigen Sparkasse. „Mit einem Löschfahrzeug Opel Blitz rückten wir in Blaumann und Gummistiefeln zu Einsätzen aus“, beschreibt Lienhop die ersten Jahre seiner Feuerwehrtätigkeit.

Schulungen gab es damals bei Goldmann oder bei Schulz in der Gaststätte. 1974 bekam die Stützpunktfeuerwehr Heiligenfelde die ersten zwei Atemschutzgeräte. „Die Gesundheitsprüfung führte Dr. Lampe aus Twistringen auf dem Saal von Brünings Gasthaus in Syke durch“, schildert Lienhop. Er wurde als tauglich eingestuft und war damit einer der ersten Atemschutzgeräteträger in der Heiligenfelder Wehr.

Er fungierte als Gerätewart, Atemschutzwart und als Gruppenführer, bevor er 1986 zum stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt wurde. Von 1992 bis 2004 leitete er als Ortsbrandmeister die Heiligenfelder Brandschützer. In dieser Zeit entstand in Eigenleistung der Aufenthaltsraum unter dem Dach des Gerätehauses. Die Toilettenanlage wurde saniert und erweitert, weil jetzt auch Frauen die Einsatzabteilung verstärkten.

„Ein neues LF 8 hat mir damals viele graue Haare beschert. Wir hatten ein ,Montagsauto‘ erwischt. Erst nach langen Verhandlungen und mehreren Besuchen im Herstellerwerk tauschte die Firma das Fahrzeug gegen ein anderes, das heute noch im Einsatz ist“, erklärt Lienhop.

Unvergessen bleibt ihm ein Brandeinsatz Ende der 1990er-Jahre, bei dem ein Heiligenfelder Kamerad tödlich verunglückte. Er befand sich seinerzeit im Urlaub und erhielt die Nachricht telefonisch.

Er berichtet von schönen, aber auch von schweren Zeiten in der Feuerwehr. „Ich war immer gerne dabei“, stellt er fest. Das ist er nach wie vor. Nach seinem Ausscheiden als Ortsbrandmeister ernannte der Stadtrat ihn in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenbrandmeister der Stadt Syke.

Im September 2005 wechselte er zur Altersabteilung. Seit 2006 fungiert er dort als Sprecher der Alterskameraden und pflegt in dieser Gruppe nach wie vor die Kameradschaft, die ihm persönlich sehr wichtig ist. Am vergangenen Freitag nahm er die Urkunde für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr aus den Händen von Bianca Lüers-Koldewey vom Kreisfeuerwehrverband entgegen – die er seinerzeit in die Jugendfeuerwehr aufgenommen hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Meistgelesene Artikel

Wendiger Flitzer für schwieriges Terrain

Wendiger Flitzer für schwieriges Terrain

Coronavirus erfasst alle Branchen: „Als Künstler ist man immer auch Überlebenskünstler“

Coronavirus erfasst alle Branchen: „Als Künstler ist man immer auch Überlebenskünstler“

Mutter übt scharfe Kritik: Kita-Gebühren trotz Schließung eingezogen

Mutter übt scharfe Kritik: Kita-Gebühren trotz Schließung eingezogen

Es dröhnt in der Stube

Es dröhnt in der Stube

Kommentare