Volles Haus im Gleis 1

Heißes Eisen Klimawandel: „Sonst kommt es zu sozialen Verwerfungen“

Die SPD-Bundestagsfraktion im Dialog: Sarah Ryglewski (Mitte, mit Mikro) begrüßt dazu knapp 100 Zuhörer im Syker Gleis 1. Auf dem Podium sitzen (v.l. ) Pascal Seidel, Matthias Miersch und Ingo Estermann. Foto: Jantje Ehlers
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Die SPD-Bundestagsfraktion im Dialog: Sarah Ryglewski (Mitte, mit Mikro) begrüßt dazu knapp 100 Zuhörer im Syker Gleis 1. Auf dem Podium sitzen (v.l. ) Pascal Seidel, Matthias Miersch und Ingo Estermann.

Die Stühle im Syker Gleis 1 reichten am Donnerstagabend kaum für die vielen Zuhörer, die sich auf Einladung der SPD-Bundestagsfraktion mit dem heißen Eisen Klimawandel befassen wollten. Als Vize-Bundestagsfraktionsvorsitzender stellte Dr. Matthias Miersch klar, dass es zu einer sozialen Klimapolitik keine Alternative gibt.

Syke – Matthias Miersch kann seine Skepsis nicht verdrängen. „Ich weiß nicht, ob wir als Gesellschaft in der Lage sind, dieses große Thema zu stemmen“, überlegt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Viele der knapp 100 Zuhörer im Syker Gleis 1 reagieren mit ernstem Blick. Dass der Klimawandel in den nächsten 30 Jahren einen „großen Transformationsprozess“ in der Gesellschaft auslösen wird, bleibt unwidersprochen.

Aber welche wirksamen Strategien gibt es, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen (im Vergleich zur vorindustriellen Zeit)? Und die Treibhausgase in den kommenden zehn Jahren um mindestens vierzig Prozent zu senken? Alle Chancen müssen genutzt werden. Miersch ist überzeugt: „Wenn das hochtechnologisierte Deutschland nicht vorangeht, werden wir kein anderes Land überzeugen können.“

Zustimmung der SPD für „Fridays for Future“

Will auf allen Dächern in Neubaugebieten Solaranlagen: Matthias Miersch.

Gemeinsam mit der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister der Finanzen, Sarah Ryglewski, und dem SPD-Unterbezirksvorsitzenden Ingo Estermann reflektiert Matthias Miersch die Herausforderungen der Zukunft – und freut sich über die Menschen, die sich bei „Fridays for Future“ aktiv für den Klimaschutz einsetzen – wie Pascal Seidel, der an diesem Abend die große Beteiligung an Demonstrationen auch im Landkreis Diepholz schildert. Der 20-Jährige stellt klar: Die Ziele der Organisation sind fast deckungsgleich mit denen der Jungsozialisten – wie die Forderung nach einem flächendeckenden und fahrscheinlosen ÖPNV.

„Die Mobilität ist Dreh- und Angelpunkt“, betont Matthias Miersch – und fordert, die Mehrwertsteuer auf Bahntickets zu senken, vor allem aber mehr Geld für die Deutsche Bahn sowie den ÖPNV bereitzustellen. Das sorgt für Zustimmung im Publikum. Detlev Block, der sich für die Reaktivierung der Bahnstrecke Bassum-Bünde einsetzt, nimmt das genauso zufrieden zur Kenntnis wie Astrid Schlegel als Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, die ein Sozialticket fordert (wir berichteten).

Klimaschutz braucht den Ausstieg aus der Kohle

Zu den vielfältigen Aspekten und Notwendigkeiten des Klimaschutzes, die Miersch beleuchtet und analysiert, gehört selbstredend der Ausstieg aus der Kohle. Ihr Anteil als Energieträger in Europa sei „hoch unterschiedlich“. Dass viele Länder deshalb auf Atomstrom setzen, sei keine ethische Entscheidung. Der 51-jährige Klimapolitiker lässt keinen Zweifel daran, dass der Atommüll ein fatales Erbe ist. Und wirbt für Windenergie mit finanzieller Beteiligung von Kommunen und Bürgern sowie für Fotovoltaik. „Keine neuen Dächer ohne Solaranlagen“, fordert der Sozialdemokrat eine Pflicht in Neubaugebieten.

Den CO2-Preis als Steuerungsinstrument sieht Miersch mehr als kritisch: „Das ist neoliberales Denken.“ Wohlhabende könnten sich die Umweltverschmutzung leisten, während andere verzichten müssten – weil es keine Alternativen gäbe. Genau deshalb wirbt Miersch mit Nachdruck dafür, diese Alternativen zu schaffen. „Sonst kommt es zu sozialen Verwerfungen“, befürchtet er. Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion signalisiert, dass für den Klimaschutz eine Vielzahl von Maßnahmen und Gesetzen notwendig ist. Und erinnert an die Einführung der CO2-Abgabe von 25 Euro pro Tonne im kommenden Jahr, die schrittweise Erhöhung auf 55 Euro bis 2025 sowie die bereits geplante, CO2-bezogene Reform der Kraftfahrzeug--Steuer.

E-Mobilität und Wasserstoff: „Es wird ein Mix sein“

„Warum setzt die Regierung auf E-Automobilität und nicht auf Wasserstoff?“, will ein junger Zuhörer in der anschließenden, lebhaften Diskussion wissen. „Es gibt nicht nur eine Technologie“, antwortet Miersch, „man muss bei der Mobilität in ganz viele Richtungen denken“. Wasserstoff, so ist der Klimapolitiker überzeugt, sei für große Verkehrsmittel wie Lastwagen, Schiffe und Züge passend. Aber im Individualverkehr sei die E-Mobilität unschlagbar. Grundsätzlich ist Miersch überzeugt: „Es wird ein Mix sein.“

Und hat längst unmissverständlich transportiert, dass es zu einer Kehrtwende keine Alternative gibt: „Wir haben nur diesen einen Planeten.“

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