Heimatnähe aus der Ferne

Heinrich Wülfers gründete 1890 in New York den „Amt Syker Verein“

Immigranten auf Ellis Island
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Immigranten auf Ellis Island (das Foto entstand um die Jahrhundertwende). Die kleine Insel im New Yorker Hafengebiet war jahrzehntelang die zentrale Sammelstelle für Immigranten in die USA. Auch die Syker Auswanderer hofften nach der mehrwöchigen Überfahrt dort auf die Erlaubnis, in den USA zu bleiben.

Für viele war Amerika Ende des 19. Jahrhunderts das „gelobte Land“. Hunderttausende Deutsche suchten, vor allem von Bremerhaven und Hamburg aus, alljährlich ihr Glück in den Vereinigten Staaten. Auch viele Syker beteiligten sich an diesem Aufbruch in die Neue Welt – ohne darüber ihre Heimat zu vergessen.

Syke/New York –Es war im Jahre 1890, als in New York der Auswanderer Heinrich August Wülfers, im Juni 1852 in Fahrenhorst auf der elterlichen Hofstelle geboren, auf der jetzt der Gasthof Zur Linde seinen Sitz hat, mit Heinrich Stütelberg aus dem Bereich Syke den „Amt Syker Verein“ gründete. Bei der Gründungsversammlung waren zehn Männer dabei, deren Nachnamen nach wie vor in Syke und umzu Bestand haben. Das waren die Auswanderer Heinrich Wilkens, D. Lindhoff, Cord Meyer, Hermann Meyer, D. Hake, H. Tasto, Albert Brüggemann. D. Timke, H. Schröder und H. Legenhausen.

Der Verein war der Heimat eng verbunden. Der Auswanderer Cord Meyer – 1865 in Steimke auf einem bäuerlichen Anwesen geboren und im März 1880 in Syke konfirmiert – berichtete ein Jahr nach der Gründung der Syker Zeitung von dem Verein. Cord Meyer gab der Heimatzeitung auch Berichte von diversen Veranstaltungen des Vereins. Dieser hielt im Laufe der Jahre seines Bestehens engen Kontakt zur Heimat und spendete immer wieder Geld für unterschiedlichste Maßnahmen in Syke und umzu oder in Kirchweyhe.

Ausschnitt aus der New York Times vom 27. August 1895: Artikel vom Plattdütschen Volksfest in New York. Mit dabei: der Amt Syker Verein mit seinem Vorsitzenden George Hunken.

Noch im Jahr 1920 überwies Heinrich Bauer, Sohn des Syker Anbauers Heinrich Bauer, aus Brooklyn im Auftrage des Vereins an den Syker Kaufmann Adolf Ritterhoff eine Spende von 5000 Mark, die für Bedürftige in Syke bestimmt war. Es gab dazu einen Brief mit dem Vers: „Oh Heimatland, wo einst auch unsere Wiege stand, sei gegrüßt von deinen deutschen Brüdern. Als unsere Freundschaft dir zu beweisen, nehme diese kleine Gabe für deine Witwen und Waisen.“

Auch für den Bau des Kriegerdenkmals in Syke gab es von den Auswanderern aus dem Amt Syker Verein aus New York 250 Mark geschenkt. Erneut war Heinrich Bauer für den Verein der Überweiser. Für den Schützenverein Syke gab es zum 50-jährigen Bestehen einen Silberpokal. Den stiftete der aus Syke stammende Auswanderer Heinrich Wolters.

Die Anschaffung einer Glocke in Kirchweyhe wurde unterstützt. Das Ehepaar Margarethe und Heinrich Hilke aus New York spendete eine größere Geldsumme zur Anschaffung der neuen Glocke.

Der Amt Syker Verein schrieb unter anderem in seinen Statuten die soziale Unterstützung für seine Mitglieder fest. Mitglied werden durfte, wer das 18. Lebensjahr vollendet hatte und eine unbescholtene Person war. Die Versammlungen wurden je nach Belieben in Platt- oder Hochdeutsch abgehalten.

Der Amt Syker Verein unter Präsident Heinrich Wülfers (in Amerika Henry genannt) hatte sich neben der Pflege der Geselligkeit den heimatlichen Sitten und Bräuchen verpflichtet – und gegenseitiger Hilfeleistungen. Verankert in den Statuten war eine Art Krankenkasse und Sterbehilfe. Im Krankheitsfall leistete der Amt Syker Verein pro Woche an Vereinsmitglieder sechs Dollar Hilfe, im Sterbefall erhielten die Hinterbliebenen 200 Dollar Unterstützung.

Nach zehn Jahren waren, wie die Syker Zeitung berichtete, an Unterstützung schon mehr als 2000 Euro gezahlt worden. Damals zählte der Verein 107 Mitglieder.

Die Auswanderer wurden ihrer Heimat in einem besonders gerecht: Sie verstanden, Feste zu feiern. Die von ihnen ausgerichteten Bälle gehörten zu den Top-Ereignissen der New Yorker Gesellschaft. Zum 3. Festball des Vereins 1893 in den Germania-Hallen kamen über 1000 Gäste, darunter Auswanderer der in Amerika ansässigen Vereine wie Thedinghauser Verein, Bückener Bruderbund, Hoyaer Brüder-Gesellschaft, der Amt Freudenberger Verein oder der Amt Verdener Club.

Auf den rauschenden Festbällen tauchten oft neue Familiennamen von Auswanderern aus dem Amt Syke auf. Beispiele: Münch, Dreyer, Sander, Lüdeke, Lappelmann, Heusmann, Iden, Hauschild, Gieseke, Eggers, Hansen oder Legenhausen.

Natürlich fehlten die Frauen nicht, und in der Syker Zeitung wurden folgende Namen genannt: Frl. Schath, Frl. Hoopmann, Frl. Lange, Frl. Wilkens Frl. Hake, Frl. Wülfers oder Frau Fröhlke. Sie waren in erster Linie mit ihren Männern oder Eltern ausgewandert.

Wie der Chronist zu einem Ballereignis in der Heimatzeitung schrieb, waren aus der Region Syke auf manchen Bällen Auswanderer aus allen Gemeinden von Syke bis Barrien, von Ristedt bis Wachendorf sowie aus benachbarten Gemeinden wie Kirchweyhe, Fahrenhorst, Steimke, Brinkum oder Leeste vertreten. Heinrich Wülfers hatte sogar ein Lied nach der Melodie vom lustigen Hannoveraner gedichtet.

1908 fand der Ball in den Teutonia Assembly Rooms statt. Präsident war D. Lindhoff, Vizepräsidenten waren die Herren Hartje und Albers. Eng war die Verbindung zur Syker Zeitung, die mit Ball- und Versammlungsberichten des Vereins versorgt wurde.

Über das Ende des Vereins mit Syker Wurzeln gibt es heute keine gesicherten Informationen mehr. Naheliegend ist, dass er sich angesichts schwindender Mitgliederzahlen nach Ende des Ersten Weltkriegs auflöste – auch weil die deutsche Gemeinde in New York insgesamt nach der „General-Slocum“-Katastrophe 1904 (siehe Info-Kasten) immer kleiner wurde und die Auswanderer andernorts ihr Glück versuchten – vorwiegend im Mittleren Westen der USA.

Schiffskatastrophe als Anfang vom Ende

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in New York eine große deutsche Gemeinde und sogar einen florierenden eigenen Stadtteil – Kleindeutschland. Doch während sich Chinatown oder Little Italy bis heute in der Metropole halten, löste sich der deutsche Stadtteil auf. Wohl wichtigster Grund dafür war ein verheerendes Schiffsunglück am 15. Juni 1904.

Auf dem Schaufelraddampfer „General-Slocum“ auf dem East River brach an diesem Tag ein Feuer aus. An Bord waren gut 1 300 Passagiere, vor allem Deutsche, die meisten davon Frauen und Kinder. Mehr als 1000 Personen starben – viele waren Mitglieder der angesehensten Familien der deutschen Gesellschaft. An der Tragödie zerbrachen nicht nur zahlreiche Existenzen, sondern auch die Gemeinschaft unter den Deutschstämmigen brach auseinander – unter anderem im verbitterten Streit auf der Suche nach den Schuldigen an der Katastrophe.

Von Dieter Niederheide und Frank Jaursch

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