Heiligenfelder Grundschüler proben für den „Sommernachtstraum“

Shakespeare? – Wieso nicht?

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Vorfreude bei den Heiligenfelder Grundschülern: Am 3. Juli führen sie den „Sommernachtstraum“ auf.

Heiligenfelde - Von Michael Walter. Wie im Bienenstock geht es in der Pausenhalle zu: 20 Kinder der Astrid-Lindgren-Grundschule wuseln durcheinander und machen einen Höllenlärm. Eine kleine blonde Frau versucht, dabei den Überblick zu behalten und Ordnung in das Chaos zu bringen.

Die Theater-AG hat Probentermin. Und das Stück hat es in sich: Shakespeares „Sommernachtstraum“ ist normalerweise kein Stoff für Dritt- und Viertklässler. „Wir sind drauf gekommen, als plötzlich die Frage im Raum stand: Wo kommt Theater eigentlich her?“, sagt die kleine blonde Frau. „Und der Sommernachtstraum gibt eine Antwort darauf. Das Stück zeigt, wie einfache Leute zu Ehren ihres Königs eine Tragödie einstudieren. Theater im Theater.“

Kirsten Meier-Ebert leitet seit knapp zwei Jahren die Theater-AG an der Schule. Im vorigen Sommer hatten die Kinder „Prinzessin Piesepampel“ vor 300 zahlenden Zuschauern im DGH aufgeführt. Vom Theaterverlag wird es für fünfte Klassen empfohlen. Die Grundschüler hatten also da schon im Prinzip eine Liga höher gespielt. Und jetzt Shakespeare?

Kirsten Meier-Ebert hat mit ihrer Erfahrung von über 15 Jahren Union-Theater und Bremer Tourneetheater für eine kindgerechte Bearbeitung gesorgt. Die Spieldauer hat sie auf etwa 60 Minuten gerafft.

Als Kunstgriff dienen ihr dabei drei Kobolde, die sie in das Stück hineingeschrieben hat. An bestimmten Schlüsselstellen frieren die per Zauberei die Handlung ein und erklären wichtige Zusammenhänge oder verkürzen die Abläufe. „Es hätte einfach keinen Sinn, wenn die Kinder stattdessen seitenweise Texte deklamieren würden.“

Die Kinder sind platt: Das Sportfest vom Vormittag steckt allen in den Knochen. Entsprechend schwer fällt die Konzentration. Kirsten Meier-Ebert muss richtig keulen, um alles im Griff zu behalten. „Wann trittst du auf? Und mit wem? Was ist dein Stichwort? Dann jeder auf seine Position!“

Der Schlussakt ist dran. Titania und Oberon fällt es sichtlich schwer, sich verliebt in die Augen zu schauen. Und dann sollen sie sich auch noch an den Händen fassen! Wie peinlich! „Mensch, das ist doch nur Theater. Das seid doch gar nicht ihr!“ Auch Theseus, Hippolyta und die Handwerker-Truppe stellen die Regisseurin noch nicht zufrieden: „Jetzt spielt doch mal mit ein bisschen mehr Elan!“

Der Appell wirkt: Die eben noch runtergeleierten Texte werden plötzlich gespielt. „Das war das letzte Mal in der Schule“, muntert Meier-Ebert ihr Ensemble auf. „Ab nächster Woche proben wir dann im DGH.“ Montag, Dienstag und Mittwoch nach dem Unterricht üben die Kinder mit Kostüm, Maske und Bühnenbild, Donnerstag ist Generalprobe. Einzige Aufführung ist Freitag um 18 Uhr.

Lohnt sich dafür ein Dreivierteljahr Vorbereitung? „Unbedingt“, sagt Kirsten Meier-Ebert. „Für die Kinder ist das einfach ein Erlebnis. Wenn die auf der Bühne stehen und die Leute dann klatschen… Das gibt ihnen so unendlich viel. Manche wachsen regelrecht über sich hinaus und zehren noch Monate später davon.“

Und weshalb tut sie selbst sich diesen ganzen Stress an? „Vielleicht hat das was damit zu tun, dass ich das als Kind gerne selbst gemacht hätte. Aber da gab es keine Theater-AG“, spekuliert Meier-Ebert.

Die Aufführung am Freitag ist öffentlich. Karten gibt es für drei Euro ausschließlich an der Abendkasse. Einlass ist ab 17 Uhr.

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