Fünf Städte – ein Projekt

Wanderausstellung „Sehnsucht Europa“ im Kreismuseum Syke

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Hören, Sehen, Nachdenken und Mitmachen sind die Grundgedanken der Ausstellung „Sehnsucht Europa“ im Syker Kreismuseum. Bei der Eröffnung erlebten (v.l.) Jessica Leffers, Ralf Vogeding, Cord Bockhop und Miriam Schulz, was Heimat und Herkunft für die Menschen in der Region bedeutet.

Syke - Von Anika Bokelmann. Toleranz, Regeln und Vertrauen sind die Zutaten für ein gutes Zusammenleben. Und die Lieblingsspeisen der Menschen in Europa sind Spaghetti (35 Prozent) und Kartoffeln (18 Prozent). Das sind Ergebnisse des Projekts „Sehnsucht Europa“.

„Europa ist nicht für alles verantwortlich. Man muss sich auch vor Ort einbringen“, plädierte Cord Bockhop für die Mitgestaltung einer vielfältigen Kultur.

„Wir verfolgen die Idee eines Hauses der Kulturen“, so der Landrat im Rahmen einer Ausstellungseröffnung im Kreismuseum, zu dem die Erkenntnisse über Europa gehören. „Es gibt verschiedene Zimmer im Haus Europa, und alle Bewohner kommen gut miteinander aus“, so die Vorstellung des Landrats.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung unter dem Titel „Sehnsucht Europa – Zusammenfinden“ erklärte Ausstellungsleiterin Jessica Leffers den Entstehungsweg der Wanderausstellung. Mehr als 100 Projektpartner haben dafür gesorgt, dass auf 88 Quadratmetern im Kreismuseum die Vielfalt des europäischen Gedankens erlebbar ist.

Weitere Museen in der Region dabei

Neben dem derzeitigen Gastgeber der Stellwände gehören das Industriemuseum Lohne, das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, das Museum für Industriekultur Delmenhorst sowie für Bremen der Kulturladen Huchting, die Quartier gGmbH, das Kulturhaus Walle und das Kulturzentrum Schlachthof zu den Ausstellungspartnern. Jeder Stadt ist ein farblich markierter Bereich gewidmet, in dem die Ergebnisse aus den Begegnungen gezeigt werden.

Schüler der Ganztagsschule Syke haben sich zusammen mit Miriam Schulz vom Kreismuseum dem Migrationsgedanken über den kulinarischen Weg genähert. „So wurde ein komplexes Thema greif- und sichtbar“, sagte Schulz. Durch die Gespräche mit hiesigen Gaststättenbetreibern über deren Sehnsüchte und Erfahrungen mit Europa sei den Jugendlichen bewusst geworden, dass Migration auch etwas mit ihrer persönlichen Lebenswelt zu tun habe. „Die Jungen und Mädchen konnten an ihre eigenen Erfahrungen andocken“, so Schulz.

„Sehnsucht ist ein großes Wort“, dachte Ralf Vogeding zu Beginn der Arbeiten an der Ausstellung. Der Leiter des Kreismuseums habe zunächst an das omnipräsente Thema Flucht gedacht, berichtete er den Besuchern der Vernissage. Doch durch die Kommunikation mit direkt Betroffenen und mittels verschiedener Zugänge zeige die Ausstellung, „was Europa für unsere Region bedeutet“, so Vogeding.

Für Gerhard Thiel von der Europa-Union zeichnet sich die das Projekt dadurch aus, dass „die historische Entwicklung und Perspektiven gezeigt werden“. Thiel wünscht sich, dass „Vielfalt und Geborgenheit gefördert werden, damit wir in Europa eine Heimat sind“.

Projekt wächst durch Mitmach-Aktionen

Interviews, Kunstprojekte und Filme sind im Rahmen der Plattform „Sehnsucht Europa“ bereits entstanden. Jetzt ist der Besucher der Ausstellung gefragt: Mit Mitmach-Aktionen sollen die Erkenntnisse weiterentwickelt werden, lud Ausstellungsleiterin Leffers ein, Fragen zu beantworten und somit eine Kultur der besseren Verständigung zu schaffen. Unter anderem geht es um das Heimatgefühl und das Ankommen. Gefördert werden die Kulturbegegnungen von der Metropolregion Nordwest, dem Senator für Kultur Bremen, dem Verein Stadtkultur Bremen und der Oldenburgischen Landschaft.

„Das ist sehr gut geworden“, urteilte Hacer Soyler beim Gang durch die Sonderausstellung, als sie ihr Interview entdeckte. Darin berichtet die türkischstämmige Frau, wie sie 1976 im Alter von 12 Jahren nach Lohne kam, und wie sie sich der Sprache und Kultur näherte. „Deutsch habe ich über den Kontakt zu Nachbarn und später bei der Arbeit gelernt“, so Soyler, die mit Ulrike Hagemeier, Leiterin des Industriemuseums Lohne, nach Syke gekommen war. „Wir haben über die beruflichen Werdegänge gesprochen und was es braucht, um sich heimisch zu fühlen“, so Hagemeier über den Beitrag des Lohner Museums.

Im Rahmen der Wanderausstellung „Sehnsucht Europa – Zusammenfinden“, die noch bis zum 4. März im Kreismuseum zu sehen ist, soll es Begleitveranstaltungen geben, lud Ralf Vogeding ein, sich weiter mit dem Thema Migration und dem europäischen Gedanken auseinanderzusetzen. Am 4. Februar bietet Miriam Schulz eine Führung durch die Ausstellung, am 7.  Februar folgt ein Vortrag von Prof. Dr. Jochen Oltmer über die Geschichte und Gegenwart Europas und am 11. Februar kommen die Akteure mit dem Sehnsuchts-Mobil ins Kreismuseum und werden nach persönlichen Sichtweisen der Bürger fragen.

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