Ein Haus, das dem Chef der Verwaltung würdig war

„Syker Vorwerk“ feiert zehnjähriges Bestehen mit einer Ausstellung

Heinz Brinkmann und die Künstlerische Leiterin Nicole Giese sind stolz auf die Entwicklung des Vorwerks. - Foto: Kreykenohm

Syke - Von Julia Kreykenbohm. Die Treppe, die in das Gewölbe des Amtsgebäudes des Syker Vorwerks führt, knarrt leise. Die dunklen Holzstufen fühlen sich unter den Füßen leicht uneben an. Könnten sie sprechen, hätten sie sicherlich eine Menge zu erzählen. Geschichten aus fast 300 Jahren, von den Menschen, die in dem Haus wohnten, die zwei Weltkriege erlebten und von Generation zu Generation verfolgten, wie sich das dünn besiedelte Fleckchen Syke, das im Vergleich zu Barrien, Okel, Gessel und Heiligenfelde eher unbedeutend war, immer größer wurde.

„Wir haben versucht, so viel wie möglich vom Originalzustand des Hauses zu bewahren“, berichtet Heinz Brinkmann, Vorstand der Gemeinnützigen Stiftung Kreissparkasse Syke, während er sich in dem Gewölbe umschaut, in dem auch heute Trauungen abgehalten werden können. Die Treppe stammt noch aus der Zeit, als das Haus gebaut wurde, ebenso wie die Fußböden im ersten Stock. Vor gut 16 Jahren beschloss der Kreistag des Landkreises Diepholz einstimmig die Übertragung der Grundstücke und Gebäude des ehemaligen Vorwerks Syke auf die Stiftung. Diese hat das Amtshaus, das dazugehörige Kutscherhaus und ein Einfamilienhaus saniert, renoviert und instandgesetzt. Die Kriterien: Es muss denkmalgeschützt geschehen und die Gebäude müssen einem kulturellen Nutzen zugeführt werden.

Sechs Jahre später, am 29. September 2007, eröffnete das „Syker Vorwerk – Zentrum für zeitgenössische Kunst“ im ehemaligen Amtshaus, das eines der ältesten Häuser Sykes ist. „Als wir das Gelände damals für die Öffentlichkeit zugänglich machten, gab es großes Interesse von Seiten der Bevölkerung, die diesen Ort ja nur als Privatgrundstück kannte“, so Brinkmann. Denn ursprünglich waren Haus und der dazugehörige Park der Sitz des Amtmannes.

Das Amtshaus Syke im Sommer 1870. Die kolorierte Bleistiftzeichnung wurde von Friedrich Gottlieb Müller angefertigt.

Bevor jedoch Haus und Park standen, gab es nur das Vorwerk, entwickelt aus einer herrschaftlichen Schäferei von Phillip Sigismund, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, Bischof zu Osnabrück und Verden. Er und sein Bruder hatten einige Ländereien von den letzten Grafen von Hoya geerbt, die keine Erben hinterlassen hatten. „Ursprünglich standen hier zahlreiche Wirtschaftsgebäude, die einzig und allein dafür zuständig waren, das Syker Schloss zu versorgen, in dem unter anderem auch der Amtmann residierte“, erzählt Brinkmann.

Nach dem 30-jährigen Krieg war das Schloss in einem baufälligen Zustand und wurde schließlich abgebrochen. Nun brauchte der Amtmann einen neuen Sitz und so wurden auf dem Syker Vorwerk ein Haus gebaut, das der Stellung und Macht des Amtmannes entsprach. 1728/29 wurde es fertiggestellt. Doch was genau ist ein Amtmann? „Seine Position ist etwa mit der des Landrats zu vergleichen“, sagt Brinkmann. Dazu gab es noch ein zweigeschossiges Brauhaus, das jedoch schon nach kurzer Zeit als eine Art Forstamt genutzt wurde. 1783 entstand auch noch ein Kutscherhaus, in dem nun das Bauernhausarchiv seinen Sitz hat.

Mancher Amtmann veränderte das Anwesen auch, ersetzte beispielsweise die Fachwerkfassade durch Backstein oder baute Veranda und Balkon an, von dem aus man einen guten Blick auf das Rondell hat, auf dem die Kutschen der Besucher vorfahren konnten.

Heute kommen die Gäste zu Fuß zum Haus. In dem Zimmer, wo einst die Dienstmädchen nächtigten, ist nun ein Technikraum, wo die Plumpsklos sich befanden, ist jetzt der Schacht für den Fahrstuhl. In dem Gewölbe werden keine Lebensmittel mehr gelagert, sondern Trauungen abgehalten und auf dem Dachboden beziehen von Zeit zu Zeit Eulen und Fledermäuse Quartier. Der letzte Oberkreisdirekter, der in dem Haus lebte, war Hans-Michael Heise, der noch heute gern mal vorbeischaut und ein Buch über das Syker Vorwerk geschrieben hat.

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