Mindestens drei Geschäfte schließen bald

Hauptstraße in Syke blutet im neuen Jahr weiter aus

Zweirad Heinrich schließt zum 31. Januar, berichten Inhaberin Irina Heinrich und Stiefsohn Hannes Heinrich (Enkel der Firmengründer Ruth und Alfons Heinrich).
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Zweirad Heinrich schließt zum 31. Januar, berichten Inhaberin Irina Heinrich und Stiefsohn Hannes Heinrich (Enkel der Firmengründer Ruth und Alfons Heinrich).

Syke – Zweirad Heinrich schließt zum 31. Januar. Fleischerei Beuke schließt Ende Februar. Der Modekonzern Gerry Weber schließt seine Syker Filiale zum 31. Januar. Und hartnäckige Gerüchte halten sich um Tedi und Streifencaro: Sieht so aus, als beginne 2022 mit einem Schlag ins Gesicht für den Einzelhandel in der Syker Innenstadt.

„Wir machen nicht zu, weil wir pleite sind. Sondern wir machen zu, bevor wir pleitegehen“, betont Irina Heinrich. Vor drei Jahren hatte sie das Zweiradfachgeschäft neben der Rewe-Passage nach dem Tod ihres Mannes Klaus übernommen und führt es seitdem zusammen mit ihrem Stiefsohn Hannes Heinrich.

Der Entschluss sei im Oktober gefallen, erzählt Irina Heinrich. „Es gibt nicht den einen Grund dafür“, betont sie. „Viele kleine Dinge sind da zusammengekommen.“ Das fängt an beim veränderten Kaufverhalten der Kunden. Die ältere Stammkundschaft bricht nach und nach weg, die Jüngeren kaufen verstärkt im Onlinehandel. Und die Großhändler bieten Preise, bei denen Heinrich nicht mithalten kann. Den Ausschlag gegeben hat aber etwas anderes: „Du kriegst keine Fahrräder mehr“, sagt Irina Heinrich. „Die Nachfrage ist da, aber das Angebot nicht. Es gibt schlicht keine Ware“, führt sie aus und gewährt dem Verfasser dieser Zeilen einen Blick auf die Bestell-Seiten ihrer Hersteller: Alles rot hinterlegt. Nicht verfügbar, vergriffen, nicht lieferbar. „Das wird auch noch längerfristig so bleiben. Und von der Werkstatt alleine kannst du nicht leben. Zumal es bei Ersatzteilen mittlerweile auch schon Lieferschwierigkeiten gibt.“

Heinrich: „Haben so viel Emotion und Kraft in das Geschäft gesteckt.“

Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen. „Wir haben so viel Emotion und Kraft in das Geschäft gesteckt“, sagte Irina Heinrich. Aber: „Es fehlt die Zuversicht, dass es besser wird. Und wenn man sich selbst nicht mehr wohlfühlt, hat es keinen Sinn.“

Fehlende Zuversicht könnte auch Jan Schütte als Grund nennen, warum er sein Geschäft an der Hauptstraße 2 a dichtmacht. Wobei er dafür eine ganz klare Ursache benennen kann: „Die Verkehrsführung in der Innenstadt.“

Jan Schütte ist Inhaber der Fleischerei Beuke. Beuke war Nachfolger des Barrier Traditionsbetriebs Glander. Bei Glander hatte Schütte gelernt, später bei Beuke als Meister gearbeitet und 2012 den Betrieb übernommen. Sein Geschäft hatte er zuletzt im
„Nah & Frisch“-Supermarkt von Georg Rathkamp an der B 6. Und als der 2018 schließen musste, verlagerte Schütte sein Geschäft an die Hauptstraße. „Ich hab den Großteil meiner Kunden damals mitgenommen“, sagt er. „Aber seit die Stadt die Hauptstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt hat, kommen sie nicht mehr.“ Die Zufahrt zu seinem Betrieb hat sich gar nicht verändert. „Aber der Verkehr fließt jetzt anders ab.“ Bisher sind die Kunden über die Gesseler Straße hintenrum nach Barrien zurückgefahren. „Jetzt müssen sie sich über den Hachepark schlängeln. Das ist ihnen zu umständlich.“

Jan Schütte sagt im Prinzip dasselbe, was sein Kollege Volker Behrens vom anderen Ende der Hauptstraße schon im Frühjahr gesagt hat (wir berichteten): „Wir hatten 2020 ein super Jahr. Seit die Hauptstraße gesperrt ist, ist es wie abgeschnitten“, so Schütte. Konsequenz: Er hört auf, bevor er aufhören muss. „Der Mietvertrag läuft bis Ende Februar. Danach ist Schluss.“

Ebenfalls zum 31. Januar schließt Gerry Weber an der Hauptstraße,

Auch der Modekonzern Gerry Weber verlässt die Hauptstraße: Der Standort werde zum 31. Januar geschlossen, bestätigt Unternehmenssprecherin Kristina Schütze. Zu den Hintergründen werde sich das Unternehmen in Kürze äußern.

Hartnäckig halten sich darüber hinaus Gerüchte um die Second-Hand-Boutique Streifencaro (Hauptstraße 24) und – ganz konkret – den Tedi-Markt gegenüber Rewe. Der werde angeblich geschlossen und dafür in Barrien neu eröffnet: Am Standort des ehemaligen Supermarkts an der B 6. Das Unternehmen bestreitet das allerdings: „Es ist derzeit nicht geplant, die Filiale an der Hauptstraße zu schließen. Der Standort entspricht unseren Erwartungen, zudem sind wir vertraglich längerfristig an den Standort gebunden“, erklärt Unternehmenssprecher Tobias Mrowitzki auf Nachfrage.

Hartnäckig hält sich das Gerücht: Tedi verlässt die Hauptstraße und macht dafür einen neuen Markt in Barrien auf. Die Firmenzentrale bestreitet das allerdings.

Bei Streifencaro verhält es sich komplizierter: Hier gibt es schon lange Pläne, das Gebäude abzureißen und an seine Stelle ein modernes Wohn- und Geschäftshaus zu bauen. Bei der Stadtverwaltung sind zwei unterschiedliche konkurrierende Entwürfe bekannt. Erster Stadtrat Thomas Kuchem bestätigt: Der Eigentümer brauche keinen neuen Bebauungsplan dafür und könne theoretisch jederzeit anfangen. Kuchem betont aber: „Ein Bauantrag liegt uns nicht vor.“

Neubaupläne für die Hauptstraße 24 gibt es schon lange.

Thomas Kuchem ist auch der Wirtschaftsförderer der Stadt Syke. Von daher kann ihm die aktuelle Entwicklung an der Hauptstraße nicht egal sein. Für ihn ist es eine Entwicklung, „wie sie sich auch in anderen Innenstädten darstellt“. Und zwar nicht nur in kleinen Städten. „In Bremen siehst du Leerstände, da wird dir echt komisch.“

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Die Lehre daraus ist für ihn: „Der Handel fällt als Frequenzbringer zunehmend aus. Umso mehr müssen wir also dafür tun, andere Frequenzbringer zu finden, um Aufenthaltsqualität zu schaffen.“ Als Abgesang auf den Einzelhandel will Kuchem das aber nicht verstanden wissen. Da hofft er auf einen „Dreiklang“: Handel, Verwaltung und Gebäudeeigentümer müssten Hand in Hand für den Erhalt arbeiten. „Sonst wird’s nicht funktionieren.“ Speziell die Eigentümer sieht Kuchem da gefordert, durchaus auch finanziell. „Wenn Mietzins und Zustand der Immobilie nicht zusammenpassen, dann wird’s schwierig.“

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