Wikingerzeit für Besucher erfassbar

Mittelaltermarkt am Kreismuseum: Ein Hauch Haithabu

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Besucherin Ineke (7) wird von Anja Stolzmann in die Geheimnisse des Filzens eingeweiht. 

Syke - Von Frank Jaursch. Ein Dialogfetzen, aufgeschnappt am Sonntagmittag auf dem Mittelaltermarkt am Kreismuseum. Er: „Schatz, das war ‘ne schöne Idee, hierher zu kommen.“ Sie (grinst): „Hab ich mir gedacht.“ Den Ausflug in die Wikingerzeit genossen am Wochenende mehr als 1000 Besucher. Sie erlebten dort einen Hauch Haithabu.

Die legendäre Wikingersiedlung dieses Namens im heutigen Schleswig-Holstein war vor mehr als einem Jahrtausend einer der wichtigsten Handelsplätze Europas. Hier trafen sich die Handwerker und Händler aus dem Baltikum, aus Skadinavien und Westeuropa.

Nicht das Krieger-, sondern das Alltagsleben prägte dementsprechend am Wochenende das Erscheinungsbild des Marktes an der B 6. Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände dominierten. Schüsseln und Becher aus Speckstein, Nadeln aus Knochen oder Mammut-Elfenbein, wollene Gewänder und kupferne Fibeln gab es zu bewundern – und bei Interesse auch zu kaufen.

Für die Artikel gibt es durchaus einen Markt, betont Gewandschneiderin Ontja, die einen Teil ihrer Kollektion nach Syke gebracht hatte. „Ich schätze, deutschlandweit gibt es so 1000 Wikingerdarsteller.“

Ihr Gatte Gandolf Gerhardsson, seines Zeichens Kupferschmied, veranschaulichte nebenan im Gespräch mit Besuchern, was für ein Zeichen des Reichtums es einst war, ein eigenes Kettenhemd, einen Helm und ein Schwert zu besitzen. An einem Kettenhemd hätte ein Schmied damals rund eineinhalb Jahre gearbeitet, erläuterte er.

Ein solches Kettenhemd hatte einen Wert von 200 bis 300 Gramm Silber gehabt. „Für 100 Gramm Silber hat man einen Sklaven bekommen, für 50 ein Reitpferd. für ein Gramm zehn Hühner.“

In Syke wurde deutlich: Auch ein Handelsplatz wie Haithabu kam nicht ohne Waffen aus. Die Wikinger waren schließlich ein recht streitbares Völkchen. Walter Schwarze brachte den Besuchern näher, wie aus einem Eiben- oder Ulmenzweig ein durchschlagskräftiger Bogen wird. Für die Jagd – oder für den Kampf.

Die Frauen im Lager waren für die schönen Dinge des Lebens zuständig: Hilke Meinert zeigte die Kunst des Brettchenwebens, Anja Stolzmann demonstrierte, wie man filzt. Sie hatte die mittelalterlichen Händler als Organisatorin in Syke zusammengebracht. Und war voll des Lobes – über die Gastgeber („wir sind so liebevoll aufgenommen worden“) und über die Besucher. Denn die, so Stolzmann, seien sehr an der Geschichte und dem Hintergrund des Wikingerlebens interessiert. „Die fragen so detailliert nach, das macht uns allen sehr viel Spaß.“

Mittelaltermarkt am Kreismuseum Syke

Doch so ein Markt ist immer auch nur so gut wie die Menschen, die etwas zu zeigen haben. Und da beeindruckten die Männer und Frauen „aus dem Mittelalter“ mit großem Wissensschatz, viel Geduld und einer angenehm unaufgeregten Art, den Besuchern von ihrer Passion zu erzählen.

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