Harald Dittmann spricht über Bekämpfung von Schwarzarbeit

Zöllner sind auch nur Menschen

Glück auf, der Zöllner kommt: Harald Dittmann bei seinem Referat im Rahmen des Business-Lunchs in Syke. - Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Frank Jaursch. „Ich bin Zöllner“, sagte Harald Dittmann, „mir ist nichts Menschliches fremd.“ Gelächter in der Runde – und fast ein bisschen Erleichterung. Der Oberamtsrat des Hauptzollamtes Osnabrück hat gestern beim Business-Lunch über seine Arbeit referiert. Im Mittelpunkt stand dabei die Bekämpfung der Schwarzarbeit.

Auf Einladung von Stadt und IHK hatten sich auch diesmal wieder mehr als zwei Dutzend Vertreter von örtlichen Unternehmen im Ristorante Da Nino eingefunden – zum gemeinsamen Essen, Plaudern und Zuhören. Wie immer eröffnete ein kurzes Impulsreferat des Gastes die Veranstaltung.

Für die Kontrollen gelten seit zwölf Jahren neue Regelungen: Seit 2005 ist allein die Zollverwaltung für die Prüfung und Ermittlung zur Bekämpfung von Schwarzarbeit zuständig. Seitdem können die Beamten nicht nur prüfen, sondern auch vor Ort sofort strafrechtliche oder Bußgeld-Verfahren in Gang bringen.

Dabei veranschaulichte Dittmann zunächst, wie man sich so eine Firmenprüfung durch den Zoll vorstellen muss. Der Eindringling mit MP und Skimaske, der Mitarbeitern Informationen abnötigt, gehört dabei ins Reich der Legenden: „So gehen wir nicht vor“, erklärte Dittmann trocken.

Die Mitarbeiter des Hauptzollamtes kommen vielmehr in (Achtung:) „Räuberzivil“, um sich in den Unternehmen umzusehen. Sie sind allerdings mit Dienstwaffe und Reizstoffsprühgerät ausgerüstet. Nicht ohne Grund: Die Zöllner stoßen bei ihrem Auftreten schon mal auf merkwürdiges Verhalten. Dittmann: „Wenn wir heute Abend noch hier sitzen würden – ich könnte Ihnen was erzählen...“

Auf Anekdoten mussten die Zuhörer verzichten, stattdessen gab es einen Einblick in die Vorgehensweise. Im Prüfverfahren, so klärte Dittmann auf, bestehe eine Auskunftspflicht gegenüber den Zöllnern, und auch der Arbeitgeber sei darlegungspflichtig.

Das ändere sich allerdings, wenn aufgrund von Verdachtsmomenten ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. „Ab dem Zeitpunkt müssen Sie gar nichts mehr sagen“, betonte Dittmann – um wenig später gestenreich und mit einem Schmunzeln darauf hinzuweisen, dass natürlich alle Anwesenden über jeden Zweifel erhaben seien.

Knapp 950 Arbeitgeber haben die 100 Mitarbeiter des Hauptzollamtes im vergangenen Jahr für eine Prüfung aufgesucht. Ergebnis: 1700 Strafverfahren. „Das macht statistisch für jeden zwei“, so die Schlussfolgerung des Gastes, der aber sogleich klarmachte, dass ein Dominoeffekt bei beanstandeten Unternehmen meist für mehrere Verfahren sorgt. „Gefühlt ist das Gros in Ordnung.“

Dittmann bestätigte am Ende, dass seine Mitarbeiter unangekündigt auftauchen, aber auf Wunsch auch schon mal wieder unverrichteter Dinge abziehen, wenn besondere Umstände eine Prüfung im Moment schwer machen. Denn Dittmann weiß: „Firmenunterlagen laufen nicht weg.“

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