Reinhard Nolte und Team sind als Hufschmiede unterwegs

Mit Hammer und Amboss immer auf Achse

Mit einer Raspel verleiht Nick Nolte dem Huf den letzten Schliff. Die Tiere sind das Prozedere gewohnt – alle sechs bis sieben Wochen wechselt der Hufschmied bei Sportpferden die Eisen. - Fotos: Filipiak

Syke / Morsum - Von Sophie Filipiak. Bevor das Auto das wichtigste Transportmittel wurde, war das Pferd unverzichtbar. Was heute der Automechaniker ist, war damals der Hufschmied. In jedem größeren Ort gab es mindestens einen, zu dem die Pferdehalter ihre Tiere brachten. Heute ist es genau andersrum: Der Hufschmied fährt zu den Ställen und beschlägt dort die Hufe. Er ist immer auf Achse. Aber genau das macht auch den Reiz aus, wie der Syker Hufschmied Reinhard Nolte versichert.

Es ist warm an diesem Tag. Den drei Hufschmieden steht der Schweiß auf der Stirn. Seit dem Morgen sind sie im Dauereinsatz. Fünf Pferde müssen sie an diesem Vormittag in der Reithalle von Hilmar Meyer in Morsum beschlagen. Die Tiere wirken ruhig, sie kennen das Prozedere. Eins nach dem anderem wird unter dem prüfenden Blick von Reinhard Nolte in die Boxen geführt und angeleint. Er beobachtet, wie die Tiere sich bewegen. So erkennt er schnell, ob sie Probleme mit ihrem Bewegungsapparat haben.

Denn er und seine Kollegen sind nicht nur für die neuen „Schuhe“ der Pferde zuständig, sondern greifen auch korrigierend ein, wenn ein Tier falsch belastet. So wie beim Hengst Bonaventura: Die Hufe seiner Vorderbeine sind unterschiedlich breit. „Wenn wir da nichts machen, könnte das seinen Gelenken schaden.“ Und das will niemand, vor allem nicht der Besitzer. Denn die Tiere sind Kapital. Es sind Sportpferde von edler Abstammung und mit einiger internationaler Turniererfahrung.

Genau auf diese Art Pferde ist Nolte spezialisiert. „Sie brauchen spezielle Eisen, an denen man auch Stollen anbringen kann.“ Ähnlich wie bei Schuhen für Hochleistungssportler dienen diese Noppen dazu, auf dem Boden einen festen Halt zu haben. Dafür bohrt Nolte drei Löcher in die Hufeisen – zwei an der Außen- und eines an der Innenseite. Seine Gerätschaften hat er immer dabei: Diverse Kisten mit Hufeisen, Stollen sowie Werkzeug, Schleif- und Bohrapparate und ein Gerät, das auf den ersten Blick wie eine Mikrowelle erscheint.

Rot glüht es in seinem Inneren. „Der Ofen wird um die 800 Grad heiß“, erklärt Nolte. Fünf Minuten bleibt das Eisen darin, dann holt Nolte es heraus. Mit geübten schnellen Schlägen bringt er es auf dem Amboss in die richtige Form – individuell an jeden Pferdehuf angepasst. Dann geht es wieder in den Stall.

Genau wie in alten Zeiten bearbeitet Reinhard Nolte die Hufeisen auf dem Amboss.

Brav gibt ihm Bonaventura seinen Huf. Nolte drückt ihm das Eisen an – und schon steigt beißender Qualm auf. Es stinkt nach verbranntem Haar, weil Huf und Haar aus demselben Material bestehen. „Manche Menschen mögen ja diesen Geruch“, scherzt Nolte. Während er das Eisen zurechthämmert und schleift, kümmert sich sein 21-jähriger Sohn Nick um die Hufpflege. Er bereitet sie zu, wie der Fachmann sagt. Nick reinigt die Sohle, schneidet den Hufstrahl – den weichen Teil der Sohle – zu und zwickt etwas vom Außenrand ab. Ähnlich wie bei einer Pediküre zückt er dann eine Feile – nur dass die fast einen halben Meter lang ist. Nick achtet dabei darauf, dass das Pferd danach auch seine Hufen korrekt abrollt – nämlich wie beim Menschen nach vorne.

„Nur die Zehe vorne wird gekürzt“, sagt Reinhard Nolte. „Damit die Pferde flach darauf stehen.“ Währendessen hat sein Mitarbeiter Hermann Würdemann einiges mit der Stute Castilia zu tun. Der ist nämlich mittlerweile in der Box etwas langweilig geworden. Sie scharrt schon im wahrsten Sinne des Wortes mit den Hufen. Würdemann hat einige Mühe, ihr Bein still zu halten, das er gerade bearbeitet. Besänftigend streichelt Reinhard Nolte Castilia über die Stirn. Sofort wird das Pferd ruhiger.

Mit Pferden kennt sich Reinhard Nolte seit seiner Kindheit aus. Schon sein Vater war Hufschmied, wie dessen Vater vor ihm. Reinhards Sohn Nick ist somit die vierte Generation, die diesen nicht mehr alltäglichen Beruf ausübt. Schon als Nick zehn Jahre alt war begleitete er seinen Vater in den Sommerferien auf Termine. „Meine Freunde finden meinen Beruf außergewöhnlich“, sagt er. Beide – Vater und Sohn – schätzen die Flexibilität ihres Berufes, und dass sie immer wieder neue Menschen und Tiere kennenlernen.

Endlich sind die Hufeisen fertig. Mit schnellen Schlägen werden sie mit Nägeln befestigt. Dann folgt der Feinschliff: Die Nagelspitzen, die aus dem Huf hinausragen, kappt der Hufschmied ab. Schnell noch einmal mit der Raspel drüber geschliffen – fertig. Und so können Castilia und Bonaventura mit ihrem neuen Schuhwerk aus dem Stall klappern.

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