„Hängen wir einfach mal Blödsinn da hin“

Quatsch-Plakate an der B 6 erweisen sich für Edgar Fischer als Volltreffer

Eines der Quatsch-Werbebanner, mit denen das Printhaus an der Kafu-Kreuzung seit geraumer Zeit für Schmunzler „im Vorbeifahren“ sorgt. Fotos: Jantje Ehlers
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Eines der Quatsch-Werbebanner, mit denen das Printhaus an der Kafu-Kreuzung seit geraumer Zeit für Schmunzler „im Vorbeifahren“ sorgt.

Syke - Hache-Vertiefung ab 2055 für den Bau eines Containerhafens, Brennholzverleih, Pkw-Maut zwischen Syke und Heiligenfelde... Die lustigen Werbeplakate an der Kafu-Kreuzung fallen auf. Entstanden sind sie – wie viele andere gute Sachen im Leben auch – aus einer Schnapsidee, aus einer Laune heraus.

Edgar Fischer ist die Person, die dahintersteckt. Der Syker Unternehmer ist gelernter Schriftsetzer. Vor 36 Jahren hat er sich selbstständig gemacht. Seine Firma Printhaus ist halb Druckerei, halb Werbeagentur. Das Portfolio reicht von Aufklebern über großflächige Werbeplakate bis hin zu Schiffsbeschriftungen. „Wir vermarkten sämtliche Werbeflächen an der Kafu-Kreuzung“, sagt Fischer. „An dieser einen Fassade an der B 6 hatten wir öfter mal ein bisschen Schwierigkeiten damit, weil die nicht so offensichtlich ist wie die anderen. Ich hab dann irgendwann gedacht: Bevor da gar nichts draufsteht, hängen wir da einfach mal Blödsinn hin. Mal sehen, wie die Leute reagieren.“

Und so entstand das erste Plakat. „Weg mit dem Steimker Berg! Freie Sicht auf Heiligenfelde!“ stand darauf in schwarzen und roten Lettern auf ortsschildgelbem Grund. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, zumal unter dem Slogan die Telefonnummer seines Unternehmens als verkappte Kontaktadresse der „Bürgerinitiative“ stand. Wer wollte, kam also schnell auf das Printhaus und Edgar Fischer. „Ich hatte gerade bei der Sparkasse was zu tun, da sprach mich eine Frau an, ob sie das Plakat kaufen könnte“, erzählt er. „Das hängt seitdem angeblich in Heiligenfelde im Dorfgemeinschaftshaus. Ich hab aber nie nachgesehen.“

„Da ranken sich ganze Geschichten drum“

Nachdem also der Beweis erbracht war, dass diese Werbefläche funktioniert, hätte Fischer sie weiter ganz normal vermieten können. Stattdessen folgten weitere Quatsch-Plakate. „Das beste war das mit dem Brennholz-Verleih“, sagt er und muss unweigerlich grinsen. „Da ranken sich ganze Geschichten drum.“

Ostern kann kommen: Printhaus-Chef Edgar Fischer und seine Mitarbeiterin Laura Böger stellen die Elemente zusammen, mit denen sie heute das Rasenstück an der Kafu-Kreuzung zur Osterwiese machen wollen.

Eine ist die von dem Mann, der angerufen und zurückgeblödelt hat. Ob man denn das Brennholz neuwertig zurückgeben muss oder es wenigstens kurz mal anbrennen darf. Oder ob man auch einfach einen Sack Holzkohle zurückgeben kann. „Wir haben gut gelacht“, erzählt Fischer. „Und dann sagte er am Ende des Gesprächs: Okay, dann sehen wir uns ja wieder. Der ist dann bei uns Kunde geworden.“ Da war aber auch die Lehrerin, die Fischer auf den Brennholz-Verleih ansprach. „Wir haben intensiv im Kollegium diskutiert, was das für ein Geschäftsmodell ist“, ahmt er Duktus und Stimmlage der Frau nach. „Die hatten das für echt gehalten. Das waren allerdings nicht die einzigen. Ich hatte noch ein paar andere Anrufer, die ernsthaft fragten, ob das wirklich stimmt.“

Die Werbung in eigener Sache ist der eine Grund, warum Fischer mit diesen Plakaten weitermacht. Der andere ist: „Ich hab Spaß daran! Natürlich kostet das was. Aber wenn ich ins Kabarett gehe, bezahle ich ja auch was dafür.“

Corona-Epidemie: „Es läuft praktisch nichts mehr“

Edgar Fischer ist Baujahr 1950 und damit buchstäblich in anderen Zeiten groß geworden. „Da war alles noch Brust raus, Bauch rein! Heute ist alles viel lockerer. Deutschland ist wesentlich leichtfüßiger geworden, viel mehr in-sich-rein-gniggernder. Auf der anderen Seite findest du die Denkweise der Altvorderen bei – zu – vielen jungen wieder. Ein Grund mehr für ihn, diese Lockerheit, diesen Spaß am Leben weiterhin nach außen zu tragen.

In Zeiten der Corona-Epidemie und ihren Begleiterscheinungen gar nicht so einfach. „Wir haben jetzt zum ersten Mal in unserer Geschichte mitten in der Woche geschlossen und unsere Mitarbeiter ins Home Office geschickt. Es läuft praktisch nichts mehr. Plakate werden nicht gedruckt, weil die Veranstaltungen ausfallen. Speisekarten werden nicht gedruckt, weil die Restaurants schließen. Für eine Woche haben wir noch Arbeit, aber es kommt fast nichts nach. Weil es allen anderen genauso geht.“

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