FDP-Mann zum Thema Wolf

Genthe: „Habe das Gefühl, Thema wird gar nicht ernst genommen“

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Landkreis Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Der Wolf ist zurück und erhitzt nach wie vor die Gemüter. Die Wellen, die im Landkreis Diepholz durch die sogenannte Goldenstedter Wölfin ausgelöst werden, sind auch in den niedersächsischen Landtag nach Hannover geschwappt.

FDP-Abgeordneter Dr. Marco Genthe beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Wolf und auch mit der Frage, wie mit dem Tier, das schon viele Nutztiere gerissen hat, umgegangen werden soll. Aus diesem Grund habe die FDP-Fraktion die Anfrage „Welche Konsequenzen zieht die Landesregierung aus dem bisherigen Wolfsmanagement?“ gestellt und mit 83 Einzelfragen im Landtag debattiert.

„Wir haben erst neulich im Umweltausschuss in Syke einen Vortrag von einem Wolfsberater gehört, der uns bescheinigt hat, dass die Goldenstedter Wölfin sich auffällig verhält“, sagt Genthe auf Nachfrage. „Das heißt zwar noch lange nicht, dass man sie töten muss. Aber ich halte es für richtig, sie zu besendern, um herauszufinden, wo sie überall herumstreift. In jedem Fall muss etwas passieren.“

Rückblick: Im Mai berichtete Dr. Marcel Holy im Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt, dass die Zahl an Übergriffen von Wölfen auf Nutztiere im Landkreis Diepholz die Zahl in der Lüneburger Heide überholt habe – und dort leben fünf Rudel (wir berichteten). Wölfe im Landkreis würden viel mehr umherwandern und auch Nutztiere angreifen, da sie weniger Wild in der Natur fänden.

Marco Genthe

Doch Umweltminister Stefan Wenzel erteilte dem Wunsch der FDP eine Absage: „Aus heutiger Sicht erscheint eine umgehende Besenderung aktuell nicht mehr angezeigt. Die von dieser Wölfin gerissenen Nutztierbestände betrafen zu 98 Prozent Bestände, die keinen ausreichenden Grundschutz zur Wolfs-Abwehr aufwiesen. In den vergangenen Monaten sind die Rissvorfälle in dem genannten Raum stark zurückgegangen. Vor allem aber waren keine weiteren Risse in geschützten Beständen mehr zu verzeichnen. Deshalb werden wir – und haben damit schon begonnen – die Beratung der Nutztierhalter und die Hilfestellung bei dem Aufbau von Zäunen weiter intensivieren.“

Für Genthe ist diese Antwort unverständlich. „Dass es zurzeit keine weiteren Risse gibt, heißt nicht, dass die Gefahr gebannt ist. Es steht eher zu befürchten, dass die Wölfin wieder auffällig wird, sobald der Sommer vorbei ist und das leicht zu jagende Jungwild in der freien Wildbahn weniger wird. Ich habe das Gefühl, dass Thema wird überhaupt nicht ernstgenommen.“ Er gehe nun mit einem schalen Gefühl in die Sommerpause.

Ebenso irritiere ihn das Verhalten der SPD-Landtagsabgeordneten Luzia Moldenhauer, die Wenzels Haltung kommentarlos hingenommen habe, obwohl ihr die Situation vor Ort genauso bekannt sein müsse wie ihm und die auf seine Aufforderung, sich dazu zu äußern, nicht reagiert habe.

Moldenhauer selbst plädiert für mehr Gelassenheit in der Wolfs-Thematik. „Wir müssen klären, worüber wir hier überhaupt sprechen. Wir wissen, dass viele Schafe, die gerissen wurden, durch ihre Weidezäune nicht ausreichend gesichert waren.“ Da sie keine Wolfsexpertin sei, gestehe sie sich auch kein Urteil zu. „Ich bin Politikerin und schaffe die Rahmenbedingungen. Was zu tun ist, müssen Fachleute entscheiden. Wenn diese dafür plädieren, die Wölfin zu besendern, werde ich mich dem nicht verschließen.“

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