Gymnasium zeigt morgen die KZ-Kinderoper „Brundibar“

Ein Stück (mit) Geschichte

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Intensiv bereiten sich die Schüler in den Proben auf die morgige Aufführung vor.

Syke - Von Michael Walter. Es ist nicht einfach irgendein Stück, das die Musiklehrerinnen Ines Lücke und Silke Seemann-Meerkamp gerade mit ihren Schülern am Gymnasium einüben. Es ist ein Stück mit Geschichte. Am Mittwoch um 19.30 Uhr hebt sich im Theater der Vorhang für die Kinderoper „Brundibár“ von Adolf Hoffmeister (Text) und Hans Krása (Musik) von 1938.

Krása war ein tschechoslowakischer Komponist deutscher Sprache – und er war Halbjude. 1942 wurde er von den Deutschen ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort konnte er seine Kinderoper insgesamt 55 Mal aufführen – mit Kindern aus dem KZ für Kinder aus dem KZ.

Ausschnitte aus einer Aufführung tauchen in dem Deutschen Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ auf, der dem Betrachter ein normales glückliches Leben der KZ-Häftlinge vorgaukelt. Wie fast alle an der Oper beteiligten, wurde Hans Krása später ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

„Dieser geschichtliche Hintergrund bildet die Rahmenhandlung für unsere Inszenierung“, sagt Seemann-Meerkamp. „Die Oper selbst ist also eine Handlung in der Handlung.“ Seit Herbst laufen die Proben – für nur diese eine Aufführung.

Beteiligt sind daran die Schüler des Profils „Kultur“ im 9. Jahrgang, die Bläserklasse des 7. Jahrgangs und einige einzelne Schüler aus den Jahrgängen 5 bis 8 – insgesamt 65 Personen.

Die Handlung der Oper selbst ist schnell erzählt: Es ist der alte Konflikt zwischen Gut und Böse. Die Botschaft ist klar: Nur zusammen sind wir stark. Die Kinder Aninka und Pepícek wollen durch Singen Geld verdienen, um ihrer kranken Mutter frische Milch kaufen zu können. Doch auf dem Marktplatz ist schon der Leierkastenmann Brundibár, und der duldet keine Konkurrenz. Die Tiere kommen den Kindern zu Hilfe und verscheuchen Brundibár.

Und was für eine Musik erwartet die Zuschauer? „Sie ist klar aufgebaut und leicht nachvollziehbar“, beschreibt Seemann-Meerkamp. „Aber sie ist auch ein Kind ihrer Zeit: Es gibt Passagen, in denen der Komponist mit Dissonanzen gearbeitet hat. Das ist durchaus eine Herausforderung für Schüler dieses Alters.“

Die Aufführung dauert voraussichtlich 70 Minuten und ist öffentlich. Im Foyer gibt es eine Begleitausstellung zum historischen Hintergrund.

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