Gymnasium: Erfolg bei „Jugend forscht“

Der „Krieg der Muscheln“ bringt den Sieg

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Jugend forscht – und zwar höchst erfolgreich! Für das Gymnasium Syke holten (v.l.) Lina Gaumann, Toni Dragojevic und Imke Lopper den Regionalsieg.

Von Frank Jaursch. Alles ist im Fluss – auch im Wattenmeer: Viele Lebensräume unterliegen im Zeitalter des Klimawandels einer außergewöhnlichen Veränderung. Die höheren Wassertemperaturen sorgen für erstaunliche Entwicklungen in der Tierwelt. Drei Syker Gymnasiasten haben einen seit Jahren tobenden „Krieg der Muscheln“ zum Thema für ihren Beitrag bei „Jugend forscht“ gemacht. Vom Regionalwettbewerb kehrten sie jetzt als Sieger zurück.

Für Lina Gaumann (11.Klasse), Imke Lopper und Toni Dragojevic (beide12. Jahrgang) wurde der Wettbewerb in Emden zu einem Triumph: Das Trio überzeugte die kritische Jury mit seiner Präsentation und zeigte sich auch bei inhaltlichen Nachfragen gut vorbereitet. „Die Konkurrenz war schon stark“, berichtete Lina, „aber wir hatten uns schon was ausgerechnet.“

Nicht ohne Grund. Das Thema des Trios war spektakulär – und die Art und Weise, wie sie an ihre Erkenntnisse gelangten, ebenfalls: Mit einem Segelboot waren sie mehrere Tage lang rund um Wangerooge und Spiekeroog unterwegs, um ihre Fragestellung zu bestätigen oder zu widerlegen. Und die Frage lautete: Verdrängt die Pazifische Felsenauster die heimische Miesmuschel aus dem Wattenmeer?

Die globale Erwärmung hat in der Nordsee ein anderes Klima geschaffen: Das Wasser ist seit knapp zwei Jahrzehnten warm genug für die Fortpflanzung der Austern, Fressfeinde gab es keine.

Kurz: Die Nordsee war ein Paradies für die Art, die bis dato nur in Farmen auf Sylt und in den Niederlanden gezüchtet wurde. „Ausgebüxte“ Exemplare vermehrten sich schnell, die invasive Tierart breitete sich explosionsartig aus. Die Austernart gilt als sehr robust, schnell wachsend und langlebig. Ist da noch ein Platz für die Miesmuschel?

Die Schüler untersuchten zahlreiche Muschelbänke. Und kamen zur Erkenntnis: Ja, da ist noch Platz. „Die beiden Arten entwickeln eine Koexistenz“, erklärt Imke. Die Miesmuscheln bleiben jetzt kleiner und nutzen die konkurrierende Art, um sich selbst vor Fressfeinden zu schützen: Sie drängeln sich gewissermaßen zwischen die festsitzenden, scharfkantigen Austern. Auf diese Art hat sich der Bestand nach einem deutlichen Rückgang zu Beginn des Jahrtausends wieder erholt. Aus dem „Krieg der Muscheln“ ist eine Win-Win-Situation geworden.

„Das Spannende ist: Bei dem Thema überschneiden sich Ökologie und Evolution“, erklärt Toni. Denn mittlerweile hätten sich andere Tierarten angepasst: Austernfischer haben einen dickeren Schnabel entwickelt und seien jetzt in der Lage, junge Austern zu „knacken“. Und auch Seesterne rückten den Neuankömmlingen mittlerweile vermehrt zu Leibe.

Qualifiziert für

das Landesfinale

Ironie des Schicksals: In den Genuss des siegbringenden Segeltörns kamen die Gymnasiasten im vergangenen Jahr nur wegen des Ausfalls von Klassen- und Kursfahrten im Zuge des Streits um Mehrarbeit für Lehrer. Lehrer Matthias Radzun, Leiter der „Jugend forscht“-AG, machte sich auf die Suche nach Alternativen – und entdeckte den Wettbewerb „Forschen auf See“.

Den entschieden die findigen Syker Schüler für sich und gewannen so die sechstägige Forschungsreise auf dem Segelboot. Und triumphierten jetzt auch in Emden. „Es ist schön, wenn man etwas in Gang setzt und es dann selbstständig weiter läuft“, lobt Radzun das Engagement der 17-Jährigen.

Nach dem Sieg in Emden geht nun die Reise weiter: Mitte März steht an der TU in Clausthal der Landesentscheid der sieben niedersächsischen Regionalsieger an. Und für den Fall der Fälle sollten sich die Jugendlichen schon mal das letzte Wochenende im Mai freihalten: Dann läuft in Paderborn das Bundesfinale.

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