In Barrien

Irischer Rockpoet Kieran Halpin macht Station in der Wassermühle

Kieran Halpin wusste auch diesmal wieder bei seinem Konzert in der Wassermühle zu überzeugen – mit dem, was er zu sagen hatte – und mit der Art, wie er es sang. - Foto: Husmann

Barrien - Von Detlef Voges. Die Jahre haben seine Stimme bearbeitet. Das Leben hat sich in seine Songs hinein gegraben, hat sie vernarbt, reich gemacht. Davon erzählt der irische Rockpoet Kieran Halpin in seinen Liedern. Am Mittwochabend beeindruckte er damit sein Publikum in der gut besuchten Wassermühle.

„Back Again“ hieß das Motto. Der Ire ist wie ein guter Geist des Hauses, der immer mal wieder vorbeischaut und dabei tiefe Spuren hinterlässt – rockig, jazzig.

Der 61-jährige Halpin ist ein Fascinosum. Als Ire lange Jahre in Schottland zuhause, lebt er seit gut zwei Jahren in Nürnberg. „Passt schon“, sagt er dazu. Den Mann als Weltenbummler zu beschreiben, hieße zu untertreiben. Er liefert im Jahr etwa 160 Auftritte in aller Welt. In der Branche gilt er als „one of the hardest touring musicians“.

Halpin hat bislang 21 CDs, zwei Live-DVDs und drei Songbooks mit eigenen Stücken herausgegeben. Ein Workaholic, der etwas zu sagen hat, unverstellt. Diese Authentizität ist eines seiner großen Erfolgsgeheimnisse.

Bei anderen wirken Jeans und lässig offenes kariertes Hemd als Attitüde. Bei ihm entsprechen sie seiner unprätentiösen Einstellung. Die Eitelkeit hat Halpin schon im Kindergarten abgegeben.

Er ist rumgekommen im Leben, war oft von der Familie getrennt. Er hat dieses Alleinsein in Songs gegossen. Die Lieder für seine Töchter und seine Nichte klingen wie therapeutische Emotionsanker, voller Wärme, Liebe und Sehnsucht – „It’s All For Love“. Ein Song, den Halpin in der Wassermühle stark emotional besetzte.

Wer über die eine Seite der Liebe singt, lässt die andere, die unerfüllte, nicht aus. Nicht einer wie Halpin. Sein „I Will Remember Love“ geht unter die Haut.

Der fränkische Ire ist ein Sehender. Er setzt musikalisch um, was tiefer geht. Dabei kennt er keine Tabus. Nach dem optimistischen „Everyone Loves Someone“ folgt mit „Sorrow“ ein Lied über Depressionen.

Halpin spielt gekonnt auf den Saiten der Seele, je nach Anlass mal rockig, laut und temporeich, mal ruhig und melancholisch. Was er in gut einer Stunde kraftvoll, fast ohne Pause, abreißt, dafür benötigen andere Stunden oder scheitern schon im Ansatz.

Halpin berührt mit seinen Songs die Gefühlswelt seines Publikums. Die Nähe der Lieder packt. Der Mann will ja was los werden, auf seine ehrliche Art.

Es ist die Einfachheit und Glaubwürdigkeit, die den Iren mit einer intensiven Bühnenpräsenz ausstatten. „Long Lost Friends“ etwa ist ein Song über gute Freunde, die man Jahre nicht gesehen hat. Beim Wiedersehen ist es aber so, als ob man gestern erst mit ihnen zusammen gewesen wäre. Halpins Lieder stecken voller Lebensweisheiten und intelligenter Poesie. Sie decken eine ganzen Kanon an Erfahrungen ab, in denen sich die Zuhörer wiederfinden können. Ein weiteres Plus bleibt sicherlich seine Stimme, die er immer noch kraftvoll einsetzen kann.

Hinzu kommt sein durch die Jahre gereiftes Timbre, das den Liedern gleichsam Leben einhaucht. Als 30-Jähriger hätte Halpin diese Songs nicht schreiben, schon gar nicht so singen können.

Es gibt viele Lieder an diesem Abend, die beeindrucken. Die „Glory Days“ sind aber etwas besonderes. Der Song ist neben dem, was war und nicht mehr wiederkommt, eine Hommage an seinen ehemaligen musikalischen Partner Chris Jones. Der US-amerikanische Sänger und Gitarrist starb im Alter von 47 Jahren. Mit „Glory Days“ hat Halpin ihn unsterblich gemacht.

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