„Gute Frau bin ich nicht!“

Ute Thaden in den Ruhestand verabschiedet

+
Justizamtsrätin Ute Thaden (Mitte) wurde nach 40 Jahren als Rechtspflegerin mit liebevoll-ironischen Worten in den Ruhestand verabschiedet. Links: Amtsgerichtsdirektorin Elisabeth Kruthaup. Rechts: Personalrats-Chef Rolf Schierloh. 

Syke - Von Michael Walter. Ute Thadens ausgeprägte Lust am Singen war Schuld daran, dass ihre Kollegen am Amtsgericht Syke regelmäßig mit einem Ohrwurm aus der Mittagspause kamen. Kein Wunder also, dass sie es ihr jetzt mit gleicher Münze zurückzahlten.

Zu ihrer Verabschiedung nach 40 Jahren als Rechtspflegerin hatten Thadens Kollegen „Tür an Tür mit Alice“ passend umgetextet. „Fast jeden Tag traf ich sie im Flur. Ich grüßte jedes Mal, und sie hatte neue Schuhe. Es ist schwer, ich sitz nicht mehr Tür an Tür mit Ute“, hieß es da im Refrain.

Amtsgerichtsdirektorin Elisabeth Kruthaup griff in ihrer Laudatio die Steilvorlage auf: „Was erlebt man so, wenn man Tür an Tür mit Ute sitzt?“ Sie selbst weiß es genau, denn sie hat das Büro nebenan. „Ich will ja nicht aus dem Nähkästchen plaudern, denn Frau Thaden hat sich schließlich eine schöne Verabschiedung gewünscht“, frotzelte sie. Ein Erlebnis müsse sie aber doch wiedergeben. Ein Moment aus einem Telefonat, den sie dank offener Türen teilweise mitverfolgt hatte.

„Ich bin die Zuständige!“

Der Mensch am anderen Ende der Leitung hatte offenbar den Fehler gemacht, Ute Thaden mit „Gute Frau“ anzusprechen. „Gute Frau?“, habe Thaden entrüstet erwidert, „Gute Frau bin ich nicht! Ich bin die Zuständige!“

Eine Aussage, die laut Kruthaup nur teilweise stimme. Ute Thaden sei sogar eine sehr gute Frau gewesen. Zum Beweis las die Chefin aus einer Beurteilung vor, in der Ute Thaden überdurchschnittliche Leistungen und eine hohe soziale Kompetenz bescheinigt werden.

Kruthaup selbst beschrieb Thaden als „mütterlichen Typ im positiven Sinn: Geradeaus und hilfsbereit, immer alle im Blick und drauf bedacht, dass niemand hinten runterfällt. Und dabei immer ziemlich straight.“

Angefangen mit Karol Woytila

Den liebevoll-ironischen Ton dieser Verabschiedung behielt auch Ute Thaden in ihrer kurzen Ansprache bei. „Im Oktober 1978, da haben Karol Woytila und ich gemeinsam angefangen. Er hat den Job nicht so lange durchgehalten wie ich. Ich bin öfter befördert worden. Aber: Er hat den höchsten Posten erreicht. Ich nicht.“

Seit Februar ist Thaden „großmütterliche Hilfskraft“, und zum 1. April fängt sie ihren „neuen Job“ an: als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Kreismuseum.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

„Summer Sounds“ in Bremen 

„Summer Sounds“ in Bremen 

Beachvolleyball-Tunier in Rethem

Beachvolleyball-Tunier in Rethem

Erntefest in Neddenaverbergen 

Erntefest in Neddenaverbergen 

DFB-Pokal: Blamage für Frankfurt - Werder im Torrausch, VfB ist raus

DFB-Pokal: Blamage für Frankfurt - Werder im Torrausch, VfB ist raus

Meistgelesene Artikel

Erstmals Kinderanimation zum Start des Brokser Markts

Erstmals Kinderanimation zum Start des Brokser Markts

Dürreperiode konnte Dümmer nichts anhaben

Dürreperiode konnte Dümmer nichts anhaben

Nächtlicher Einbruch in Seniorenheim - Täter gestellt 

Nächtlicher Einbruch in Seniorenheim - Täter gestellt 

20-jähriger Radfahrer bei Unfall schwer verletzt - Autofahrer flüchtet

20-jähriger Radfahrer bei Unfall schwer verletzt - Autofahrer flüchtet

Kommentare