Günter Balkhausens Erbe

Hidden Champions: Boyd – von der Wundauflage bis zum Staubfänger im CD-Player

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Die Produktpalette reicht von verleimten Papierlagen bis zum Klebeteil, das beim Regensensor für den Scheibenwischer zum Einsatz kommt.

Syke - Von Frank Jaursch. Es gibt Firmen, deren Produkte hat man schon tausendmal in der Hand gehabt, ohne es zu wissen. Und es gibt Firmen, die in ihrer Branche eine wichtige Rolle spielen, ohne dass es bekannt wäre. Syke hat von beiden eine ganze Menge. Ein paar dieser „Hidden Champions“ möchten wir in dieser Reihe vorstellen.

Wer einen CD-Player in seinem Auto hat, der hat wohl, ohne es zu wissen, ein original Syker Produkt im Einsatz: Der unscheinbare Kunststoff-Staubschutz, durch den die CD in den Eingangsschlitz des Geräts hineingeschoben wird, ist mit großer Wahrscheinlichkeit in einer Halle an der Rudolf-Diesel-Straße entstanden.

„Wir liefern an alle Hersteller“, sagt Marion Thielbar. Sie ist die Standortleiterin der Boyd Corporation GmbH. Das Unternehmen, das unter dem Namen Balkhausen in Syke zu einem „Hidden Champion“ geworden ist, beliefert andere Produkthersteller in den unterschiedlichsten Branchen – und das mit einer Vielfalt, die in der Region ihresgleichen suchen dürfte.

Kleine Teile, große Funktionalität.

Mit einer schwungvollen Bewegung lässt Marion Thielbar den Inhalt einer großen Klarsichthülle herausgleiten. Dutzende Gegenstände unterschiedlicher Form, Größe und Materialien liegen auf dem Tisch. Sie alle sind Made in Syke, sie alle sind Produkte der Boyd Corporation. Die Auswahl stellt nur einen winzigen Bruchteil des Portfolios dar – und verdeutlicht doch auf anschauliche Art, wie breit gefächert das Syker Unternehmen aufgestellt ist.

Boyd-Produkte kommen in der Unterhaltungselektronik zum Einsatz oder im Bereich der Haushaltsgeräte, in der Automobilindustrie und in der Medizin. Die Bandbreite reicht von verleimten Papierlagen, die sternförmig ausgestanzt und in Bohrmaschinen als Isolation eingesetzt werden, über Schaumstoffringe, auf denen Batteriezellen gelagert werden, bis zum kleinen Klebeteil, das beim Regensensor für den Scheibenwischer zum Einsatz kommt.

„Die Produkte werden immer kleiner“

Die Syker machen „alles außer Metall“ und liefern beispielsweise im Automobil-Bereich an große Zulieferer. „Unsere Produkte haben meist keine eigene Funktion“, erläutert Thielbar. Doch sie helfen auf hohem Niveau dabei, dass die Komponenten anderer Unternehmen gut funktionieren.

„Die Produkte werden immer kleiner – und die Funktionalität wird immer größer“, schildert Thielbar eine der großen Herausforderungen. In den Produkten stecke immer mehr Leistung – und Leistung erzeugt Wärme. „Mit jedem Grad reduziert sich die Lebensdauer. Also muss die Wärme raus.“ Nicht zuletzt aus diesem Grund sei die Entwicklung von Wärmeleitprodukten eine der großen Herausforderungen.

Ein anderer Bereich ist die Elektro-Mobilität. „Da sind wir schon viele Jahre dran“, berichtet Thielbar. Nachdem ein erster Hype schon vor Jahren abgeebbt war, sei nun neuer Schwung in das Thema gekommen. Mit Auswirkungen auch auf Boyd. Marion Thielbar: „Etliche Teile, die wir vor Jahren spezifiziert haben, nehmen jetzt richtig Fahrt auf.“

120 Mitarbeiter beschäftigt

Als Günter Balkhausen sich im Jahr 1964 selbstständig machte, dürfte er sich den enormen Erfolg seines Unternehmens kaum ausgemalt haben. Als „One-Man-Show“ (Thielbar) gestartet, wuchs der Betrieb im Laufe der Jahre, sodass Balkhausen zunächst nach Brinkum zog. Als es auch dort zu eng wurde, entschied er sich 1988, nach Syke zu gehen.

Balkhausen verstarb 1992. Sein Name aber blieb über Jahrzehnte ein Symbol für den Erfolg. Nach dem Verkauf des Unternehmens an die US-amerikanische Brady Corporation bekam Balkhausen den Zusatz „Division of Brady“, 2014 wurde der Konzernteil an die Boyd Corporation verkauft. Erst im Oktober 2017 wurde der Teil „Balkhausen“ aus dem Namen gestrichen – das Syker Unternehmen firmiert seitdem unter „Boyd Corporation GmbH“.

Auf dem 25. 000 Quadratmeter großen Grundstück im Industriegebiet sind derzeit rund 7. 000 Quadratmeter verbaut. „Wir sind froh, dass wir noch Grundstücksfläche haben“, betont Marion Thielbar. Denn das Geschäft brummt. Boyd ist auf Wachstumskurs. Derzeit sind 120 Mitarbeiter damit beschäftigt, den Bedarf zu decken. Jährlich werden rund 250 Millionen Teile aus Syke in alle Welt verschifft.

„Herausfordernde Branche“

Eines der jüngeren Geschäftsfelder ist die Medizin. Verbrauchsprodukte wie Wundauflagen werden ebenso hergestellt wie beispielsweise Einbauteile für Blutdruckmessgeräte.

Thielbar sieht das Unternehmen für den Erfolg in einer „herausfordernden Branche“ gerüstet. Boyd exportiert rund 40 Prozent seiner Waren – nach Russland und Brasilien, in asiatische Staaten und in die USA.

Kunden gibt’s weltweit – Konkurrenten aber auch. Einfache Produkte in Massen produzieren längst auch Konzerne in Fernost oder in Osteuropa. „Wenn wir in Deutschland langfristig bestehen wollen“, sagt Thielbar, „müssen wir täglich innovative Lösungen anbieten – und dabei die Kosten auf einem vertretbaren Level halten.“

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