Grundstück an Georg-Hoffmann-Straße soll als Parkplatz für BBS genutzt werden

Landkreis lässt Baumbestand während der Brutzeit roden

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Von dem Baumbestand des rund 6000 Quadratmeter großen Grundstücks ist kaum noch etwas übrig.

Syke - Von Frank Jaursch. Das Satellitenbild von Syke hat noch immer eine ganze Reihe an „grünen Flecken“ aufzuweisen – auch in zentraler Lage. In den vergangenen Tagen allerdings ist eines dieser Biotope verschwunden: Der Baumbestand am Straßenkeil von Georg-Hoffmann-Straße und Grevenweg ist weitgehend gerodet worden.

Das rund 6000 Quadratmeter große Grundstück soll geschottert werden und nach den Ferien als Parkplatz für die BBS dienen. Das Pikante: Der Landkreis als Eigentümer hat während der gesetzlichen Brutzeit mit der Rodung begonnen. Dies räumte auf Nachfrage der Kreiszeitung Oliver Netzband, in den vergangenen Monaten kommissarisch zuständiger Fachdienstleiter beim Landkreis, ein.

Zwischen dem 1. April und dem 15. Juli gelten in Niedersachsen besondere Bestimmungen, um die Tiere, die während dieser Zeit brüten oder ihren Nachwuchs zur Welt bringen, zu schützen. Für Hunde zum Beispiel gilt in dieser Zeit Leinenzwang, Bäume dürfen nicht ohne Weiteres abgeholzt werden.

Die Pläne, das landkreiseigene Grundstück zu Parkplätzen umzuwandeln, gibt es schon länger; die Sommerferien schienen nun der geeignete Zeitpunkt, um sie in die Tat umzusetzen.

Das Areal „verkam ein bisschen“, so Netzband. Mehrere Bäume waren auf dem Grundstück bereits umgefallen, bei weiteren war aus Sicherheitsgründen eine Fällung erforderlich. So trat im Auftrag des Kreises eine Firma in Aktion – schon vor dem 16. Juli.

Die Arbeiten waren zunächst von außen kaum sichtbar. „Wir haben mit den Rodungen von innen begonnen“, sagte Netzband. Der Fachdienstleiter räumte gestern durchaus zerknirscht ein: „Natürlich hätte man besser noch vier Wochen warten können.“ Denn Vögel scheren sich nicht um Kalender: Auch nach dem 15. Juli ist noch so manches Nest mit Nachwuchs besetzt, viele Vögel brüten ein zweites Mal.

„Wir sind den Bereich durchgegangen und haben keine Nester gesehen“, erklärte Netzband, gab aber im gleichen Atemzug zu, dass er natürlich nicht ausschließen könne, dass sich in den Bäumen noch genutzte Nester befanden.

Die Maßnahme sorgte in den vergangenen Tagen für Verwunderung bei Passanten. Unter ihnen war auch Rena Ziegler. Die Bassumerin beschwerte sich beim Landkreis über die unkluge Terminwahl. „Die Brutzeit ist doch in ein paar Wochen vorbei.“

Ihre Beschwerde beim Landkreis stieß auf offene Ohren: Oliver Netzband übte sich gestern in Schadensbegrenzung und wies die Arbeiter zunächst einmal an, die Rodungen zu stoppen und nur das bereits abgeholzte Material abzutransportieren. „Alles, was jetzt noch steht, bleibt erst mal stehen.“ Viel ist das allerdings nicht mehr.

Rena Ziegler lobte diese Reaktion von Seiten des Landkreises – könne es doch auch andere Bürger ermutigen, in solchen Fäll(ung)en tätig zu werden.

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