Die doppelte Glasfaser

Grünes Licht für schwarze Flecken – und Nordischnet bekommt Konkurrenz in Syke

Vermessungsfahrzeug mit Kameras
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Mit solchen Fahrzeugen wird der Syker Stadtbereich in den kommenden Wochen vermessen.

High-Speed-Internet für alle kommt nach Syke. Weil es genügend Interessenten für das Glasfaser-Angebot von Nordischnet gab, soll jetzt ganz Syke – inklusive der bereits leidlich versorgten „schwarzen Flecken“ – erschlossen werden. Für Irritationen sorgt indes ein zweiter Anbieter.

Syke – Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Das gilt beim Surfen im Internet – zumindest für die Syker Bürger, die in den Genuss eines superschnellen Glasfaser-Anschlusses kommen. Die GVG Glasfaser Gesellschaft hat nach monatelanger Vermarktungsphase jetzt genug Verträge in der Tasche, um tatsächlich den Ausbau in den „schwarzen Flecken“ voranzutreiben.

Diese gute Nachricht, verkündet vom Ersten Stadtrat Thomas Kuchem auf der Ratssitzung am Donnerstagabend, wurde von einer weiteren, einigermaßen überraschenden ergänzt: Die GVG mit ihrer Marke Nordischnet ist – zumindest im östlichen Stadtgebiet – nicht mehr der einzige Teilnehmer im Glasfaser-Spiel.

Telekom und EWE haben das gemeinsame Vorhaben „Glasfaser Nordwest“ gegründet. Und klotzen richtig ran: Bereits in diesem Jahr im Oktober soll im Syker Kernbereich östlich der Bahntrasse der Ausbau beginnen – knapp 2 900 Adressen und mehr als 4 800 Anschlüsse sollen versorgt werden. Das alles ohne Vermarktungsphase und ohne Abschlussquoten. Geschwindigkeit ist eben keine Hexerei.

In einem Gespräch mit Thomas Kuchem hatten hochrangige Vertreter des Joint Ventures ihren Zeitplan erläutert – und bei diesem durchaus für Verblüffung gesorgt. Schon in der kommenden Woche nämlich soll der erste sichtbare Schritt auf dem Weg zur Glasfaser zurückgelegt werden: Vermessungsfahrzeuge mit vielen Kameras – die ein bisschen an die „Google Street View“-Autos von vor einigen Jahren erinnern – fahren ab Montag durch die Syker Straßen.

Der Glasfaser-Ausbau von Glasfaser Nordwest soll in dem dunkel markierten Bereich erfolgen. Grafik: Glasfaser NordWest

Mit den Filmchen, die dort aufgenommen werden, planen die Techniker den Verlauf des Verteilnetzes – aus der Ferne. „Die arbeiten streng nach der DSGVO“, betonte Kuchem. Alle Filme würden nach der Vorbereitung der Tiefbauarbeiten gelöscht werden.

Das Gemeinschaftsunternehmen von EWE und Telekom wurde Anfang 2020 gegründet und soll in großen Teilen des Nordwestens von Deutschland den Ausbau von FTTH („Fiber to the home“ – Glasfaser bis ins Haus) übernehmen. Es will bis zu 1,5 Millionen Haushalte mit Glasfaser erreichen und hat eine Investitionssumme von bis zu zwei Milliarden Euro zur Verfügung.

Warum die neue Konkurrenz für Nordischnet auf eine Vermarktungsquote verzichten kann, erläuterte Kuchem: „Die betreiben keine Dienstleistung am Endkunden.“ Glasfaser Nordwest baut also lediglich die Leitungen. Die Vermarktung übernehmen dann – einige Monate nach dem Ausbaustart – die Telekom und EWE.

Vor dem Hintergrund dieser Wendung geriet die zweite Neuigkeit von Kuchem fast ein wenig in den Hintergrund – dabei ist die vor allem für die Bewohner der äußeren Ortschaften von viel größerer Wichtigkeit. Er habe am Donnerstag die gute Nachricht von Nordischnet erhalten: In den schwarzen Flecken – also jenem Bereich, der internet-technisch schon gut ausgestattet ist, dessen Kupferkabel aber an ihre Belastungsgrenzen stoßen – habe Nordischnet die angestrebte Vermarktungsquote von 40 Prozent jetzt „knapp erreicht“ und sich entschieden, den weiteren Ausbau in Syke vorzunehmen.

„Zwei gute Nachrichten“ für Syke seien das, fand Kuchem – auch wenn er einräumte, dass das Auftreten des zweiten Unternehmens gerade nach Ende der Vermarktungsphase schon „merkwürdig“ sei. „Da kann es also theoretisch passieren, dass Straßen in der Ortschaft Syke zweimal aufgebuddelt werden“, so Kuchem. Die Stadtverwaltung werde aber mit den beteiligten Unternehmen sprechen und auf eine Einigung im Sinne der Bürger hinwirken.

Ratsvorsitzender Karsten Bödeker (SPD) bezeichnete es als „mehr als bizarr“, wenn nach dem monatelangen Engagement des Landkreises für Nordischnet mit Finanzierung durch Steuermittel zu einer solchen Situation komme. Thomas Kuchem wies allerdings darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen der Breitband-Versorgung der bislang unterversorgten „weißen Flecken“ und dem aktuellen Fall mit den schwarzen Flecken gebe. „Dort gibt’s Wettbewerb. Die dürfen das. Ob es allerdings sinnvoll ist, sei mal dahingestellt ...“

Von Frank Jaursch

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