Wie Frank Jaursch beim Quiz auf dem Barrier Herbstmarkt an seine Grenzen stieß

Selbstversuch: Was Lampenfieber anrichtet

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Kopfhörer auf, Mikro vor der Nase, Hand am Buzzer: Beim Quiz ist die volle Aufmerksamkeit gefragt. Manchmal reicht aber auch das nicht aus. 

Barrien - Von Frank Jaursch. Von außen betrachtet ist alles ja so einfach. Wir kennen das vom Anschauen der Quiz-Sendungen im Fernsehen. Die Fragen: ein Witz. Der Kandidat: was für ein Depp! Kommt nicht auf die einfachsten Antworten.

Das vergangene Wochenende hat meinen Blick auf die vermeintlichen Versager am Buzzer nachhaltig verändert. Auf dem Barrier Herbstmarkt durfte ich beim Vereins-Quiz mitmachen – und am eigenen Leib erfahren, was Lampenfieber anrichten kann.

Das Quiz der Kreissparkasse ist ein lieb gewonnenes Kernstück des Barrier Herbstmarktes geworden. 16 Vereine wollen einen der vier Schecks ergattern, die für einen warmen Geldregen auf dem Vereinskonto sorgen.

Auch der Förderverein der Barrier Grundschule kann jeden Euro gebrauchen. Ich gehöre zum Acht-Personen-Kader und darf im zweiten Spiel ran – gegen das starke Team vom Barrier Fußball-Förderverein, das vor zwei Jahren Platz zwei belegte.

Ich nehme meinen Platz am Pult ein. Mein Herz klopft, meine Hände zittern. Die ersten beiden Fragen kann ich für mein Team beantworten. Balsam gegen die Nervosität. Aber es bleibt ein enges Match – nach zehn Fragen steht es unentschieden.

Die Entscheidungsfrage ist was für mich: „Welche Bäume können mehr als 4000 Jahre alt werden?“ Ich drücke den Buzzer vor mir, das Licht an meinem Platz flammt auf. Na klar, das sind doch diese riesigen..., diese... diese...

Während nerviges Piepen die Sekunden abzählt, die ich zur Beantwortung habe, breitet sich eine große dumpfe Leere in meinem Kopf aus. Die Blicke meiner Mitspieler ruhen auf mir. Sicher weiß es jeder von denen. Mir fällt der „General Sherman Tree“ ein, der größte Baum der Welt. Das ist doch auch so ein.. ein...

Nichts. Mir ist, als würde ich in einem Lexikon lesen, und die entscheidenden Zeilen sind geschwärzt. Die Zeit ist abgelaufen, der Punkt landet beim Gegner, dieses Spiel ist verloren.

„Mammutbaum“, höre ich von überall.

Stimmt.

Mist.

Vorwürfe von meinen Mitspielern gibt es keine. „Ich hätte das gewusst“, wird meine Tochter (9) später zu mir sagen.

Zum Glück ist das Förderverein-Team eine echte Turniermannschaft. Wir kommen ins Viertelfinale, setzen uns nicht nur dort, sondern auch im Halbfinale durch – und spielen plötzlich um den Siegerscheck.

Auf der anderen Seite stehen die TSV-Schwimmer. Die sind gut und schnell. Schnell bin ich auch – nur nicht gut genug. Ich scheitere bei der Frage nach der kleinsten ungeraden Primzahl und ordne Supertramps Song „Breakfast in America“ mit großer Überzeugung Barclay James Harvest zu.

Kleiner Trost: Auch ohne diese Aussetzer hätten die starken Schwimmer sicher gewonnen. Der Förderverein der Grundschule kann sich über einen zweiten Platz und 500 Euro freuen.

Für mich wird der Abend unfreiwillig lang. Mich begleitet bis kurz nach zwei Uhr nachts die Stimme von Roger Hodgson. I’m a loser, what a joker. Falle schließlich in einen unruhigen Schlaf – und träume von großen Bäumen und kleinen Zahlen.

Nie wieder lache ich über Quizshow-Kandidaten.

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