Der alte Konflikt zwischen Männern und Frauen als Friedensstifter: Syker Gymnasiasten gelingt kurzweilige „Lysistrata“-Aufführung

Die Griechen und der Stinkefinger

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Szene aus der Aufführung des Gymnasiums: Lysistrata (Henrike Schmidt, vorn) versucht, die anderen Griechinnen von ihrer Idee zu überzeugen. 

Syke - Von Frank Jaursch. So mancher Satz aus „Lysistrata“ könnte es problemlos als Sinnspruch in die Wohnzimmer manches Junggesellen schaffen. „Geht’s auch niemals gut mit Weibern, gar nicht geht es ohne sie“ ließ der griechische Dichter Aristophanes im Jahr 411 v. Chr. den Athener Soldaten Kinesias sagen.

Der Konflikt zwischen Männern und Frauen ist so alt wie die Literatur. Der 11.-Klasse-Kurs „Darstellendes Spiel“ des Gymnasiums Syke hatte sich ein halbes Jahr lang mit einer antiken Form dieser Auseinandersetzung beschäftigt. Die Aufführung von „Lysistrata“ zeigte nun, wie sehr sich die Jugendlichen den ebenso klassischen wie stellenweise derben Stoff zu eigen gemacht haben.

Dabei blieb die altertümliche Sprache des (gekürzten) Originaltextes weitgehend bestehen, auch die Kostüme waren historisch angelegt. Bewusst aber kamen in der Inszenierung auch moderne Elemente zum Einsatz: von der Armbanduhr übers Smartphone und eine Reihe aus illuminierten Waschmaschinen bis hin zur Europalette. Und auch der griechische Stinkefinger durfte nicht fehlen.

Henrike Schmidt überzeugt in Hauptrolle

Zur Handlung: Lysistrata (Henrike Schmidt) hat eine Bombenidee, wie sie den Krieg in Griechenland beenden kann: Wenn alle Frauen sich ihren Männern verweigern, bis die Frieden untereinander schließen, dann könnte das als ausgezeichnetes „Druckmittel“ (hihi) dienen.

Nun stößt ihr Vorschlag bei den Frauen selbst zunächst auf wenig Gegenliebe. Die Griechinnen glauben nicht so recht daran, dass sie den Lauf der Welt beeinflussen können. Und haben, nebenbei, auch selbst keine Lust auf Lustverzicht.

Doch die Überredungskunst von Lysistrata wirkt: Tatsächlich legen die Damen einen Schwur ab, lassen ihre Gatten und Geliebten fortan nicht mehr ran. Bis zum furiosen Finale wird die Angelegenheit auf die Spitze getrieben. Doch wie es sich für eine Komödie gehört, wendet sich am Ende doch noch alles zum Guten.

Der Kurs überzeugte bei seinen beiden Vorstellungen mit gutem Tempo und phasenweise sehr gelungener Situationskomik. Bemerkenswert textsicher: Hauptdarstellerin Henrike Schmidt als Lysistrata, die dem mitunter übermütigen Treiben überzeugend einen ernsthaften Hintergrund verlieh.

Heimliches Highlight: Verführung des Kinesias

Ihr schauspielerisches Talent stellten aber auch andere Mitglieder des Kurses unter Beweis. Till Schüttert etwa trug als Ratsherr Probulus auch die demütigende Verkleidung als Weib mit irritiertem Stolz zur Schau; Janina Heitmann überzeugte als fröhliche Kalonike.

Heimliches Highlight der Aufführung war indes die (unvollkommene) Verführung des Kinesias durch Myrrhine (Leonie Wittenstein). Die Rolle des Atheners Kinesias hatte mit Amélie Leclère eine Schülerin übernommen. Sie meisterte die schwierige Aufgabe, glaubhaft einen Recken darzustellen und zugleich der Situationskomik gerecht zu werden.

Mit einem Rap feierten die Griechen am Ende den Frieden – und sich selbst. Denn der Kurs von Ines Lücke kann mit Stolz auf die Bewältigung einer echten schauspielerischen Herausforderung zurückblicken.

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