Wie sich eine rüstige Rentnergang mit der Sanierung beinah übernommen hat

Grenzerfahrung Lindhof-Spieker

Die stolze Helfertruppe vor dem renovierten Spieker am Jugendhaus.
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Die stolze Helfertruppe vor dem renovierten Spieker am Jugendhaus.

Syke – Der Lindhof-Spieker ist fertig. Am späten Dienstagnachmittag übergab der Verein Rund ums Syker Rathaus in einem kleinen Festakt das 175-Jahre alte Fachwerkgebäude beim Jugendhaus nach Abschluss der Sanierung an die Stadt. Damit endet ein Projekt, das eine etwa 20-jährige Vorgeschichte hatte und den Verein Rund ums Syker Rathaus an die Grenzen des Leistbaren gebracht hat.

Die Beteiligten auf allen Seiten hatten sich kräftig verschätzt. „Wir waren alle überrascht, wie viel Arbeit das war“, sagt der Vorsitzende Johannes Huljus. Weil: „Das Haus stand ja!“ Im Gegensatz zum Fachwerk-Spieker auf der Alten Posthalterei. Den hatte der Verein ein paar Jahre zuvor nach einem Sturmschaden buchstäblich vom Boden zusammengeklaubt, abtransportiert, eingelagert und später neben dem Café wieder aufgebaut. Und am Lindhof war das Gebäude noch in einem Stück. Das müsste doch ein Klacks dagegen sein, lautete die allgemeine Annahme. Denkste!

Zwei Dinge kamen zusammen. Erstens: Die „rüstige Rentnergang“, die zuerst das Haus Waldstraße 3 vor dem Abrissbagger gerettet und ins Café Alte Posthalterei verwandelt und ein paar Jahre später den Speicher nebenan neu aufgebaut hatte, war älter und weniger geworden. Und zweitens: Der Lindhofspieker offenbarte quasi mit jedem Handschlag, den man an ihn legte, neue Überraschungen, und meistens keine angenehmen. Der Dachstuhl drohte einzustürzen, die Decke beziehungsweise der Fußboden des Dachbodens war morsch, etliche tragende Balken ebenfalls, weil jahrelang Regenwasser durch das Dach gesickert war und noch etliche mehr.

Aber die Truppe um Johannes Huljus, Bernd Brümmer und Gerhard Thiel gab nicht auf. Und am Ende hat sie das marode Bauwerk in ein kleines Schmuckstück verwandelt. Und damit hatten im Vorfeld die wenigsten gerechnet.

Etwa 15 Jahre zuvor hatte sich der Rat der Stadt bereits mit dem Abriss des Gebäudes beschäftigt. Dass es dazu nicht gekommen ist, war auch ein Verdienst des damals frisch gewählten Bürgermeisters Harald Behrens. Doch für eine Sanierung durch die Stadt gab es im Rat auch keine Mehrheit. Und so gammelte der Spieker weiter vor sich hin. Das Jugendhaus nutzte ihn als Lagerraum.

Johannes Huljus erzählt: 2010 hat uns Harald Behrens dann mehr oder weniger gedrängt, die Sanierung des Spiekers als Ziel in unsere Vereinssatzung aufzunehmen.“ Aber es sollte bis zum Oktober 2017 dauern, bis die Stadt und der Verein eine Vereinbarung über die Finanzierung schließen konnten. Stichwort fehlende Mehrheiten im Rat.

2018 war der erste Arbeitseinsatz. „Bernd Brümmer hat mir jeden Balken einzeln erklärt“, erinnert sich Bürgermeistgerin Suse Laue an ihre erste Besichtigung auf der Baustelle. Und Johannes Huljus erzählt: „Wir haben hier eine Garage, eine schaurige Toilette und ein Kellerloch, in das sich keiner hineingetraut hat, als Fremdkörper vorgefunden.“

Symbolische Übergabe: Johannes Huljus überreicht Bürgermeisterin Suse Laue war nicht den originalen Schlüssel zum Spieker, aber einen, der genauso alt ist wie das Haus.

Die Sanierung gestaltete sich zunehmend schwierig, geriet aber auch mehr und mehr zum integrativen und inklusiven Lern- und Arbeitsprjoekt. Die Rentnergang erhielt Hilfe von Bewohnern des Westflügels, wo Menschen mit Psychiatrieerfahrung leben, von Flüchtlingen aus Afghanistan – von denen vier von Anfang bis Ende der Sanierung dabeiwaren und darüber schließlich sogar reguläre Arbeit gefunden haben – und sieben Azubis von der Avacon haben die Elektrik verlegt.

Etliche Sponsoren haben mit Material, Rat und Tat geholfen, von denen Huljus vor allem die Firmen Lübber, Gohl, Fach & Werk sowie Hansemann hervorhebt. „Vor genau zwei Jahren stand der Spieker dann vor der Rückgabe an die Stadt“, erzählt er. Dann machte Corona der Fertigstellung einen Strich durch die Rechnung. Immerhin keine ganz verlorene Zeit: Der Verein nutzte sie, um dem Holzwurm im Gebälk endgültig den garaus zu machen.

83 000 Euro sind an Geldmitteln in die Sanierung geflossen. 35 000 davon hat die Stadt bezahlt, 20 000 der landschaftsverband Weser-Hunte. Den Rest musste der Verein stemmen.

Die rüstige Rentnergang und ihre Stamm-Helfer: Bernd Brümmer, Helmut Schulz, Friedhard Pohl, Thomas Schwenen, Karl Stallkamp, Johannes Huljus, Gerd Thiel, Peer Schmidt, Ali Hussaini, Ghulam Hossein Kordi, Rashid Gamali und Mohammad Khademi.

Von Michael Walter

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