Selbstversuch im Syker Popchor

Zwei Redakteure als Tenöre: Glückshormone garantiert

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Nein, vorsingen mussten die Gastsänger von der Kreiszeitung nicht. Der Syker Popchor um Leiter Andreas Erbe (am Klavier) gewährte Frank Jaursch (r.) und Michael Walter bedingungslos eine musikalische Bleibe.

Syke - Von Frank Jaursch. „Wo man singt, da lass' dich ruhig nieder / böse Menschen haben keine Lieder“: Das alte Lied kommt mir in den Sinn, als ich gemeinsam mit meinem Redaktions-Buddy Michael Walter den Übungsraum bei Wessels betrete. Die Frauen und Männer, denen ich hier begegne, kennen mich nicht. Aber sie lächeln uns an. Willkommen im Syker Popchor!

Chorleiter Andreas Erbe begrüßt uns mit einer Ansage: „Wir duzen uns hier alle.“ Gerne! In welcher Stimmlage wir denn singen? „Dusche“, liegt mir auf der Zunge. „Sicher Bass“, sagt jemand. „Genug Volumen ist ja da.“

Genau mein Humor.

Wir sortieren uns allen körperlichen Einschätzungen zum Trotz schließlich beim Tenor ein. Brigitte und Reinhold nehmen uns unter ihre Fittiche. Die beiden kabbeln sich zwischen den Stücken mit Vorliebe wie ein altes Paar. Aber wenn Musik ertönt, singen sie wie mit einer Stimme.

„Un Poquito Cantas“ gibt's zum Aufwärmen. Le-lo-la! Ich folge den Worten auf Reinholds Textzettel. Versuche, den Einsatz nicht zu verpassen. „Nja-nja-nja“, gibt Chorleiter Andreas den zu singenden Ton vor, „den Unterkiefer aushaken, Mund ganz auf. Und etwas nasal!“ Gut, dass der Fotograf schon weg ist.

Gänsehaut am ganzen Körper

Beim ersten echten Song „Mr. Sandman“ gelange ich schon an meine gesanglichen Grenzen. Der Tenor singt nicht die mir leidlich bekannte Melodie, sondern die zweite Stimme. Gut, dass Reinhold sattelfest ist. Ich orientiere mich an seinem Gesang und setze immer einen Bruchteil später ein. Mein Beitrag zum Gelingen des Stückes ist überschaubar. Aber etwas Interessantes setzt ein: Ich habe das Gefühl, ein Teil des Gesamtkunstwerks zu sein.

Popchor besteht seit 27 Jahren - und jetzt sowas

Seit mittlerweile 27 Jahren gibt es den Popchor schon. Als Andreas Erbe 1990 die Idee zu einem Chor der „etwas anderen Art“ hatte, betrat er bundesweites Neuland. Poppige, spritzige Musik in neuem Gewand, für musikbegeisterte Menschen ohne instrumentale oder Notenkenntnisse und ohne spezielle Gesangsausbildung? Geht das?

Es ging. Und wie! Die Gruppe blickt mittlerweile auf eigene CD-Produktionen und ungewöhnliche Konzerte zurück – wie zuletzt mit den „Chambers“, dem Solistenensemble der Jungen Philharmonie Köln.

Bei „Under the Moon of Love“ spüre ich zum ersten Mal Gänsehaut-Schauer, noch mehr wenig später bei Leonard Cohens „Hallelujah“. Wenn die Frauen in der ersten Reihe mit ihrem klaren, glockenhellen Sopran einsetzen, wird unser ganz ordentlicher Tenor-Gesang veredelt.

Zugleich merke ich, dass gutes Timing das vielleicht wichtigste Element ist. Daheim kann man sich da noch durchmauscheln, im Chor geht's so nicht. Nur wenig ist peinlicher, als die einzige Stimme zu sein, die in die Stille hinein den Bruchteil eines Taktes zu früh einsetzt.

Bei „Dust in the Wind“ bin ich melodisch überfordert. Reinhold beruhigt mich. „Das hat unheimlich gebraucht, bis wir das drin hatten.“

Musikwissen: mangelhaft

„As Tears Go By“? Kenne ich nicht. Ich blamiere mich mit meinem fehlenden Musikwissen und muss eine Minute lang die Frotzeleien vom Kollegen Walter ertragen – bis der selbst beim Lied „Cello“ ahnungslos mit den Schultern zuckt. Ha! Banause!

Doch auch der Chor hat so seine Probleme mit dem Lindenberg-Stück. Der Einsatz stimmt nicht. Andreas lässt nicht locker. Im fünften Versuch sitzt alles. Und klingt – wunderbar. Gänsehaut am ganzen Körper. Ich erfahre am eigenen Leib, worin der Reiz des gemeinsamen Singens liegt. Mitzumachen, macht noch viel mehr Spaß, als einem guten Chor bloß zuzuhören.

Auch den anderen geht das so. So mancher schleppt sich nach einem langen Tag fast widerwillig zur Probe – und geht Stunden später beschwingt nach Hause. Glückshormone garantiert.

Nach eineinhalb Stunden ist Schluss. „Man hat euch gehört“, sagt uns Andreas nach dem letzten Stück. Ob das nun gut war oder nicht, lässt er offen. Aber Brigitte und Reinhold sind mal einer Meinung: „Kommt wieder!“

Der Popchor probt immer montags ab 20 Uhr in Wessels Hotel. Neue Mitglieder sind willkommen. Chorleiter Andreas Erbe informiert unter 04242/934880

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