„So – jetzt ist es raus!“

Gleis 1: Comedy-Jubiläumssaison ist gleichzeitig auch die letzte

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Das Gleis 1 macht noch eine Saison - und dann dicht.

Syke – Joachim Schröder braucht einen kleinen Moment, bis er den Satz über die Lippen bringt: „Die neue Saison vom Gleis 1 wird nicht nur unsere Jubiläumssaison, es wird auch gleichzeitig unsere letzte Saison. So – jetzt ist es raus!“

Die Gründe dafür sind so naheliegend wie ernüchternd: Schröder kann den zeitlichen Aufwand nicht mehr leisten, der mit der Planung und Durchführung einer Kabarett- und Comedyspielzeit verbunden ist, und jemand anderen gibt es nicht im Haus.

Comedy im Gleis 1: Das haben Joachim Schröder und sein Kollege André Zimmermann vor zehn Jahren aus einer Laune heraus erfunden. Schröder war damals Regionalleiter von Awo-Trialog, Zimmermann leitete die Begegnungsstätte im Syker Bahnhof. Beide mochten Kabarett und Comedy und haben sich eines Tages gesagt: Man müsste doch mal... und: Was wäre, wenn...? Und dann haben sie die ersten Gastspiele organisiert. Dass daraus dann eine ganze Spielzeit wurde, hatten beide nicht erwartet. Dass sich das Gleis 1 als Bühne dauerhaft etablieren und sich überregional einen Namen in der Szene – sowohl beim Publikum als auch unter den Künstlern – machen würde, erst recht nicht.

Joachim Schröder vom Gleis 1

Dann trennten sich die Wege der beiden Kreativ-Köpfe. Erst übernahm Zimmermann andere Aufgaben, vor zwei Jahren dann Schröder. Er hat zwar immer noch sein Büro im Syker Bahnhof, ist aber inzwischen für den Bezirksverband Hannover von Awo-Trialog tätig. Und entsprechend unterwegs. Für Kabarett und Comedy im Gleis 1 blieb da nicht mehr genug Luft. Vor einem Jahr hat er das schon gemerkt, sagt er.

Aber merken und wahrhaben wollen sind immer zwei paar Schuhe. Und schließlich war da immer noch die Hoffnung, dass sich irgendwie ein Nachfolger finden würde. Aber der fand sich nicht. Zumal Schröder und Zimmermann das Comedyprogramm immer schon nur in ihrer Freizeit gemacht haben. Mit einem durchaus beträchtlichen persönlichen Zeitaufwand vor und nach den Vorstellungen. So was musst du auch wollen.

Und nun? – Es ist ja noch Zeit, meint Schröder. „Die Saison fängt ja jetzt erst an und sie dauert bis Juni.“ Sein hoffender Blick geht da in Richtung Stadtverwaltung. Die hat mit Stadt & Kultur einen Eigenbetrieb, der unter anderem auch das Programm im Syker Theater managt. Da liegt der Gedanke ja nahe, dass Stadt & Kultur wenigstens in Teilen das Programm im Gleis 1 weiterführen könnte. Bei Carola Gähler, seiner Nachfolgerin in der Syker Regionalleitung werde die Stadt da die berühmten offenen Türen einlaufen, ist sich Joachim Schröder ganz sicher.

„Wir überlegen“, sagt Erster Stadtrat Thomas Kuchem. Und das ist bei ihm keine Floskel. „Als ich vor sechs Jahren nach Syke kam, war ich total fasziniert, was hier alles an Kultur läuft“, erzählt er. Und er möchte Kabarett und Comedy auch in Zukunft unbedingt in Syke halten.

Wie auch immer das dann mittelfristig aussehen mag: „Wichtig ist erst mal, dass die Menschen in dieser Saison zu uns kommen“, sagt Kathrin Wilken von Stadt & Kultur. Denn bisher sieht es eher nicht danach aus. „Die Nachfrage nach Karten ist eher verhalten.“ Und dass obwohl sie und ihr Team ein Hygienekonzept für das Syker Theater gestrickt haben, dass alle Probeläufe tadellos überstanden hat. Und dahin (wir berichteten) weicht ja auch das Gleis 1 mit der kompletten Spielzeit aus. Bei beiden Veranstaltern ist der Vorverkauf bisher aber eher mau.

„Unser Publikum sind offensichtlich sehr vorsichtige Menschen“, sagt Joachim Schröder. „Das Problem ist nur: Ab einem bestimmten Punkt müssten wir Veranstaltungen absagen. Wir versuchen, so viel wie möglich anzubieten, auch wenn es unter den gegebenen Umständen wirtschaftlich nicht mehr attraktiv ist.“

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