Gitarre und Geige im Dialog

Tobias Klich und Isaac Espinoza Hidrobo verzaubern beim Syker Gartenkultur-Auftakt

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Tobias Klichs Gitarrenspiel ist sanft und meditativ.

Wachendorf - Von Detlef Voges. Es ist einiges an Klingendem drin im Paket: Garten, Kultur, Musik. Am Sonntag im alten Garten der Familie Vehring auch Performance und Überraschendes, das Damen sogar ein frivoles „Huch“ entlockte. Dieser spannende Mix ist sicher eine der erfolgreichen Zutaten des Gartenkultur-Musikfestivals.

Seit 2003 erfreut das regionale Sommer-Projekt die Anhänger interessanter Open-Air-Konzerte. Die Anbieter reichen von Vereinen bis hin zu privaten Gartenbesitzern, die den Besuchern ein sinnenfrohes Festival bieten.

Vehrings gehören mit ihrem wunderschönen über 300 Jahre alten Park im Hachetal seit Beginn an dazu. Passend zum Umfeld stets mit besonderen Gästen, die sich selten einer vorherrschenden Richtung verschrieben haben. Tobias Klich (Gitarre, Geige) und Isaac Espinoza Hidrobo (Geige) passten mit ihrem eher philosophisch-poetischen Motto „Die Wiederaufnahme der Zeit“ in dieses Konzept des Ungewöhnlichen.

Zu hören waren neue Kompositionen für Violine solo von Farzia Fallah und Tobias Klich, experimentelle Lautenwerke von John Dowland (1563 – 1626), erweitert mit elektroakustischer Musik von Cheng-Wen Chen. Im Mittelpunkt stand Klichs „Die Wiederaufnahme der Zeit“, ein Dialog von Gitarre und Violine.

Isaac Espinoza Hidrobo an der Geige passt unter dem Motto „Die Wiederaufnahme der Zeit“ gut in das Festival-Konzept.

Allein der Start war ungewöhnlich genug. Während die Besucher in sommerlicher Kleidung Schattenplätze vor dem Baumhaus und unter einer großen Eiche suchten, spielte sich Klich mit einer Geige, den Rücken zu den Gästen gewandt, mit einfachen Klängen ein. Derweil wechselte Hidrobo, der Violinist aus Ecuador, seine duschnasse Kleidung, wobei er den Besuchern, je nach Sicht, dabei körperlich nichts verheimlichte und damit das „Huch“ vereinzelter Damen provozierte.

Überhaupt war viel Natur. Im Blätterwald rauschte es, Pferde wieherten und ein Hahn krähte. Klichs Gitarrenspiel war exzellent, sanft, fast meditativ, Hidrobos Geigenspiel bedächtig, mitunter auch expressiv und disharmonisch. Ein musikalischer Gegensatz, der das ganze Konzert über trug und mit seiner besonderen Akustik einen Dialog mit der umgebenden Natur einging. 

Das wurde besonders deutlich in Cheng-Wen Chen „Guitar tuning live“, einem Stück für elektronische Klänge sowie Geige und Gitarre. Für den Zuhörer klang es teilweise wie ein lautstarker Sekundenzeiger, der die Zeit markierte, langsam aber konstant.

Eher eine geistige Anregung als ein Kuschelabend

„Die Wiederaufnahme der Zeit“ erfolgte in Vehrings Garten gefühlt als Contra zum hitzigen Rhythmus der Realität – eher bedächtig, sich innerlich sammelnd, langsam und voller Poesie. Die Gitarre war dabei reiner Klangkörper, den beide Musiker, sich gegenüberstehend, bearbeiteten und den Eindruck erweckten, sie wollten die Zeit verändern.

Das Finale erinnerte an Michelangelos Fresko „Die Erschaffung des Adam“ in der Sixtinischen Kapelle und bildhaft an eine Geburt mit den Zeigefingern des Geigers und Gitarristen, die sich nicht berührten. Ein Konzert mit „Huch“-Performance, das nicht emotional bewegte, aber intellektuell durchaus mitnahm, nichts für einen kuscheligen Abend zu zweit, aber etwas als geistigen Appetitanreger allemal.

Manche Besucher setzten es gleich in die Tat um und genossen den Abschluss mit einem Rundgang durch einen Garten, dessen ältester Teil aus dem Jahr 1680 datiert. Mensch und Natur haben im Laufe der Jahre daran weitergearbeitet und ein stilvolles Nebeneinander von historischen Gebäuden und ganz unterschiedlichen Gartenräumen geschaffen, die den Wanderer mit immer neuen Sichtachsen, alten Bäumen und Keramiken überraschen.

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