Tages-Workshop zum Thema „Big Data“ im Gymnasium

Der Gigant aus Informationen

Datensammler gegen Datenschutzlobby: In einem Rollenspiel bereiteten die Gymnasiasten ihre Positionen in einer fiktiven Talkshow zum Thema „verpflichtende Schul-Armbanduhr“ vor. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Frank Jaursch. Man stelle sich einen großen Berg Daten vor: Alle Daten, die seit Anbeginn der Zeit bis zum Jahr 2002 weltweit gespeichert wurden – auf Steintafeln und Pergamenten, in Büchern und Zeitungen, auf Disketten und Kassetten. Wie lange brauchte die Weltbevölkerung 2014, um ebenso viele Daten zu speichern? Die Antwort veranschaulicht die Dimensionen, in denen wir uns heute bewegen: Zehn Minuten.

Die Menge an weltweit generierten Informationen ist so gigantisch, dass selbst der Begriff „Big Data“, der diesen digitalen Giganten umschreibt, wie eine Verniedlichung klingt. Der Digital-Branchenverband Bitkom hat sich vorgenommen, das Thema in die Schulen zu tragen – mit der Workshopreihe „Erlebe IT“. Am Montag stand „Big Data“ im Gymnasium im Mittelpunkt.

Chancen und Risiken beleuchten

Julian Kasten, freier Medienpädagoge aus Leipzig, brachte Schülern der Jahrgänge 10 bis 12 einen Vormittag lang das Thema näher. Dabei ging es im Wesentlichen darum, Wissen zu generieren: Welche Chancen und Risiken verbergen sich hinter dem Phänomen „Big Data“? „Dabei geht es darum, offensiv an die Problematik heranzugehen. Nicht nur skeptisch, aber auch nicht unreflektiert. Sondern mit einer eigenen Haltung.“

Von Datenkraken wie Google, Facebook & Co. über das „Smart Home“ bis hin zum eigenen Datenschutz reicht das Thema. Axel Knoerig, CDU-Bundestagsabgeordneter und Schirmherr der Aktion, fasst das Ganze mit „Medienkompetenz steigern“ zusammen. Er ist in diesen Tagen in acht Schulen seines Wahlkreises unterwegs. Und Knoerig ist voll des Lobes für die Experten, die in den Schulen für die Vermittlung sorgen. „Die machen das klasse, kommen frisch und entkrampft rüber und vermitteln so den Schülern grundlegende Dinge.“

Es geht um die Kunst, Algorithmen zu entwickeln

Die waren bei den Gymnasiasten schon in weiten Zügen vorhanden, lobte Kasten. Das wurde bei einem Einstiegs-Ratespiel nach „Tabu“-Vorbild deutlich. Anschließend umriss Julian Kasten, was unter Umständen den Wert von „Big Data“ ausmachen könnte. „Es geht um die Kunst, Algorithmen zu entwickeln, um in den Daten Muster und Zusammenhänge zu erkennen.“

Wer das am besten kann, hat ein mächtiges Instrument zur Hand. Denn in den Datenmengen sind Gewohnheiten und Vorlieben versteckt, Eigenarten und Wünsche. Längst ist auch in der analogen – also der „echten“ – Welt ein Start-Up-Unternehmen ohne Nutzung der digitalen Welt nahezu undenkbar.

Den Jugendlichen wurde unter anderem in einem Rollenspiel die Ambivalenz der Thematik vor Augen geführt. So mussten sie unterschiedliche Positionen für eine fiktive Talkshow zum Thema „verpflichtende Schul-Smartwatch“ ausarbeiten. Wo liegen die Vorteile? Wo die Gefahren? Datensammler und Datenschützer lieferten sich einen verbalen Schagabtausch.

Und wo schon mal ein Bundespolitiker zu Gast war, nutzte ein Schüler das in der Pause gleich mal zu einem Gespräch mit Knoerig, das auch mit „Big Data“ zu tun hatte: Es ging um Vorratsdatenspeicherung.

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