Poetry Slam: „Sommertag“ und „Die Fabelstapler“ haben das Publikum fest im Griff

Gewaltige Wortakrobatik

Die Poetry-Slamer begeistern das Publikum der Syker Kulturstätte Gleis 1. Fotos: heinfried husmann

Syke - Von Juraj Sivulka. Welche Wirkung ein treffendes, pointiertes, tiefsinniges, aber auch witzig platziertes Wort ausüben kann, davon konnten sich die Besucher am Samstagabend in der Syker Kulturstätte Gleis 1 überzeugen. Gleich fünf Poetry-Slam-Künstler sorgten dort für einen „Gedankenzugverkehr“ der besonderen Art.

Simeon Buß, der beherzt durch den Abend führte und selbst einige Beiträge beisteuerte, erklärte den Besuchern zunächst das literarische Genre, doch das war nicht unbedingt nötig, denn das Publikum erwies sich als „literaturfest“. Und so übte man sich schon in der Intensität des Applauses auf einer Skala von eins bis zehn. „Gegen einen Applaus der Lautstärke zehn ist Goethe eine Lachnummer“, bemerkte der Moderator witzig, und dann ging es los.

„Die Fabelstapler“ Markus Becherer und Phriedrich Chiller (Kaiserslautern/Mannheim) ließen das Publikum zunächst ob etlicher genialer Erfindungen der Menschheit staunen, um dann die Aufmerksamkeit auf „einfache und wunderschöne Dinge“ des Lebens zu lenken. In die gleiche Kerbe schlugen auch die Schwestern Inke und Birte Sommerlang (Berlin/Leipzig), die als Duo „Sommertag“ auftraten. Kinder, die erst acht Jahre alt sind und schon gezwungen werden, auf ihre Figur zu achten, das Thema des Schlankheitswahns, aber auch Irritationen in der Unterwäsche-Abteilung – all diese Themen kamen beim Publikum sehr gut an.

Und schon jagte ein Höhepunkt den anderen. In einem rasanten, gedanklich teilweise kaum nachvollziehbaren Wortwechsel entfachten die Protagonisten ein Feuerwerk der Wortakrobatik. Die Auseinandersetzung mit GPS, Instagram, Burnout, Depression, vernachlässigten Kindern, Deutscher Bahn, übermäßigem Konsum, Rechtsextremismus – das alles blieb dem Publikum nicht erspart. Die Akteure begleiteten ihre Auftritte mit viel Gestik und Mimik, auf der Bühne wurde sogar getanzt.

Doch es blieb nicht nur beim gesprochenen Wort. Das Duo „Sommertag“ agierte auch musikalisch, was für weitere Abwechslung sorgte. Lieder mit dem Titel „Staub“ oder „Licht“, die eine melancholische Atmosphäre auf die Bühne zauberten, quittierte das Publikum mit einem lang anhaltenden Applaus.

Die pointierten Beiträge, kamen sie auch so witzig daher, trugen in sich immer eine ernsthafte Botschaft. Ein fulminanter Auftritt mit dem Titel „Auto“ und vielen beherzten Redewendungen (per pedes statt Mercedes, Soda statt Skoda, Aral-Verkehr, Feinstaub – das muss man sich auf der Lunge zergehen lassen) brachte die Zuhörer nicht nur zum Lachen und Jubeln, sondern machte auch den Wahnsinn des Autoverkehrs in Deutschland deutlich. Der Abend, der nur von einer „fünfminütigen Pause in Länge von zwanzig Minuten“ unterbrochen wurde, hatte eine wunderbare Leichtigkeit und verging wie im Flug. Das Publikum folgte den Aufforderungen der Künstler, mitzumachen, belohnte die Auftritte mit viel Applaus und Jubelschreien´. Die Akteure bedankten sich wiederum mit zwei Zugaben. Nachdem die letzten Töne der Veranstaltung verklungen waren, hörte man eine Besucherin rufen: „Das war toll! Wahnsinn!“

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