Hokuspokus im Rathaus?

Politik kritisiert „unseriöse Angebote“ bei der Gesundheitsmesse

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Das Rathaus stellt die Stadtverwaltung schon seit einigen Jahren grundsätzlich nicht mehr für externe Veranstaltungen zur Verfügung. Die Gesundheitsmesse ist eine von ganz wenigen Ausnahmen.

Syke - Von Michael Walter. Scharfe Kritik an der Gesundheitsmesse am Samstag kommt aus Richtung der Syker Politik: Im und ums Syker Rathaus präsentieren sich von 11 bis 17 Uhr mehr als 60 Aussteller aus dem Bereich der alternativen oder ganzheitlichen Medizin. Darunter einige, deren Methoden Grünen-Fraktions-Chef Heinz-Jürgen Michel für Hokuspokus hält. Auch der Verwaltungsausschuss des Rats hat sich bereits mit dem Thema beschäftigt.

„Viele der Angebote sind sicher sinnvoll und auch eine Bereicherung für die Stadt Syke“, sagt Michel. Allerdings seien auch einige darunter, von denen er findet, „dass diese nichts im Ratssaal zu tun haben und man so solchen Angeboten qua Teilnahme im Ratssaal einen seriösen Touch mitgibt, der ganz und gar nicht angebracht ist.“

Speziell drei Anbieter hat sich Michel exemplarisch rausgepickt. 5 D-Körperscan: „Eine Methode, mit der angebliche unbewusste Schwingungen auf Körperzellen gemessen werden. Das Ganze gepaart mit dem Versprechen, angebliche Energieblockaden in den Zellen zu lösen, die angeblich Ursache von allen Krankheiten sein sollen“, so Michel. Lavylites: Ein per Schneeballsystem vertriebenes Gesundheitsprodukt, „welches angeblich durch Aufsprühen auf die Haut Informationen in die menschlichen Zellen überträgt und diese regeneriert“. Michels Meinung dazu: „Der deutsche Chef dieser Firma wird auf jeden Fall finanziell regeneriert.“ Und schließlich Jenseitskontakte: Eine Ausstellerin „hilft angeblich, mit Verstorbenen zu kommunizieren, indem die Energien der Seelen in ihr Energiefeld eintreten“.

Auch für die seriösen Aussteller auf dieser Messe wie etwa Anbieter von Massage- und Entspannungstechniken oder gesunder Ernährung müsse es „unschön“ sein, „neben solchen Hokuspokus-Anbietern sich zu präsentieren“, so Michel. Und für den Ratssaal halte er das auch für „nicht angebracht“.

Wiltrud Henning (links) und Alexandra Guillot organisieren die Gesundheitsmesse am Samstag im und ums Syker Rathaus.

Bürgermeisterin Suse Laue teilt diese Auffassung grundsätzlich. „Ehrlich gesagt, haben wir gar nicht so genau nachgeprüft, wer da eigentlich alles mitmacht“, sagt sie auf Nachfrage. Hintergrund: Die Gesundheitsmesse hat ihre Wurzeln im ehemaligen Arbeitskreis Frauengesundheit, den die damalige Frauenbeauftragte Agatha große Macke mit ins Leben gerufen hatte. Der Gesundheitskreis Syke ist gewissermaßen die Nachfolgeorganisation unter anderen Vorzeichen.

Die damalige Verbindung zur Gleichstellungsstelle im Syker Rathaus hat sich aber erhalten. „Aus dieser Tradition heraus hatten wir auch gar keine Bedenken, für die Gesundheitsmesse das Rathaus zur Verfügung zu stellen“, sagt Laue. „Das machen wir für externe Veranstaltungen inzwischen so gut wie gar nicht mehr.“ Nicht zuletzt auch aus dem Grund, den Heinz-Jürgen Michel meint: Der Veranstaltungsort Rathaus gibt der Veranstaltung selbst auch immer einen gewissen seriösen Touch. Und dann - das meint auch Suse Laue - muss die Stadt auch darauf achten, dass der Inhalt dem Ort angemessen ist.

„Wir werden beim nächsten Mal einfach aufmerksamer hinsehen“, verspricht die Bürgermeisterin. Darüber hat sie am Donnerstag auch den nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss des Rats informiert.

Jeder kann sich selbst ein Bild machen

Wiltrud Henning kann diesen plötzlichen Wirbel nicht so ganz nachvollziehen. Sie hat zusammen mit Alexandra Guillot die Gesundheitsmesse federführend organisiert. „Viele unserer Aussteller kommen aus dem Gesundheitskreis“, erklärt sie. „Die kennen wir persönlich. Andere nicht, die von sich aus auf uns zugekommen sind.“ Zu den drei von Heinz-Jürgen Michel ausdrücklich als „Hokuspokus“ kritisierten Angeboten sagt sie: „Mir ist bewusst, dass viele Menschen das kritisch sehen. Auf der Messe kann sich jeder selbst ein Bild davon machen. Das ist ja gerade der Grund für diese Messe.“

Grundsätzlich steht Henning auf dem Standpunkt: Was hilft, ist gut, und selbst Hokuspokus kann hilfreich sein. „Das kann man nicht beweisen. Aber es funktioniert. Man muss daran glauben.“ Die beiden anderen kritisierten Methoden kenne sie zwar nicht, mit Jenseitskontakten habe sie aber selbst gute Erfahrungen gemacht. „Mir hat das damals geholfen, als mein Bruder gestorben ist. Und deshalb hat das auch etwas mit Gesundheit zu tun. Wenn jemand nicht zu einem Medium gehen möchte, muss er das ja auch nicht. Wir wollen nur informieren. Wir zwingen niemandem etwas auf und wir geben keine Heilversprechen. Das dürfen wir auch gar nicht.“

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