Über 60 Teilnehmer beim virtuellen Bürgerdialog zur Innenstadtgestaltung

Gesucht: Das Ei des Columbus

Ein glückliches Händchen in Sachen Innenstadt-Gestaltung wünschen viele Syker der Stadt. Hauptstraße und Umgebung standen beim ersten Syker Online-Bürgerdialog im Mittelpunkt. Viele neue Erkenntnisse gab es dabei aber nicht.
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Ein glückliches Händchen in Sachen Innenstadt-Gestaltung wünschen viele Syker der Stadt. Hauptstraße und Umgebung standen beim ersten Syker Online-Bürgerdialog im Mittelpunkt. Viele neue Erkenntnisse gab es dabei aber nicht.

Syke – Die Hauptstraße ist zweigeteilt in eine funktionierende südliche und eine nicht so gut funktionierende nördliche Hälfte. Der Reiz, sich einfach so zum Spaß dort aufzuhalten, ist überschaubar. Und der fehlende Herrenausstatter wird von den Sykern tatsächlich als Mangel empfunden: Inhaltlich Neues hat der virtuelle Bürgerdialog zur Innenstadt nicht wirklich gebracht.

Aber Erwartungen und Annahmen bestätigt zu sehen, kann ja ebenfalls ein Erkenntnisgewinn sein.

Eingeladen hatte die Stadtverwaltung. Phasenweise mehr als 60 Teilnehmer hatten sich am Dienstagabend in die virtuelle Diskussionsrunde auf der Internet-Plattform BBB eingeklinkt. Ihr Echo am Ende war überwiegend positiv und kulminierte im Wunsch nach baldiger Fortsetzung.

Wie wünschen sich die Syker ihre Innenstadt, lautete das Thema des Abends. Zum Einstieg präsentierte Erster Stadtrat und Wirtschaftsförderer Thomas Kuchem die Auswertung der Online-Umfrage zum Einzelhandel vom März (wir berichteten). Die besagt im Wesentlichen: Im Innenstadtbereich kaufen die Syker vor allem Lebensmittel, Kosmetik- und Drogerie-Artikel sowie Bücher. Den Gesamteindruck bezeichnen sie als eher schlecht. Es fehlt ihnen an Herrenbekleidung, Gastronomie und allgemein an Warenvielfalt. Als gut empfinden sie die Erreichbarkeit und die Parkmöglichkeiten.

Untrennbar mit dem Thema Attraktivität der Innenstadt verbunden scheint das Thema Verkehr. Die Diskussion am Dienstag machte einmal mehr deutlich, dass die Interessen der Bürger da durchaus sehr unterschiedlich sind. Ralf Borchers schlug vor: Fußgängerzone vom Mühlendamm bis zur Volksbank, und von der Volksbank bis hinter Rewe Begegnungsverkehr. Arwed Vogt sprach sich strikt dagegen aus. „Fahren in der Hauptstraße mit Gegenverkehr: Das hatten wir. Bloß nicht wieder!“, kommentierte er Borchers’ Vorschlag im Chat.

Attraktive Innenstädte zeichnen sich durch eine attraktive Architektur aus. Für Syke heißt es: Traditionelle Gebäude so weit möglich erhalten und renovieren, für neue Gebäude ein Gestaltungskonzept entwickeln.

Friedrich Hagedorn

Fahren in der Hauptstraße mit Gegenverkehr: Das hatten wir. Bloß nicht wieder!

Arwed Vogt

Die vielen Büros, die Leerstände und die Baulücken an der Hauptstraße sind vielen Sykern ein Dorn im Auge. Die Verwaltung sowie einige Ratsmitglieder versuchten zu erklären, weshalb sie darauf nur wenig Einfluss nehmen können: Grundstücke und Gebäude befinden sich in Privatbesitz. Und selbst wenn Stadt und Politik vorschreiben könnten, dass Geschäftsräume mit Einzelhandel statt mit Bürofläche zu belegen sind, und welche Sortimente dort anzubieten sind (über Festschreibungen in Bebauungsplänen wäre so etwas durchaus möglich), dann hieße das noch lange nicht, dass der Vermieter solche Interessenten überhaupt finden würde. Denn für viele Einzelhandelsketten ist Syke schlicht zu klein, um attraktiv zu sein. Und viele Geschäfte haben ohnehin große Probleme durch das geänderte Einkaufsverhalten der Menschen – Stichwort Onlinehandel.

Florian Kastner, Ratsmitglied, Vorsitzender der Werbegemeinschaft und selbst Ladeninhaber an der Hauptstraße, sagt: „Es hat in all den Jahren noch kein Einzelhändler in Syke sein Geschäft aufgegeben, weil er so reich geworden wäre, dass er nicht mehr arbeiten musste. Die einen haben sich aus Altersgründen zur Ruhe gesetzt. Und bei den anderen muss man der Wahrheit ins Gesicht sehen: Einzelhandel lohnt sich oft nicht.“

Insgesamt mehr Wohnen und Arbeiten in der gesamten Hauptstraße ermöglichen. Kaufkraft entsteht durch Menschen die dort Leben.

Ralf Borchers

Unternehmer Roman Wohlgemuth, der sich in den vergangenen Jahren schon häufig als scharfer Kritiker der Syker Kaufmannschaft und der Werbegemeinschaft gezeigt hatte, hielt auch in dieser Runde mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: Sowohl die Hauseigentümer als auch die Geschäftsbetreiber müssten viel stärker in die Pflicht genommen werden, zu einer besseren Aufenthaltsqualität beizutragen. Bei Politik und Verwaltung vermisst er eine klare Idee, wie die Innenstadt überhaupt strukturiert sein soll. Sprich: Was soll an welcher Stelle passieren und wie müssen die äußeren Umstände dafür sein, damit das funktioniert? Erst dann sei es sinnvoll, über Inhalte zu reden. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch der Bürgermeisterin liebstes Kind – die Stadtbibliothek an die Hauptstraße umzusiedeln – als verfrüht. „Wenn die Struktur nicht da ist, wäre eine Bibliothek in der Innenstadt auch nicht mehr als lediglich eine weitere Adresse.“

Die jungen Leute werden vergessen. All die Jahre wird in Syke bei der Stadtplanung das Augenmerk auf die älteren Generationen gelegt, das muss sich ändern.

Léon La Flèche

So völlig konzeptlos, wie viele Beiträge das an diesem Abend unterstellten, sei die Stadt nun auch wieder nicht, klinkte sich Bürgermeisterin Suse Laue ein. Die Stadt sei gerade dabei, genau solche Konzepte auszuarbeiten. Der Bürgerdialog sei ein Baustein von vielen in diesem Mosaik.

Alle Beiträge dieses Abends, auch die im Chat besprochenen Zwischenfragen und Anmerkungen, sollen bei dieser Arbeit berücksichtigt werden.

Weitere Bürgerdialoge sind geplant. Der nächste ist bereits am Mittwoch, 19. Mai, ebenfalls in virtueller Runde. Dann geht es um das Mobilitätskonzept.

Kommentar:

Virtuell schlägt real

Ein überheizter Raum in einer Gaststätte, drangvolle Enge. Sobald vorne einer etwas sagt, das nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt, geht ein Aufstöhnen durch die Zuhörer und alle plappern durcheinander. Je kontroverser das Thema, desto lauter.

So ungefähr sahen vor Corona gefühlte elf von zehn „Bürgerdialogen“ aus. Und wer schon einmal dabei war, wünscht sich sowas nicht allzu oft.

Wie ausgesprochen wohltuend wirkte da doch die virtuelle Form einer solchen Veranstaltung, wie Syke sie am Dienstagabend ausprobiert hat. Zu Wort kommt nur, wer sich vorher gemeldet hat. Nur wer das Wort hat, hat auch das Mikrofon offen und Zwischenfragen werden stumm im Chat gestellt. Großartig!

Das hat am Dienstag so gut funktioniert, dass die Stadtverwaltung sich überlegen sollte, diese Form des Bürgerdialogs zum Regelfall zu machen, sie also auch nach Corona beizubehalten und nur noch in Ausnahmefällen zur alten „Wir-schaukeln-uns-gegenseitig-hoch-und-fallen-uns-ins-Wort-und-reden-alle-durcheinander“-Form zurückzukommen. Und da sich bei der virtuellen Form auch der organisatorische Aufwand für alle in überschaubaren Grenzen hält, könnte man vielleicht sogar grundsätzlich solche Dialoge noch viel öfter machen.

Von Michael Walter

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