Geschichtswerkstatt legt zweiten Band der Reihe „Syker Zeitfenster“ vor

Blick in die Syker NS-Zeit

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Jens Jacobsen-Bremer (l.), Ratsvorsitzender Peter Jahnke (r.) und Stadtarchivar Hermann Greve.

Syke - Von Detlef Voges. Die Geschichts- und Schreibwerkstatt hat ein weiteres Syker Zeitfenster geöffnet. Das akribisch recherchierte und mit teils erstmals veröffentlichten Fotos illustrierte Buch beschreibt die Jahre 1919 bis 1933 und damit die Zeit, als auch in Syke die Nazis das Leben vergifteten.

Autor des Buches ist Jens Jacobsen-Bremer, von 2001 bis 2011 Mitglied im Ristedter Ortsrat. Gemeinsam mit Stadtarchivar Hermann Greve und dem Stadtratsvorsitzenden Peter Jahnke stellte der ehemalige Geschichtslehrer an der KGS Weyhe gestern im Rathaus den zweiten Band aus der Reihe „Syker Zeitfenster“ vor. Drei weitere Bände sind in den nächsten Jahren geplant. Insgesamt soll die fünfteilige Reihe die Jahre 1919 bis 1949 in Syke beleuchten.

Er habe sich beim Recherchieren schon manchmal an Pegida erinnert, erklärte Jacobsen-Bremer. Auch damals hätten die Menschen nach dem Ersten Weltkrieg Ängste gehabt. Sie seien durch Inflation und Kriegsfolgen verunsichert gewesen. Es habe Aufmärsche gegeben. Auch die Syker hätten, durch Ängste veranlasst, radikaler gewählt. „Ich habe versucht, die Änderungen in der Stimmung der Menschen aufzunehmen“, betonte der Autor und erinnerte an die ohnehin konservative ländliche Bevölkerung, die sich dann den Nazis zugewandt hätte. Besonders empfänglich für deren Ideologie seien die armen Heuerlinge gewesen.

Greve spricht von einem politischen Nord-Süd-Gefälle in Syke damals. Während sich der Norden (Barrien und Ristedt) mit den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern eher links orientiert hätte, wäre der Süden mit Clues, Wachendorf, Gödestorf und Heiligenfelde bei den Wahlen fest in Nazi-Hand gewesen.

Als ehemaligen Geschichtslehrer haben Jacobsen-Bremer die Ergebnisse seiner Recherche nicht wirklich überrascht. Erstaunt war er aber doch über Einzelschicksale. Das Buch ist voll von handelnden und willfährigen Personen. Etwa der des Bürgermeisters Friedrich Rittmeister oder der des Bremer Pfarrers Thyssen, der sich in einem Vortrag in Syke 1932 zu dem Vergleich „Christenkreuz oder Hakenkreuz?“ verstiegen hatte.

Am 31. März 1933 wurde der erste Syker Stadtrat unter dem neuen NS-Regime eingeführt. Dabei war auch der SPD-Abgeordnete Albert Brill. Nach einer Ehrung für Adolf Hitler und dem Horst-Wessel-Lied verließ Brill demonstrativ den Saal. Wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses kam der aufrechte Mann in Schutzhaft und landete noch abends im Amtsgefängnis Bassum.

Der Autor nennt Namen und beleuchtet Entwicklungen. „Ich wollte zeigen, wie Menschen in Syke damals gelebt und gedacht, vor allem, wie sie gehandelt haben“, so Jacobsen-Bremer.

Das neue „Syker Zeitfenster“ ist in der Buchhandlung Schüttert und im Rathaus zum Preis von 15 Euro zu erwerben.

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