Geschichtsträchtiger Hingucker

Das Kreishaus-Ensemble und seine Entwicklung

Markantes Ensemble: Das Kreishaus hat das Syker Ortsbild geprägt. Repros: Voges
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Markantes Ensemble: Das Kreishaus hat das Syker Ortsbild geprägt.

Das ehemalige Landratsamt, später besser als Kreishaus bekannt, birgt eine Fülle an Geschichten. Bis heute ist das Anwesen mit den Häusern, dem Amtshof, der Architektur, ein absoluter Hingucker in Syke und stets auch von Interesse für Besucher. Wie ein Bermuda-Dreieck treffen hier der Mühlendamm, die Schloßweide und die Hauptstraße aufeinander.

Syke - Von Ilse-Marie Voges. Über den Zugang - das Torhaus (1738/40) - konnten einst die Leute die Burg erreichen. Inzwischen ist der Torbogen dem späteren Umbau des Ensembles angepasst. Neben Amtsstuben verfügte man in Syke über Gefängniszellen. Im einstigen Fachwerkgebäude war 1885 die Verwaltungsbehörde ansässig. 1914/15 entstand ein Erweiterungsbau mit Obergeschossfachwerk. Das war schon eine einladende Architektur.

Durch das Torhaus erreichten Besucher das Amtsgericht, das zwischen 1843 und 45 gebaut wurde - für die damaligen Ämter Syke, Freudenberg und Harpstedt - und sogar mit einem Gefängnis und einem Gefangenenhof ausgestattet. Ein „Criminalamt“ erhielt in Syke eine Zukunft: Am 8. November 1850 wurde im Königreich Hannover die Trennung von Verwaltung und Justiz vollzogen.

Sykes Amtmänner waren nun nicht länger zugleich Richter der untersten Justizebene. Auf dem Amtshof zog ein Richter ein: der frühere Göttinger Polizeidirektor Gustav Heintze. Er hatte sich in Göttingen unbeliebt gemacht, weil er anlässlich der damaligen Studentenunruhen eine harte, wenn auch unblutige Linie verfolgt hatte. Die Versetzung nach Syke als Amtsassessor war für ihn zweifellos ein Abstieg. Doch 1851 berief man ihn in die Organisations-Kommission, die mit Einrichtung des Amtsgerichts gebildet worden war. Für seine Dienste zeichnete ihn das hannoversche Königshaus sogar mit einem Orden aus. Bis 1873 blieb Gustav Heintze am Syker Amtsgericht, wurde zwischenzeitlich sogar zum Oberamtsrichter befördert.

Das Kornzinshaus stammt ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert.

Das Gerichtsgebäude steht heute noch - umgebaut und erweitert, ohne Gefangenenhof und Zellen, doch noch wie vor als Amtsgericht. Das heutige Amtsgerichtsgeschehen vollzieht sich in mehreren Räumen. Der Arm der Gerichtsbarkeit ist lang und deckt den Norden des Landkreises teilweise ab. Die vier Sitzungssäle sind die ganze Woche hindurch belegt. Das Wohnhaus für einen Amtsrichter gibt es nicht mehr, das Kornzinshaus aus dem Jahr 1592 allerdings bis heute.

Im Keller waren wohl vor zig Jahren kurzzeitige Einbuchtungen bei Brot, Wasser und mit der Bibel möglich. Einige Syker wissen heute davon schmunzelnd zu erzählen, ebenso vom „langen Amtsrichter Neumann“, der stets in seinen Manteltaschen oder Roben ein paar Körner für die Hühner hatte, die auf dem Amtshof scharrten.

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